Joe R. Lansdale: Hap & Leonard – Die Storys (Golkonda)

Joe R. Lansdale: Hap & Leonard – Die Storys (Golkonda)

In sieben Storys erzählt Autor Joe R. Lansdale kleine Episoden aus dem Leben der Kulthelden Hap Collins und Leonard Pine, eine davon gemeinsam verfasst mit Andrew Vachss. Es wirkt wie eine Zeitreise, zurück in die Kindheit der beiden Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber auch zu Episoden, die bereits bekannte Storylines ergänzen. Dazu gibt sich der Autor die Ehre, ein Interview mit seinen Hauptfiguren zu führen, und erklärt zudem, wie die beiden sich entwickelt haben.

© Golkonda, benswerk & Molosovsky

Meinung zur Veröffentlichung:

Kaum ein anderer zeitgenössischer Autor kann seit Jahrzehnten durch ein so abwechslungsreiches und vielseitiges Werk glänzen, wie der von mir sehr geschätzte texanische Autor Joe R. Lansdale. Seine wohl populärsten, und mittlerweile auch als TV-Serie (die jedoch mittlerweile nach der dritten Staffel vom Sender leider wieder abgesetzt wurde) adaptierten Geschichten sind die über das ungleiche Ermittler-Duo Hap Collins und Leonard Pine. Der erste, immer der etwas melancholische Erzähler der Geschichten und quasi ein Alter Ego des Autors, ein weißer, heterosexueller Kriegsdienstverweigerer, der zweite ein schwarzer, homosexueller Vietnamveteran. Beide verbindet eine tiefe und langjährige Freundschaft und der Hang, sich in schwierige Situationen zu begeben, die jedes Mal für sie und ihr persönliches Umfeld zur lebensbedrohlichen Gefahr werden.

Der Autor widmete sich den beiden freiberuflichen Ermittlern und Lebenskünstlern, bereits mehrfach in seinen bekannten Romanen, jedoch ebenfalls in zahlreichen Kurzgeschichten und Novellen, von denen in dem hier vorliegenden Sammelband, der naheliegenderweise den Titel Hap & Leonard: Die Storys trägt, einige versammelt sind. Mit Hyenas/Hyänen (2011) und Dead Aim/Todsicher (2013) haben wir zwei umfangreiche Geschichten vorliegen, während die restlichen Storys nur relativ wenige Seiten umfassen und entsprechend lediglich Anekdoten aus dem Leben der zwei Freunde wiedergeben. Die Geschichten sind zum Teil sehr persönlich gehalten, so dient eine einzig dazu, das Rezept zu einem favorisierten Chili-Gericht Lansdales vorzubereiten. Die Erzählungen richten sich eindeutig an die Fans von Hap & Leonard und weniger an den Erstleser, bieten sie doch, dass nötige Vorwissen vorausgesetzt, eine in sich stimmige und unterhaltsame Ergänzung zu den Romanen, ohne jedoch dem Gesamtbild relevante Neuerungen hinzuzufügen. Hap & Leonard: Die Storys ist deshalb ein liebevolles Geschenk an die Fans, die nach mehr Geschichten lechzen und hier nun die Gelegenheit bekommen, nicht nur mit Not Our Kind/Keiner von uns (2016) eine Erstveröffentlichung lesen zu können, sondern auch eine unterhaltsame Sammlung spannender und unterhaltsamer Geschichten aus nahezu der gesamten Hap & Leonard-Schaffensperiode in einem Band vorliegen zu haben.

Hap & Leonard: Die Storys (Originaltitel: Hap and Leonard, USA 2016) erscheint bei Golkonda in einer Übersetzung aus dem Amerikanischen von Robert Schekulin als Paperback mit Klappenbroschur (280 Seiten, €16,90). Das Vorwort stammt von Thriller-Autor Michael Koryta, zudem gibt es im Anhang einen Blick auf weitere Romane um das ungleiche Ermittler-Duo und ausgewählte andere Romane des Autors. Neben den sieben Kurzgeschichten, die in den Jahren 1999 bis 2014 entstanden (Veil’s Visit/Veils Besuch aus dem Jahr 1999 gemeinsam mit dem Schriftstellerkollegen und Freund des Autors Andrew Vachss) gibt es noch ein fiktives Interview, welches der Autor mit den beiden Ermittlern führt und eine sehr persönliche Betrachtung Lansdales über das Schreiben.

Gewohnt geradlinig und erzählerisch leichtfüßig schreibt Joe R. Lansdale nicht nur schnörkellose Kriminalromane, sondern präsentiert auch in seinen Kurzgeschichten seine gewalttätigen, dabei jedoch zum Teil sehr sozialkritisch angehauchten Erzählungen, in denen seine Figuren mit viel Witz und lockeren Sprüchen, aber auch mit einer großen Portion Lebensweisheit von einem Problem in das nächste tapsen. Bissig, humorvoll und dabei gleichzeitig sehr spannend zeigt der Autor, dass er ein Meister seines Fachs ist und seine Geschichten auch in der komprimierten Form funktionieren.

Christian Funke