Joe Hill: „Fireman“ (Heyne)

Joe Hill: „Fireman“ (Heyne)

Eine weltweite Pandemie ist ausgebrochen, und keiner ist davor gefeit: Alle Infizierten zeigen zunächst Markierungen auf der Haut, bevor sie urplötzlich in Flammen aufgehen. Die USA liegt in Schutt und Asche, und inmitten des Chaos versucht die Krankenschwester Harper Grayson, sich und ihr ungeborenes Kind zu schützen. Doch dann zeigt auch sie die ersten Symptome. Jetzt kann sie nur noch der »Fireman« retten – ein geheimnisvoller Fremder, der wie ein Racheengel durch die Straßen New Hampshires wandelt und scheinbar das Feuer kontrollieren kann.

Joe Hill wurde 1972 in Neuengland geboren. Für seine Kurzgeschichten, die in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien erschienen, wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Ray Bradbury Fellowship“, dem „Bram Stoker Award“ und dem renommierten „World Fantasy Award“. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in New Hampshire. Seine Bücher erscheinen im Heyne Verlag, zuletzt der Roman Christmasland.

© Heyne & Thomas Duffé

Meinung zur Veröffentlichung:

„Es war eine Lust, Feuer zu legen“
-Ray Bradbury: „Fahrenheit 451“-

Niemand weiß genau, wie und wann es begonnen hat, aber eine schreckliche Seuche breitet sich rasend schnell aus und lässt die Zivilisation, wie wir sie kennen, untergehen. Übertragen durch Pollen entwickelt sich eine ansteckende Krankheit, die Draco incendia trychophyton, im Volksmund aber Dragonscale genannt wird. Die Haut der Betroffenen weist wunderschöne, farbige Muster auf, die sich jedoch alsbald in Flammen verwandeln und das Opfer ein paar Wochen nach Befall explodieren oder sich selbst von innen heraus verbrennen lassen. Die Bevölkerung versucht sich mit allen Mitteln vor einer Ansteckung zu schützen, so auch die ehemalige Krankenschwester Harper Grayson, die sich in diesem Chaos auf die Suche nach dem legendären Fireman macht, von dem es heißt, er könne die tödliche Seuche kontrollieren…

Joe Hill (sein richtiger Name lautet Joseph Hillstrom King) ist bekanntermaßen der Sohn von Stephen King und einer der gegenwärtigen Schriftsteller, die sich souverän in den verschiedensten literarischen Bereichen zu bewegen wissen. Ob es seine Romane oder Kurzgeschichten sind, oder auch seine Arbeiten im Graphic Novel – Sektor, immer beweist er ein Gespür für eine dichte, stringente und fesselnde Erzählung. Schon lange hat er sich dank seines erzählerischen Talents, seiner Eigenständigkeit und seines Erfolgs souverän aus dem Schatten seines Vaters bewegt, so dass ich hier, trotz des Gefühls, Hills persönliches The Stand gelesen zu haben, nicht mehr drauf eingehen werde. Fireman ist eine sehr komplexe, episch aufgebaute Geschichte, die auf knapp eintausend Seiten das Ende der Welt anhand von Einzelschicksalen beschreibt. Auch wenn er mit der Hilfskrankenschwester eine Hauptfigur etabliert, richtet er den Fokus auf den Umgang der Gesellschaft mit der Erkrankung. Während die eine Gruppe die Infizierten helfend akzeptieren, gibt es den anderen gesellschaftlichen Teil, der die Kranken ausrotten möchte, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Detailliert geht er darauf ein, was eine Katastrophe bewirkt und das Wesen jedes einzelnen verändert. Denn Unsicherheit, Gefahr und Angst sorgen für ein flächendeckendes Gefühl der aggressiven Paranoia.

Joe Hill ist sowohl ein Kenner der Materie, zudem besitzt er auch ein ausgeprägtes sprachliches Talent. Seine Geschichte wimmelt vor Andeutungen, Referenzen und oftmals versteckten Hinweisen auf andere Werke und all dies ist eingebettet in einem gut lesbaren, häufig eher melancholisch wirkenden Erzählstil. Nicht alles ist gelungen in Fireman. Manchmal tritt die Story ein wenig auf der Stelle, es tauchen ein paar erzählerische Längen auf und nicht jede Figur ist ausreichend farbig skizziert. Aber im Gesamteindruck haben wir hier umfangreiches und faszinierendes Buch,

Outside the street’s on fire
in a real death waltz…
-Bruce Springsteen: „Jungleland“-

Fireman (Originaltitel: The Fireman, 2016) erscheint in einer Übersetzung von Ronald Gutberlet als Paperback mit Klappenbroschur bei Heyne (960 Seiten, €17,99). Am Ende des Romans befindet sich eine sehr persönliche, sehr sympathische Danksagung.

Mit Fireman präsentiert Joe Hill ein sehr ausgereiftes und facettenreiches Buch, welches mit einer interessanten Geschichte und einer sehr detailliert skizzierten Figurenzeichnung zu glänzen weiß. Ein Buch, welches aktuelle gesellschaftliche Themen in einer postapokalyptischen Geschichte bearbeitet und gerade dadurch einen großen Teil seiner Faszination erzielt. Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung!

Christian Funke