Jeph Loeb / Tim Sale: Batman - Nacht des Schreckens  (DC Comics/ Panini Comics)

Jeph Loeb / Tim Sale: Batman – Nacht des Schreckens (DC Comics/ Panini Comics)

Der Autor Jeph Loeb zählt zu einem der wichtigsten Stimmen im Batman – Universum, der mit seinen Beiträgen wie zum Beispiel „Batman: Das lange Halloween“ oder „Dark Victory“ Geschichte schrieb.
Hier vorliegend haben wir die ersten Geschichten des Gespanns Jeph Loeb und Tim Sale, die hier schon gekonnt aufzeigen, wohin ihr gemeinsamer Weg noch gehen wird.

In der Geschichte „Ängste“ findet auf dem Anwesen Wayne ein Maskenball statt, doch der Gastgeber widmet sich, ebenfalls maskiert, seiner nächtlichen Tätigkeit.
Auf der einen Seite jagt er Scarecrow, muss sich aber bei seiner Heimkehr mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen, die ihn mehr verwirren, als dies jeder seiner wahnsinnigen Verbrecher könnte.

„Irrsinn“ spielt wunderbar mit den Ideen von Alice im Wunderland, wobei Barbara Gordon, Adoptivtochter des Polizeichefs, als Alice herhalten muss. Diese wird vom Hatter, dem Hutmacher, entführt, während Batman ihr folgt, und von einer surrealen Welt in die nächste gerät.

Den Abschluss bildet dann „Geister“, welche an das „Weihnachtsmärchen“ von Dickens angelehnt ist. Batman gibt hie den Scrooge, und trifft auf die Geister seiner Vergangenheit!

Tim Sale

Batman: Nacht des Schreckens (DC Comics/ Panini Comics, 188 Seiten) ist ein Nachdruck der ersten Zusammenarbeit der langjährigen Freunde und Macher Jeph Loeb (Superman for all Seasons, Iron Man) und Tim Sale (zeichnete unter anderem Grendel oder Daredevil, aber auch die Bilder des Malers in der TV-Serie Heroes), die sich in drei Geschichten den dunklen Seiten unseres populären Vigilanten Batman widmen. Erschienen sind diese drei Geschichten, die sich alle thematisch oder zeitlich mit Halloween befassen, in den Jahren 1993-1996 jeweils passend zum Festtag. Die Geschichte „Irrsinn“ ist dabei eine Adaption der gleichnamigen Story von Lewis Carrolls, „Geister“ wurde inspiriert von der „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens!

Es ist als Fan schön, diese Neuauflage der beinahe schon klassischen Batman – Geschichten in solch gelungener Aufmachung in den Händen halten zu können. Während die erste Geschichte „Ängste“ eine klassische Batman-Story ist, welche unseren Helden mit dem prägnanten Doppelleben auf der Jagd nach dem Angstmacher Scarecrow zeigt, wird in dieser Story besonders deutlich, wo die Stärken von Autor Jeph Loeb liegen. Seine Geschichte ist komplex erzählt, auf mehreren Ebenen lesbar und durchzogen von einer feinen Prise Ironie und subtilem Humor. Dadurch wird die Figur des Millionärs und Nachtschwärmers Bruce Wayne, aber auch die des Scarecrow, auf der einen Seite charakterlich überhöht, um dadurch aber den Fokus auf den Kern ihrer Seele und ihrer tiefsten Ängste und Sorgen zu richten. Grafisch wird dies dabei meisterhaft von Tim Salein Szene gesetzt. Ihm, gelingt es hier, wie auch in den

Jeph Loeb

folgenden Geschichten, trotz einer sehr klaren zeichnerischen Linie eine unglaubliche gestalterische und inszenatorische Verspieltheit und Detailverliebtheit zu präsentieren, die gerade in den wahnhaften Momenten, und die Geschichten wimmeln davon, mit einer zusätzlichen düster-makabren Note versehen, zum Tragen kommt.

Batman: Nacht des Schreckens ist eine wunderbare Sammlung mit drei wirklich gelungenen und unglaublich abwechslungsreichen Geschichten. Es ist schön, einen Batman aus der Zeit vor der Nolan – Interpretation zu erleben, der weniger auf technischen Schnick-Schnack als auf sein Können setzt, inhaltlich aber mindestens genau ernsthaft und tief die charakterlichen Grauzonen des Helden beleuchtet.

Batman war für mich immer einer der faszinierendsten Figuren unter den Superhelden, da er eine innere Zerrissenheit und eine tiefe schwarze Höhle sowohl auf seinem Anwesen als auch in seiner Seele besaß, die ihn auf der einen Seite so schwer greifbar, auf der anderen Seite aber auch so authentisch wirken ließ. Batman: Nacht des Schreckens gelingt es, all diese Facetten in ihren drei Geschichten auf unterschiedliche Weise zu präsentieren und so, trotz der inhaltlichen Überspitzung, ein treffendes und vielschichtiges Bild des Protagonisten zu zeigen, und ist deshalb nicht nur für Fans, sondern auch für Neueinsteiger eine hervorragende Lektüre.

Christian Funke-Smolka