Ian Rankin - Die Sünden der Gerechten – Ein Fall für Malcolm Fox (Manhattan)

Ian Rankin – Die Sünden der Gerechten – Ein Fall für Malcolm Fox (Manhattan)

Ian Rankin, Jahrgang 1960, ist einer der derzeit führenden britischen Krimiautoren der literarischen Thriller-Szene. Zahlreiche seiner Bücher erhielten Preise, wie zum Beispiel den Gold Dagger für Das Souvenir des Mörders oder den deutschen Krimipreis für Die Kinder des Todes. Berühmt wurde er durch seine Reihe um den mürrischen, aus Edinburgh stammenden Ermittler John Rebus, dem er insgesamt 17 Fälle spendierte.

In seinem Buch Ein reines Gewissen (The Complaints) betrat dann ein neuer Ermittler namens Malcolm Fox die literarische Bühne, und wie es scheint, entwickelt sich, da jetzt mit Die Sünden der Gerechten der zweite Roman als gebundene Ausgabe vorliegt, daraus eine neue Reihe.

Inspector Malcolm Fox, interner Ermittler, und sein Team werden auf die Halbinsel Fife in das Küstenstädtchen Kirkcaldy geschickt. Dort sollen sie den Fall des unter Korruptionsverdachtes stehenden Polizisten Paul Carter untersuchen, und den angeknacksten Ruf der Polizeistelle wieder herrichten. Es scheint, dass es sich dabei um einen Routinefall handele, auch wenn die Situation, sich auf fremden Terrain zu bewegen, für die Ermittler schwierig ist, zumal die Mitarbeiter der Dienststelle die internen Ermittler ablehnen. Bei den Recherchen findet man jedoch den Mann, der den Fall anstieß, und der gleichzeitig Carters Onkel und ehemaliger Polizeibeamter ist, tot auf. Die erste Vermutung, es handele sich um Selbstmord, erweist sich als falsch.
Während das Team den Korruptionsfall bearbeitet, macht sich Fox auf, in der Geschichte des Toten zu graben, um eventuelle Zusammenhänge zu finden. Hier stößt er auf erschreckende Parallelen und Erkenntnisse, die bis in die Gegenwart und für ihren aktuellen Fall Konsequenzen haben.

Ian Rankins Romane zeichnen neben der spannenden Unterhaltung vor Allem ihre sozialen Bezüge aus. Sprachlich bedient er sich wie gehabt klar verständlicher, prägnanter und auf den Punkt genau geschriebener Formulierungen.
Die Sünden der Gerechten, oder im Original The Impossible Dead ist, wie eingangs erwähnt, der zweite Fall des Ermittlers Malcolm Fox.
Es wird deutlich, dass der Autor das erste Drittel des Romans nutzt, um dem Leser die Figur Malcolm Fox näher zu bringen, sie in ihren Charaktereigenschaften aber auch gleich deutlich von der bekannten Figur John Rebus abzugrenzen.
Interessant ist, dass der Autor wohl offensichtlich größere Pläne mit seiner Figur vorhat, und dementsprechend erste Schritte einleitet, dieser Figur einen eigenständigen Raum und eine plausible Arbeitsumgebung zu kreieren, die es auch dauerhaft ermöglicht, Fälle zu bearbeiten. Dieser Weg dahin jedoch wirkt stellenweise ein wenig holprig, da ist man als Leser besseres von Ian Rankin gewohnt; es bleibt also abzuwarten, ob er in seinem nächsten Roman ein gesetzteres Fundament für seinen neuen Serienhelden hat, der es ihm ermöglicht, zu seiner alten, eher filigranen und souveränen Form zurückzukehren.

Die Sünden der Gerechten ist ein guter, und nach dem ersten Drittel sogar sehr spannender Thriller, der dem Leser einen „neuen“ Ermittler präsentiert, der seinen Weg und seine Position zu finden versucht. Dadurch entwickelt sich Schritt für Schritt eine charakterliche Tiefe der fiktiven Figur, die hoffentlich in den folgenden Romanen noch weiter ausgebaut wird.

Christian Funke-Smolka