Howard Linskey  - Crime Machine  (Knaur)

Howard Linskey – Crime Machine (Knaur)

 

Als Thrillerfan und Vielleser ist es erfreulich, wenn man von einem Buch, beziehungsweise dessen Autor, überrascht wird. Dies erging mir so bei der Lektüre von Howard Linskeys Debütroman Crime Machine (Knaur, 384 Seiten), da es sich um einen waschechten Thriller im klassischen Format handelt, welcher auf jegliche Form von Serienmörder oder psychisch gestörtem Maniac verzichtet, sich nicht seitenlang in der detaillierten Schilderung perverser Gräueltaten ergeht, oder manisch depressive Antihelden in den Fokus stellt. Nein, Crime Machine ist ein reinrassiger britischer Krimi im althergebrachten Stil, wie es ihn schon seit geraumer Zeit als Filmgenre zu genießen gilt (ich denke da an die Guy Ritchie – Filme, The Business oder Gangster No. 1), in literarischer Form aber etwas vernachlässigt wurde (man verstehe mich nicht falsch, ich mag auch die derben Serientäter-Romane, aber auf Dauer kann das auch etwas ermüden).

Die Geschichte handelt von dem Kleinkriminellen David Blake, der eigentlich eine „saubere Weste“ hat, jedoch als Berater des skrupellosen Mobsters Bobby Mahoney arbeitet. Blake ist der Meinung, das er es nach seinem Studium verdient hat, einen guten Job zu bekommen, in welchem er viel Geld verdient, ohne sich die Finger schmutzig machen zu müssen. Dies ist jedoch ein Trugschluss, wenn man für einen der größten Gangster Englands arbeitet, zumal sein stand in der Organisation nicht der Beste ist, da er den meisten anderen Gangstern der Gruppe eher suspekt ist. Hier kann er seine Position nur behaupten, da er mit seinen frischen Ideen Geld in die Kasse bringt.
Mit diesem verdienten Geld macht er sich mit seiner Freundin auf in den wohlverdienten Urlaub, muss jedoch bei seiner Rückkehr feststellen, dass etwas ganz enorm aus dem Ruder gelaufen ist. Eine Geldübergabe ist geplatzt, und sein Vertrauter, George Cartwright, verschwand mit dem Geld. Blake bekommt 72 Stunden, um das Geld zurückzubekommen, oder sein Leben ist keinen Penny mehr wert.
David Blake muss nun erkennen, dass man in einer Gangsterorganisation nie eine „saubere Weste“ behalten kann.

Howard Linskey

Autor Howard Linskey, Jahrgang 1967, gelingt mit Crime Machine ein erfrischendes und temporeiches Debüt. Linskey, der unter anderem als Barkeeper und im Marketing, später als freier Journalist gearbeitet hat, betreibt hier eine detaillierte und bissige Milieustudie, welche im umgangssprachlichen Jargon verfasst, einen etwas anderen Blick auf Englands Unterwelt wirft. Sein Gespür für das perfekte Timing lässt seine rasante Story über den kriminellen Underdog, der uns die Geschichte aus seiner Sicht schildert, so kurzweilig escheinen, sein Talent, Charaktere, pointierte Dialoge und plastische Beschreibungen zu kreieren, machen den Thriller so realitätsnah und fesselnd.
Dass dies auch in der deutschen Übersetzung so greift, ist dem unnachahmlichen Talent der Übersetzerin Conny Lösch zu verdanken, die erneut beweist, dass sie sprachlich zu den derzeit Besten gehört!

Crime Machine ist ein charmanter Mistkerl von einem Thriller… böse, schnell und skrupellos, aber von einer literarisch bestechenden Qualität und einem fesselnden Charisma. The Times nennt Howard Linskey den „Dashiell Hammett aus Newcastle“, und irgendwie ist das passend, denn Linskey verbindet den klassischen Noir mit seinen düsteren Figuren a’la Hammett und Chandler mit dem Krimi der modernen Popkultur, und erschafft so einen Thriller mit Suchtpotential!

Christian Funke-Smolka