Horst Evers - Wäre ich du, würde ich mich lieben  (rowohlt BERLIN)

Horst Evers – Wäre ich du, würde ich mich lieben (rowohlt BERLIN)

CoverWarum erfindet der Mensch elektrische Zahnbürsten, aber keinen Mülleimer, der selbständig in den Hof runtergeht und sich ausleert? Gibt es eine Altersvorsorge, die auch schon in jungen Jahren glücklich und zufrieden macht? Wie hält man vor einem Kater dessen Kastration geheim? Wie die Tücken des Hier und Jetzt auch aussehen mögen: Horst Evers hat zwar nicht immer eine Lösung parat, kann aber so lustig und liebevoll davon erzählen, dass man schon wieder froh ist, dass es die Probleme gibt. Darüber hinaus absolviert Evers eine Ausbildung zum Wikinger, entdeckt mit seiner Tochter eklige Wörter («Currywurstsmoothie») und bringt die wahren Gründe ans Licht, warum der Berliner Flughafen einfach nicht fertig wird. Seine Exkursionen treiben ihn in einen Riss des Raum-Zeit-Kontinuums am Hauptbahnhof Witten, führen ihn zu existenziellen Fragen in Cottbus («Was nützt dem Wolf die Freiheit, wenn er das Schaf nicht fressen darf?») und natürlich auch in die unendlichen Weiten der zwischenmenschlichen Beziehungen: «Wäre ich du, würde ich mich lieben.» In seinem neuen Geschichtenband ist Horst Evers weit davon entfernt, auch nur einen einzigen Ratschlag zu erteilen, hilft aber trotzdem!

Horst Evers, geboren 1967 in der Nähe von Diepholz in Niedersachsen, studierte Germanistik und Publizistik in Berlin. Er jobbte als Taxifahrer und Eilzusteller bei der Post und gründete 1990 zusammen mit Freunden die Textleseshow «Dr. Seltsams Frühschoppen», die bald zur erfolgreichsten Lesebühne im deutschsprachigen Raum wurde. Horst Evers erhielt u. a. den Deutschen Kabarettpreis (2002) und den Deutschen Kleinkunstpreis (2008). Jeden Sonntag ist er auf radioeins zu hören. Seine Geschichtenbände, zuletzt «Für Eile fehlt mir die Zeit», sind Bestseller. Horst Evers lebt mit seiner Familie in Berlin.

Meinung zum Buch:

„Es ist sehr schwer, eine schwarze Katze in einem dunklen Zimmer zu finden. Besonders, wenn sie gar nicht da ist!“
(Konfuzius)

Das Leben könnte so kompliziert sein, wenn wir Menschen wie Horst Evers nicht hätten…. Sie machen den Alltag zwar nicht weniger kompliziert, aber mit ihren Anekdoten wesentlich unterhaltsamer. In seinem neusten Erzählband nimmt uns der Berliner Autor und Kabarettist erneut an die Hand und führt uns in sein persönliches Absurdistan. Auch wenn sein Alltag nicht wesentlich anders abzulaufen scheint, als der der meisten anderen Menschen, gelingt es ihm jedoch mit seinen irrwitziEvers13151_ej_horstev-3Z09gen, teils konfus wirkenden, aber letztendlich irgendwie immer schlüssigen Gedankengängen, jeder noch so banalen Episode die Portion Nonsens abzugewinnen, die seine Geschichten so unterhaltsam machen. Seine Ansichten zu den unterschiedlichsten Angelegenheiten des Lebens helfen einem natürlich an keiner Stelle weiter, sind aber in ihrer subtil ins Skurrile abrutschenden Art teils so irrwitzig komisch, dass man nicht aufhören kann, sie zu lesen.

Wäre ich du, würde ich mich lieben erscheint als schön gestaltete gebundene Ausgabe mit einem Titelbild von Dieter Pfarr bei Rowohlt BERLIN (224 Seiten, €16,95).

Horst Evers macht auch in Wäre ich du, würde ich mich lieben das, was er am besten kann, nämlich über Dinge schreiben, über die wir eigentlich nichts lesen wollen, es dann trotzdem tun und uns dabei herzlich zu amüsieren. Seine hier versammelten 56 Anekdoten zeigen, was es heißt, den Irrsinn des Alltags in kongeniale Satzkonstruktionen zu verpacken, die in ihrer Absurdität schlagfertig und clever sind. An manchen Stellen nicht ganz so genial auf den Punkt gebracht wie „Für Eile fehlt mir die Zeit“, aber trotzdem sehr unterhaltsam und jedem Fan oder Neueinsteiger klar zu empfehlen!

Christian Funke-Smolka