Johan Theorin - Blutstein (Piper)

Johan Theorin – Blutstein (Piper)

 

Die Schweden haben einfach ein Händchen für den etwas anderen Kriminalroman. Das mag jetzt etwas pauschal und vereinfachend klingen (und ist es wahrscheinlich auch), aber es ist auffallend, dass es immer wieder die Thriller aus diesen Breitengraden sind, die mich auf Grund ihrer Andersartigkeit erst irritieren, dann jedoch packen und nicht mehr loslassen.
Genauso erging es mir bei dem vorliegenden mittlerweile dritten Roman des Autors Johan Theorin, der mit Blutstein (Piper, 448 Seiten) einen subtilen, unheimlichen und mystischen Kriminalroman vorlegt.

Die Geschichte von Blutstein spielt in Stenvik auf Öland, einer kleinen schwedischen Insel. Die meisten Protagonisten des Buches haben einen Großteil ihres Lebens auf dieser Insel gelebt, aber das Leben auf Stenvik befindet sich im Umbruch. Neue Sommerhäuser entstehen, und es kommen dementsprechend mehr Menschen, die diese in den Sommermonaten bewohnen.
Einer von ihnen ist Per Mörner, der das von seinem Onkel geerbte Haus mit seinem Sohn bezieht. Seine schwerkranke Tochter konnte er jedoch vorerst nicht mit in das Haus nehmen. Sein Leben gerät aus den Fugen, als er seinen Vater Jerry, der ihm auf Grund seiner Tätigkeit als Pornofilmproduzent immer ein wenig fremd war, nach einem Brandanschlag, den dieser überlebte, bei sich aufnimmt. Der Angreifer jedoch gibt nicht auf, und verfolgt Jerry bis nach Öland. Per beginnt nachzuforschen, und stößt dabei auf schreckliche Geheimnisse.

Mit Blutstein legt Autor Johan Theorin (Jahrgang 1963) den dritten Teil seines „Jahreszeiten-Quartetts“ vor, wir haben hier als ausschlaggebende Jahreszeit den Frühling, was eine primäre Rolle in der Geschichte spielt. Geschickt verknüpft der Autor die Story und ihre Protagonisten in ein Geflecht, was sich in Kombination mit der sehr detaillierten Beschreibung der Insel zu einem allumfassenden Bild für den Leser entfaltet. Man ist nicht außenstehender Beobachter, sondern Teil des Geschehens, befindet sich dank der vorhandenen Tiefe der Erzählung mitten im Leben Ölands.

Johan Theorin

Blutstein, als auch seine beiden Vorgänger legen den Schwerpunkt auf eine Charakterentwicklung seiner Protagonisten, hier gelingt es jedoch dem Autor erstmals, die Waage zu halten zwischen der fortlaufenden Krimiunterhaltung und der Figurenentwicklung. Trotzdem wird auch hier wieder das Augenmerk weniger auf die Auflösung des Falles gerichtet, als vielmehr auf die Hintergründe des Geschehens, die vorherrschende Atmosphäre und die sich darin befindenden Figuren. Aus diesem Grunde knüpft Theorin mehrere Handlungsebenen mit vielen verschiedenen Charakteren, und lässt diese immer wieder aufeinandertreffen.
Das Erzähltempo ist meistens recht flott, einzig einige Passagen, wo aus meiner Sicht zu detailliert beschrieben wurde, hemmen ein wenig das Lesetempo. Allerdings nehmen die Geschichte, und damit auch die Erzählgeschwindigkeit zum Ende hin rasant zu, so dass man als Leser kaum in der Lage ist, das Buch wegzulegen.
Jedem, der Spaß an einem neuen Blickwinkel auf die klassische Kriminalunterhaltung hat, sei deshalb dieser Roman ans Herz gelegt.

Christian Funke-Smolka