Joe Hill - Das Cape 1969 (IDW/ Panini Comics)

Joe Hill – Das Cape 1969 (IDW/ Panini Comics)

1969: In Vietnam herrscht Krieg. Captain Chase, Arzt und Pilot eines Rettungshubschraubers, wird vom Feind abgeschossen. Er und die Mannschaft werden in ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel mit den Vietkong verwickelt – aber im Dschungel lauern nicht nur Gewehre und Granaten.

Joe Hill und Jason Ciaramella erzählen die Vorgeschichte zum Hit „The Cape“!

Meinung zum Buch:

Joe Hill ist bekanntermaßen der Sohn von Stephen King und einer der Schriftsteller, dCoverie sich souverän in den verschiedensten literarischen Bereichen zu bewegen wissen. Ob es seine Romane oder Kurzgeschichten sind, oder auch seine Arbeiten im Graphic Novel – Bereich, er beweist ein Gespür für eine dichte, zielgerichtete und fesselnde Erzählung. Die vorliegende Veröffentlichung Das Cape 1969 (Panini Comics, 100 Seiten, €14,99) ist nun die Vorgeschichte zu seiner grandiosen Erzählung „Das Cape“.

Panini Comics veröffentlicht Das Cape 1969 in einer ästhetisch sehr ansprechenden Aufmachung, die der „Das Cape“ – Veröffentlichung im Layout ähnlich ist. Das Cape 1969 liegt in einer Soft-Klappenbroschur vor, deren Covermotiv zum Teil durch Glanzlackierung hervorgehoben wird, im Anhang befinden sich Covermotive und Einzelskizzen.

Inhaltlich handelt es sich, wie eingangs beschrieben, um das Prequel zu der Kurzgeschichte „Das Cape“ von Joe Hill, die von Jason Ciaramella erneut sehr gut bearbeitet und dem Comic-Format angepasst wurde. Die Story handelt vom Vater der Hauptfigur des Vorgängers, Captain Chase, der im Vietnamkrieg als Pilot eines Medevac-Copter über Feindgebiet abgeschossen wird. Gemeinsam mit einem zweiten Überlebenden gerät er im Dschungel schnell in Gefangenschaft. Das vietnamesische POW-Camp wird von einem sadistischen Anführer, einem amerikanischen Staatsbürger vietnamesischer Herkunft, geführt, der keine Gnade mit den Gefangenen zeigt. Chase trifft zudem auf einen geheimnisvollen tätowierten Mann, der ihm eine Gabe überträgt. Doch Chase hat auch noch eine Rechnung mit dem Camp-Anführer offen…

Basierend auf der literarischen Vorlage Hills entwirft Autor Ciaramella erneut ein sehr düsteres, gnadenloses und brutales Bild zweier Männer, die bis an ihre Grenzen und letztendlich auch deutlich darSzene 1über hinausgehen. Auffallend ist, dass beide Männer, trotz ihrer Unterschiede, im Gesamtbild sehr ähnlich sind und entsprechend keine Gnade mit dem anderen kennen! Erneut wird einem als Leser deutlich, dass Gewalt Gegengewalt provoziert und auf jede Aktion eine Reaktion folgen muss. Das Cape 1969 ist, vielleicht sogar noch etwas deutlicher als sein Vorgänger, eine düstere und überaus finstere Geschichte für ein älteres Publikum.

Auch zeichnerische ist Das Cape 1969 gelungen. Zach Howard (Outer Orbit, Shaun of the Dead, Das Cape) steuert ein Panel zur Geschichte, der chilenische Hauptzeichner Nelson Daniel (Judge Dredd, Hulk) kann dieses hohe zeichnerische Niveau jedoch aufrechterhalten und erzeugt mit seinem Mix aus sehr detaillierten, künstlerisch ausgefeilten Bildern und den doch zum Teil niedlich gehaltenen Gesichtszügen, die im krassen Gegensatz zu ihren Handlungen und der damit verbundenen grafischen Umsetzung stehen, ein faszinierendes Kontrastprogramm, welches die im Grunde eigentlich simple Rachegeschichte zu einer tiefer gehenden Story erhebt.

Das Cape 1969 ist eine fesselnde, sehr brutale Story, ohne dabei zu plakativ oder verherrlichend zu wirken. Die Geschichte wird dabei auf das Wesentliche komprimiert, so dass sie extrem dicht wirkt. Eine harte, aber überaus lesenswerte Geschichte, die künstlerisch in Szene gesetzt wurde.

Christian Funke-Smolka