Joe Abercrombie - Blutklingen (Heyne)

Joe Abercrombie – Blutklingen (Heyne)

Helden zwischen Gut und Böse, Action wie im Kino und spannend bis zum Schluss

Jenseits der Grenze zum Königreich der Union beginnt das Land der Gesetzlosen. Ein Land, in dem jeder sich selbst der Nächste ist und in dem nur das schnellste Schwert oder die härteste Faust überlebt. Doch nun wurde hier Gold gefunden, und im großen Sturm auf die einst verlassenen Berge treffen Tausende Goldsucher, zwei rachedurstige Nordmänner, eine Bande von Mördern und die Agenten des Königreiches zusammen – und Blut, Gold und Tränen fließen in Strömen …

Joe Abercrombie arbeitet als freischaffender Fernsehredakteur und Autor. Mit seinen weltweit erfolgreichen Romanen um den Barbaren, den Inquisitor und den Magier hat er sich auf Anhieb in die Herzen aller Fans von packender, düsterer Fantasy geschrieben und schaffte es bereits mehrmals auf die Times-Bestsellerliste. Joe Abercrombie lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath.

Meinung zum Buch:

insightImageSeit durch die TV-Adaption der Lieder von Eis und Feuer das Fantasy-Genre mal wieder in den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit gestellt wurde, hat man als Leser die Chance auf eine Vielzahl an guten neuen Veröffentlichungen und schönen Wiederauflagen. Hier haben wir nun den sechsten Band der umfangreichen Klingen-Reihe des britischen Autoren Joe Abercrombie, der sich mit seinen Büchern in die Herzen der Fans erwachsener Fantasy – Literatur geschrieben hat. Blutklingen (Heyne, 752 Seiten, €15,99) heißt im Original eigentlich „Red Country“ (aber ich halte es mal wie Lamm, einer der Protagonisten im Buch, der immer anmerkt, dass ein Name so gut wie jeder andere sei) und spielt in dem mittlerweile bekannten Klingen-Universum. Man bemerkt bei der Lektüre von Blutklingen, dass sich Autor Joe Abercrombie in seinen Beschreibungen und Schilderungen stilistisch deutlich weiterentwickelt hat. Jede Szene, jeder Abschnitt entführt den Leser in eine finstere und düstere Welt voller Gewalt und Dreck. Gerade die Beschreibungen der Städte atmen den Hauch von Tod undVerfall und lassen die Schilderungen bildhaft vor dem Auge des Lesers entstehen. Seien Charaktere sind dabei vielschichtig angelegt, die Kämpfe dynamisch beschrieben, so dass Blutklingen eine literarische Cinemascope-Vorstellung in epischem Breitbild geworden ist, die die Genres der Fantasy und des Western geschickt kombiniert.

Die Geschichte um den Hünen Lamm und die junge Scheu Süd, beide mit einer düsteren Geschichte versehen, wollen eigentlich nur in Frieden leben, als eine Gruppe Söldner in ihrer Abwesenheit ihren Hof überfallen, den gemeinsamen Freund töten, Scheus Geschwister entführen und das Haus niederbrennen. Beide machen sich auf den durch eindeutige Spuren vorgegebenen Weg, die Kinder zu befreien.
Parallel wird der Leser in die grausamen Geschehnisse um die Söldner-Gruppe eingeführt, so dass eine komplexe, zweigliedrige Geschichte vom Autor aufgebaut wird.10976

Was uns Autor Joe Abercrombie hier präsentiert, ist ein schlüssiges und gut geschriebenes Bauteil einer durch ihn kreierten Welt, in der Probleme oftmals mit Gewalt gelöst, die Charaktere dabei aber in den seltensten Fällen einfach nur tumbe Schläger sind. Stattdessen besitzen seine zahlreichen Figuren Profil, haben ihre Ecken und Kanten und sind keine Stereotype. Auch die Schilderungen, die das Alltagsgeschehen beschreiben, sind sowohl authentisch als auch mit Liebe zum Detail verfasst. Dies ist auch der Punkt, warum die Lektüre auch in den Momenten fesselt, wo der Autor beginnt, von der eigentlichen Handlung abzuschweifen und eine Welt zu gestalten, die in ihren Mechanismen schlüssig und realistisch wirkt.

Blutklingen ist ein weiterer Beleg, warum das Fantasy-Genre so faszinierend und Joe Abercrombie zu einem der ganz Großen des Genres gezählt werden kann. Denn selten wurde man als Leser epischer, wuchtiger aber auch humorvoller und spannender unterhalten wie hier! Ein Buch, welches man, wenn man sich für diese literarische Richtung interessiert, gelesen haben muss!

Christian Funke-Smolka