Joe Hill - Das Cape

Joe Hill – Das Cape

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Story: Jason Ciaramella
Zeichnungen: Zach Howard
(IDW/ Panini Comics)

Das Cape – mit großer Macht kommt große …?!

Joe Hills Kurzgeschichte als bedrückend faszinierende Graphic Novel

Joe Hill, alias Joseph Hillstrom King, hat das Schreiben von Horror-Geschichten im Blut. Sozusagen erblich „vorbelastet“ konnte er eigentlich nur Romanautor werden … und zwar ein verdammt guter. Allerdings ist er auch ein brillanter Comic-Autor, der sowohl direkt für das Genre schreibt, als auch Storys von sich adaptieren lässt. Die Kurzgeschichte Das Cape aus seinem Horror-Sammelband Black Box ist zum Beispiel die Vorlage für den gleichnamigen Comic – Hills düstere Variante von „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ – der soeben bei Panini erschienen ist.

Joe Hill

Joe Hill

Schon als sie als Kinder zusammen spielten, war Eric immer der Bösewicht und sein Bruder Nicky der Superheld. Erics Kostüm bestand dabei eigentlich nur aus einem von seiner Mutter selbst genähten Cape. Aber dieses Cape war für ihn viel mehr als nur ein Spielzeug und somit war er untröstlich, als seine Mutter es entsorgte, nachdem er beim Spielen damit einen tragischen Unfall hatte. Als orientierungs- und hoffnungsloser junger Erwachsener findet er seinen Trostspender aus Kindertagen wieder und der Traum jedes kleinen Jungen wird für ihn wahr: Er kann mit diesem Cape tatsächlich fliegen! Doch seine neu gewonnene Superkraft legt im Kopf des psychisch labilen Eric einen gefährlichen Schalter um und es beginnt ein tödlicher Albtraum …

Das Cape erzählt eine finstere Geschichte über menschliche Abgründe, Rache und die Konsequenzen, die übermenschliche Kräfte haben können, wenn sie in die falschen Hände geraten. Joe Hill kehrt damit das zentrale Thema des Superhelden-Genres in seiner ganz eigenen Manier um. Das Comic-Szenario wurde von Jason Ciaramella im Sinne der Kurzgeschichte sehr stimmig bearbeitet und die Zeichnungen von Zach Howard (u. a. Hulk) sorgen für ein bedrückendes aber faszinierendes Lesevergnügen.

Die Graphic Novel wurde im vergangenen Jahr für den Eisner Award nominiert. 2011 hat Joe Hill den Comic-„Oscar“ bereits erhalten, in der Kategorie bester Autor für seine mystische Horror-Comic-Serie Locke & Key. Alle Hill-Comics erscheinen in Deutschland beim Panini Verlag, zuletzt der Titel Road Rage, das erste Comic-Gemeinschaftsprojekt mit seinem Vater Stephen King.
Joe Hill gilt als einer der derzeit besten Genre-Autoren und hat weltweit eine riesige Fangemeinde, die seine Comics und Romane (zum Beispiel Blind und Teufelszeug, die hierzulande bei Heyne erscheinen) verschlingen. In den USA sind Signierstunden mit dem sympathischen Schriftsteller, der stolz ist, ein Comic-Nerd zu sein, stets voll besucht.

Meinung zum Buch:

Joe Hill, bekanntermaßen der Sohn von Stephen King, ist einer der Autoren, die sich souverän in den verschiedensten literarischen Bereichen zu bewegen weiß. Ob es seine Romane oder Kurzgeschichten sind, oder seine Arbeiten im Graphic Novel – Bereich, er beweist ein Gespür für eine dichte, zielgerichtete und fesselnde Erzählung. Die vorliegende Veröffentlichung Das Cape (Panini Comics, 132 Seiten, €16,95) ist dabei ein weiterer Beweis für sein Können.

Panini Comics veröffentlicht Das Cape in einer ästhetisch sehr ansprechenden Aufmachung. Ähnlich der Road Rage – Veröffentlichung liegt Das Cape in einer Soft-Klappbroschur vor, deren Covermotiv zum Teil durch Glanzlackierung the-cape-page-16-colorhervorgehoben wird. Das, in Verbindung mit dem stimmigen Bildmotiv ergibt einen echten Hingucker.
Inhaltlich handelt es sich, wie eingangs beschrieben, um eine Kurzgeschichte des King-Sprösslings Joe Hill, die von Jason Ciaramella sehr gut bearbeitet und dem Comic-Format angepasst wurde. Der düstere Grundton und der teils zynische Blickwinkel des Protagonisten wurde dabei hervorragend beibehalten, so dass es sich um eine inhaltlich zwar sehr straffe, aber durch und durch bedrückend finstere Erzählung handelt, die man als Leser auf verschiedenen Ebenen interpretieren kann.

Auch zeichnerische ist Das Cape über jeden Zweifel erhaben. Zach Howard (Outer Orbit, Shaun of the Dead) erzeugt mit seinem Mix aus sehr detaillierten, künstlerisch ausgefeilten Bildern und den doch niedlich gehaltenen Gesichtszügen, die im krassen Gegensatz zu ihren Handlungen stehen, ein faszinierendes Kontrastprogramm, welches die im Grunde eigentlich simple Rachegeschichte zu einer tiefer gehenden Story erhebt, welche geschickt mit den Klischees der Superhelden – Geschichten spielt und diese mit der „Ein Mann sieht rot“-Thematik vermengt. Hier trifft tiefschwarzer Garth Ennis-Humor auf Horror-Versatzstücke, angereichert mit einer zwar nicht sehr tiefgehenden aber trotzdem greifbaren Charakterisierung einer labilen und traumatisierten Persönlichkeit.

Das Cape ist dabei keine „gute Laune-Wohlfühl-Geschichte“, sondern richtet sich an ein älteres Publikum, welches in der Lage ist, die subtileren Noten zwischen den Bildern zu erkennen. Eine Story, die ich verschlungen habe und deshalb ganz klar empfehlen kann!

Verlags-Seite

Christian Funke-Smolka