Jean-Christophe Grangé - Die Wahrheit des Blutes  (Lübbe)

Jean-Christophe Grangé – Die Wahrheit des Blutes (Lübbe)

Grange-Die-Wahrheit-des-BlutesOlivier Passan, Polizeikommissar und Einzelgänger, steht kurz davor, einen raffinierten Serienkiller zu stellen, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Zugleich versucht er zu begreifen, warum die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko offenbar gescheitert ist. Als in ihrem gemeinsamen Haus bedrohliche Dinge geschehen, vermutet Passan zunächst einen Racheakt des Killers. Doch dann stellt sich heraus, dass die Anschläge mit der geheimnisvollen Vergangenheit Naokos zu tun haben …

Jean-Christophe Grangé, 1961 in Paris geboren, war als freier Journalist für verschiedene internationale Zeitungen (Paris Match, Gala, Sunday Times, Observer, El Pais, Spiegel, Stern) tätig. Für seine Reportagen reiste er zu den Eskimos, den Pygmäen und begleitete wochenlang die Tuareg. „Der Flug der Störche“ war sein erster Roman und zugleich sein Debüt als französischer Topautor im Genre des Thrillers. Jean-Christophe Grangés Markenzeichen ist Gänsehaut pur. Frankreichs Superstar ist inzwischen weltweit bekannt für unerträgliche Spannung, außergewöhnliche Stoffe und exotische Schauplätze. Viele seiner Thriller wurden verfilmt. In Deutschland bereits erschienen sind u.a. seine Romane „Der Flug der Störche“, „Die purpurnen Flüsse“, „Der steinerne Kreis“, „Das Imperium der Wölfe“, „Das schwarze Blut“ und „Das Herz der Hölle„.

Meinung zum Buch:

Schon lange ist Jean-Christophe Grangé kein Geheimtipp der Thriller-Szene, zu deutlich bewies er sein literarisches Talent mit Büchern wie seinem Debüt „Der Flug der Störche“ oder „Die purpurnen Flüsse“. Sein Markenzeichen war und ist die geschickte Kombination von Action und Thriller-Elementen, atemloser Spannung und psychologischem Fingerspitzengefühl. Seine Titelfiguren sind in der Regel markante Persönlichkeiten, die sich ungern an Regeln und Vorgaben halten, sondern tun, was getan werden muss.

Jean-Christophe Grangé

Jean-Christophe Grangé

So auch die Hauptfigur in Die Wahrheit des Blutes, Hauptkommissar Olivier Passan. Gemeinsam mit seinem ewig zugedröhnten Partner Philippe »Fifi« Delluc ist er auf der Jagd nach einem Serienmörder, der es auf hochschwangere junge Frauen abgesehen hat. Nach einem Tipp befinden sie sich in einem der sozial schwächsten Vororte Paris, kommen aber auch hier wieder zu spät und finden eine weitere junge Frau ermordet auf. Auch wenn Passan sicher ist, den Mörder zu kennen, fehlen ihm doch die Beweise für eine Festnahme. Da der Hauptkommissar jedoch wie getrieben scheint, endet diese Nacht für ihn in einem Fiasko mit einer anschließenden Zwangsversetzung. Doch auch sein Privatleben läuft aus dem Ruder. Hatten sich der Kommissar und seine japanische Frau Naoko trotz der gemeinsamen Kinder schon lange auseinandergelebt, ist er nun letztendlich aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Doch plötzlich scheinen sich dort unheimliche Dinge zu ereignen, die in Passan den Verdacht erhärten, dass es der Serienmörder nun auf ihn und seine Familie abgesehen zu haben scheint. Doch es scheint sich noch viel mehr dahinter zu verstecken.

Jean-Christophe Grangé zeigt sich auch in seinem zehnten Roman Die Wahrheit des Blutes von seiner bekannten Seite. Leise Töne oder ein subtiler Aufbau sind nicht unbedingt sein Ding, so wird auch hier erneut auf ein hohes Tempo und einige actionreiche und sehr blutrünstige Momente gesetzt. Seine Story ist dabei auf zwei Handlungsebenen aufgeteilt. Die eine beschäftigt sich mit der temporeichen Jagd auf den Serienmörder, während der andere Handlungsstrang die Ehekrise zwischen Naoko und Passan behandelt. Grangé ist es dabei jedoch trotz seines sprachlichen und inszenatorischen Gespürs nicht gelungen, diese beiden Ebenen so zu kombinieren, dass sie sich zu einem homogenen Ganzen zusammenfügen, sondern parallel nebeneinander herzulaufen scheinen.

Die Wahrheit des Blutes erscheint als gebundene Ausgabe bei Lübbe (430 Seiten, €19,99) in der für Grangé-Veröffentlichungen typischen düsteren aber sehr atmosphärischen Buchgestaltung. Der Roman ist inhaltlich in drei Blöcke aufgeteilt, die sich thematisch mit den Bereichen „Furcht“, „Kampf“ und „Tod“ auseinandersetzen. Die sehr kurzen Kapitel (es sind 96 Kapitel auf 430 Seiten) und der gut lesbare Stil machen das Buch zu einem temporeichen Pageturner, den man aufgrund der spannenden Thematik und der tollen Beschreibungen der japanischen Kultur und ihrer Mythologie kaum aus der Hand zu legen mag. Nicht unbedingt Grangés bestes Buch, aber trotzdem ein spannender und kurzweiliger Thriller, den es zu lesen lohnt.

Christian Funke-Smolka