Jo Walton - In einer anderen Welt  (Golkonda)

Jo Walton – In einer anderen Welt (Golkonda)

cover_in_einer_anderen_welt_jo_waltonDie fünfzehnjährige Morwenna ist auf der Flucht − vor einer Mutter, die sich der finsteren Magie verschrieben hat, vor der staatlichen Fürsorge und vor der Erinnerung an den Tod ihrer Zwillingsschwester. Am schlimmsten trifft sie jedoch, dass sie ihre Heimat verlassen muss, das märchenhafte Wales, und damit ihre einzigen Freunde, die Feen und Geister, die dort in den Wäldern zu Hause sind.

Auch ihr Vater, den sie nie gekannt hat, möchte sie nicht bei sich aufnehmen und schickt sie auf ein Mädcheninternat, wo sie mit der Verständnislosigkeit der Lehrer und dem maßlosen Ehrgeiz der anderen Schülerinnen fertig werden muss. Verzweifelt greift sie zu der Magie, die sie seit ihrer Kindheit begleitet, einer Magie, die niemand außer ihr sehen kann. Und zu ihren Büchern. In Science-Fiction- und Fantasy-Romanen findet sie mehr als nur flüchtigen Trost: Sie öffnen Tore zu anderen Welten, und das nicht nur im übertragenen Sinne.

Als ihre Mutter zu einem neuerlichen Schlag ausholt, sind es Bücher, in die Morwenna ihre ganze Hoffnung setzt…

Ausgezeichnet mit dem

Hugo Award als bester Roman des Jahres

Nebula Award als bester Roman des Jahres

British Fantasy Award als bester Roman des Jahres

Meinung zum Buch:

Jo Walton präsentiert mit ihrem neusten Roman In einer anderen Welt die Geschichte der fünfzehnjährigen Morwenna. Diese lebt, fern ab der Heimat, in einem englischen Mädcheninternat und kommt aus völlig zerrütteten familiären Verhältnissen. Ihr Leben ist geprägt durch eine Mutter, die magische Fähigkeiten besitzt, diese aber nicht zum Guten verwendet. Morwenna, beziehungsweise Mori, jedoch besitzt ebenfalls magische Kräfte und kommuniziert mit Elfen und Feen, die ihr beim Kampf gegen die mächtige Mutter helfen. Ihre wahre Zuflucht aber sind die Science Fiction- und Fantasybücher, welche sie leidenschaftlich gerne liest und sie aus dem tristen Alltag entführen…

Mit dem Kniff, die Geschichte nicht nur aus Sicht des permanent lesenden Teenagers, sondern auch noch in Tagebuchform zu verfassen, welches den Zeitraum September 1979 bis Februar 1980 umfasst, gelingt es ihr sehr schnell, den Leser direkt in die Geschichte zu ziehen. In einer einfachen wie poetischen Sprache kreiert sie eine sensible, filigrane wie auch fesselnde Geschichte, die vordergründig in der Realität verankert scheint, ihre Magie jedoch durch die Erzählung und ganz eigene Sichtweise des Mädchens erhält.

Jo Walton

Jo Walton

Der Berliner Golkonda – Verlag veröffentlicht In einer anderen Welt (im Original: „Among Others“) von Jo Walton in einer Übersetzung von Hannes Riffel. Die broschierte Ausgabe (300 Seiten, €14,95) befindet sich aus ästhetischer wie auch qualitativer Sicht auf dem für diesen Verlag üblichen, sehr hohen Niveau! Ein wunderschön gestaltetes, fantasievolles Klappcover stimmt den Leser direkt auf den Inhalt der Geschichte ein, dies zieht sich jedoch auch visuell wie ein roter Faden durch das gesamte Buch, wo jede Seite mit kleinen verspielten Zeichnungs-Markierungen versehen ist.

Jo Walton wurde 1964 in Aberdare (Wales) geboren und lebte viele Jahre in England, bis sie sich im Jahr 2002 in Kanada niederließ. Einen ersten großen Erfolg erlangte sie mit ihrem Roman „Tooth and Claw“ (2003, dt. „Der Clan der Klauen“), der mit dem „World Fantasy Award“ ausgezeichnet wurde. Für ihren Roman „Lifelode“ (2010) erhielt die zweisprachig aufgewachsene Autorin den Mythpoeic Award“, für das vorliegende Buch 2011 den „Nebula Award“ und 2012 den „Hugo Award“.

Mit In einer anderen Welt gelingt der Autorin Jo Walton eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort, an die Magie von Geschichten und der Macht des Erzählens. Ihre Fantasy bedient sich dabei weniger den genreüblichen Mechanismen, sondern liefert zum Teil leise, verträumte Momente, die gekoppelt werden mit einer „Comig of Age“- Geschichte und der Lust der Protagonistin an den Klassikern der Fantasy und Science Fiction-Literatur, die sie dem Leser in ihren Einträgen farbig schildernd präsentiert.
Dass Bücher über Bücher nicht langweilig sein müssen, erst Recht nicht, wenn man hier mal wieder mit den eigenen Lieblingen wie etwa Kurt Vonnegut oder Philip K. Dick in Berührung kommt, beweist In einer anderen Welt und lässt einen tief in eine Welt der Phantastik eintauchen. In einer anderen Welt zu lesen fühlt sich an, als lege man sich mit einem guten Buch, seiner Lieblingsdecke und einem warmen Getränk auf die Couch… eine Wohltat und alleine deshalb absolut empfehlenswert!

Christian Funke-Smolka