Hunter S. Thompson: Die Rolling Stone - Jahre (Heyne Hardcore)

Hunter S. Thompson: Die Rolling Stone – Jahre (Heyne Hardcore)

Hunter Stockton Thompson (18. Juli 1937 – 20. Februar 2005) war ein amerikanischer Schriftsteller und Reportage-Journalist. So die trockenen Fakten. Gleichzeitig jedoch war er einer der weltweit schillerndsten Figuren der Literaturszene der letzten Jahrzehnte, der durch seinen bissigen Blick auf die Gesellschaft und die scharfzüngige Kommentierung der durch ihn beobachteten Zustände einen beinahe legendären Ruf gewann.

Schon früh an Literatur interessiert, stellte Hunter S. Thompson sich jedoch in jungen Jahren erst mal der amerikanischen Luftwaffe zur Verfügung, kam jedoch mit der dort herrschenden strengen Disziplin nicht klar. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Sportjournalist und schrieb Reportagen für diverse Tageszeitungen, studierte kurzzeitig und schrieb seinen ersten Roman „The Rum Diary“ (der aber keinen Verleger fand und erst knapp vierzig Jahre später veröffentlicht wurde).
Der Ortswechsel nach San Franciso im Jahr 1965 veränderte letztendlich seine Sicht, und brachte ihn auf den Weg, den er nunmehr einschlagen sollte.
Eine Auftragsreportage über die „Hells Angels“, mit denen er nun über ein Jahr in engem Kontakt stand, führte dazu, dass er diesen Bericht nach erscheinen weiter ausbaute und als Buch sehr erfolgreich veröffentlichte.
Dieser Erfolg sicherte ihm seine Existenz und gab ihm die Möglichkeit, nunmehr für zahlreiche Tageszeitungen zu schreiben.
Sein exzentrischer Lebens- und Schreibstil prägte seinen Ruf, so dass sich das Ende der 60`er Jahre gegründete Magazin „Rolling Stone“ an ihn wandte, um ihn als Autor zu verpflichten. Der Reiz, hier an einer neu entstehenden, wilden und unabhängigen Zeitschrift mitzuwirken brachte den Kontakt zum Gründer und Herausgeber des Magazins, Jann S. Wenner, zustande. Diese Zusammenarbeit war der Beginn einer kreativen und die Literaturszene für immer verändernden Freundschaft, die dazu führte, dass beide gemeinsam versuchten, mit ihrem Magazin und den Texten die Welt aus den Angeln zu heben.

Thompson entwickelte seine ihm eigene und persönliche Form des Journalismus, den sogenannten „Gonzo-Journalismus“, der sich durch den Wegfall einer objektiven Schreibweise auszeichnet. Der Autor beschreibt die Situation aus seiner subjektiven Sicht und stellt sich in Beziehung zu den beschriebenen Ereignissen. Dies führt dazu, dass sich Fakten und Fiktion, autobiografische und fiktive Situationen überschneiden, zu einem Ganzen verschmelzen und einen letztendlich persönlich eingefärbten, teils in derber Form geschriebenen Artikel darstellen. Dieser wird, penibel betrachtet, dann nicht mehr als Journalismus gewertet, sondern ist der Literatur zugehörig. Thompsons Zusammenarbeit mit dem Rolling Stone führte zu einer Jahrzehnte langen kreativen Freundschaft, die in dieser Zeit einige der besten Texte des Autors hervorbrachte und zusätzlich seine Romane unterstütze. Der bekannteste dürfte hier wohl „Fear and Loathing in Las Vegas“ sein.

Hier vorliegend haben wir die wohl umfassendste Zusammenstellung seiner Texte aus der Rolling Stone-Zeit, zusammengestellt und mit einem interessanten und sehr persönlichen Vorwort versehen von Jann S.Wenner, dem langjährigen Mitstreiter und Herausgeber.
Heyne Hardcore veröffentlicht Die Rolling Stone – Jahre in einer sehr cool gestalteten gebundenen Ausgabe, welche auf knapp 800 Seiten Texte aus den Jahren 1970 bis kurz vor seinen Freitod im Jahr 2005 beinhaltet. Ergänzt wird das Material durch unveröffentlichte Texte und persönliche Briefe des Autors, so dass ein tief gehendes, umfassendes Bild der Person Hunter S. Thompson entsteht. Er zeigt sich hier als scharfsichtiger Querdenker mit einem ihm eigenen Stil, der die Welt, in der er lebt sehr genau und kritisch betrachtet. Es wird deutlich, dass er sich im Laufe seiner Karriere recht schnell zu einem politischen Analysten entwickelte, der in den ihm eigenen Worten die Situation der USA, gesellschaftlich und politisch, beschreibt und kritisch hinterfragt.

Diese Texte und sein Lebensstil machten ihn zum ungekrönten König der Gegenkultur, einer Ikone des Gonzo-Journalismus. Sein Blick auf die Welt und seine hier versammelten Texte zeigen jedoch, dass er viel mehr ist als das, er ist ein Chronist einer ganzen Generation, der mit einem unvergleichlichen Blick den Wandel einer Gesellschaft dokumentiert. Ein großartiges und überaus lesenswertes Buch!

Christian Funke-Smolka