Irvine Welsh - Skagboys (Heyne)

Irvine Welsh – Skagboys (Heyne)

Die Vorgeschichte des Kult-Bestsellers »Trainspotting«

Mark Renton sollte glücklich sein. Er ist jung, smart, hat eine hübsche Freundin und Spaß am Studium. Doch im Großbritannien der Achtziger ist kein Platz für ihn und seine Freunde. Man hat ihnen Arbeit, Bildung und Wohlstand vSkagboys von Irvine Welshersprochen, aber nun ist niemand da, um diese Versprechen auch einzulösen. Als Marks Familie auf tragische Weise zerbricht, gerät sein Leben außer Kontrolle.

Dies ist die Geschichte der jugendlichen Außenseiter Mark Renton, Spud Murphy, Franco Begbie und Sick Boy. Eine Geschichte über Drogen, Armut und das Scheitern – aber auch über das Leben, die Freundschaft und vielleicht ein bisschen Liebe.

Irvine Welsh, geboren 1958 in Leith bei Edinburgh, schreibt Romane und Kurzgeschichten, und gilt als einer der wichtigsten Autoren Großbritanniens. Sein Debütroman Trainspotting machte ihn international bekannt und wurde mit Ewan McGregor in der Hauptrolle verfilmt. Welsh lebt in Chicago.

Meinung zum Buch:

Wir befinden uns im England der 80’er Jahre, genauer gesagt dem symbolträchtigen Jahr 1984. Einer Zeit, die für junge Menschen sowohl spannend und faszinierend als auch desillusionierend ist. Denn neben einem erlebnisreichen Party- und Nachtleben haben wir auch den frustrierenden Alltag zwischen Armut, Perspektivlosigkeit und dem Leben in einer sozialen Unterschicht. Ein Leben, bei dem man schnell durch die breiten Maschen des gesellschaftlichen Netzes fallen kann.

Nach einigen weniger beachteten Veröffentlichungen des bissigen aber auch immer sehr humorvollen Provokateurs Irvine Welsh begibt er sich mit seinem neusten Roman Skagboys erneut in die Bereiche, die er am Besten beherrscht: das zynische skizzieren einer verkommen Gesellschaftsform, die durch politische Wirrungen und Korruption am Ende ist. Dies macht er beispielhaft am Leben im England der 80’er, welches geprägt ist durch Thatcherismus, dem sozialen Umbau und dem Mangel an Perspektiven für nachfolgende Generationen junger Menschen. Beispielhaft veranschaulicht er dies durch den bissigen Blick auf das Leben der jungen Männer, die man schon in seinem Debütroman „Trainspotting“ und dem Nachfolger „Porno“ erleben durfte: Mark Renton, Spud Murphy, Franco Begbie und Sick Boy. Deutlich sind die Vorzeichen dessen zu erkennen, wessen wir in den Nachfolgewerken beiwohnen konnten.

Irvine Welsh © Jeffrey Delannoy

Irvine Welsh
© Jeffrey Delannoy

Sprachlich ist Welsh auf seinem gewohnten Niveau. Laut und umgangssprachlich nutzt er den Slang der Straße, um ein authentisches Bild zu kreieren. Dabei gelingen ihm jedoch immer wieder auch ruhige und sehr sensible Momente, die ein vielschichtiges und facettenreiches Gesamtbild erschaffen. Auffallend ist hier, dass er sich die Zeit nimmt, seinen Charakteren Raum zur Entfaltung zu schaffen, so dass seine Protagonisten eine ungewöhnliche Tiefe und Mehrschichtigkeit erleben.

Skagboys erscheint bei Heyne Hardcore (832 Seiten, € 24,99) als gebundene Ausgabe mit einem gelungenen Covermotiv einer um einen Löffel geschlungenen Spritze.

Nach „Trainspotting“ und „Porno“ erscheint mit seinem umfangreichen Roman Skagboys endlich die Vorgeschichte der bekannten Figuren aus dem Welsh’en Drogen-Universum. Deftig, sozialkritisch, bissig und schwarzhumorig ist Skagboys ein Roman, der sich stimmig in das Gesamtbild der Geschichte einfügt und die Freunde dieser vorangegangenen Bücher begeistern wird.

Christian Funke-Smolka