John Niven: "Alte Freunde" (Heyne Hardcore)

John Niven: „Alte Freunde“ (Heyne Hardcore)

Zwei alte Schulfreunde. Craig war früher der charismatische Anführer, zu dem alle aufschauten und der zum Rockstar avancierte. Alan stand stets im Abseits, war Mitläufer. Dreißig Jahre später haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und Bestsellerautor, während sich Craig als Obdachloser auf Londons Straßen rumtreibt. Das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Alan greift seinem alten Freund unter die Arme und versucht ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und bald ist nichts mehr so wie es war.

John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle Music from Big Pink über Bob Dylan und The Band in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends – einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. Es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male und Old School. John Niven schreibt außerdem Drehbücher. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

© Heyne Hardcore & Erik Weiss

Meinung zur Veröffentlichung:

„Nichts ist widerwärtiger
als das Glück anderer Leute.“

F. Scott Fitzgerald

Alan Grainger ist Ende vierzig und als renommierter Restaurantkritiker überaus erfolgreich. Er lebt mit seiner Familie in einem gediegenen Londoner Vorort ein Leben im sorgenfreien Wohlstand. Eines Tages trifft er zufälligerweise auf seinen alten Schulfreund Craig Carmichael, der seinerzeit zwar der lässigste Junge der Schule war, dem eine blühende Karriere als Rockstar offenstand. Doch sein Blatt hatte sich dramatisch gewendet, lebt Craig mittlerweile als Obdachloser mittellos auf der Straße. Da der Winter ansteht, beschließt Alan der alten Freundschaft Willen, Craig für ein paar Tage bei sich aufzunehmen…

„Keine gute Tat bleibt ungesühnt“

altes Sprichwort

Aufgeteilt in die Abschnitte „Winter“ und „Frühling“, ist Alte Freunde ein Roman, der sich auf die gewohnte Niven-Art spitzzüngig mit den Gepflogenheiten der Upper-Class auseinandersetzt und dessen Herz eher bei den Underdogs schlägt. Gewohnt leichtfüßig seziert er dabei Macken und Marotten der aus seiner Sicht eher weltfremden wohlhabenden Gesellschaft, wobei unterschwellig deutlich wird, dass der Autor mit zunehmendem Erfolg seinem Protagonisten Alan Grainger ziemlich nahezustehen scheint. Alte Freunde ist in seinem inhaltlichen wie stilistischen Aufbau leicht lesbar, was ihn zu einem wohltuenden Unterhaltungsroman macht, den man mit viel Spaß lesen kann. Doch mir persönlich fehlt etwas die gesellschaftskritische Ernsthaftigkeit früherer Werke, die seinen Geschichten immer das gewisse Quäntchen Tiefe spendiert hatte. So ist aus dem im Gespräch vor zwei Jahren angedeuteten ernsthaften Gesellschaftsroman ein humorvoller, mit einigen derben Spitzen gespickter Roman geworden, bei dem nur stellenweise der pointierte scharfe Blick aufblitzt.

 

 

Alte Freunde (Originaltitel: No Good Deeds, UK 2017) erscheint als gebundenes Hardcover in einer Übersetzung aus dem schottischen Englisch von Stephan Glietsch bei Heyne Hardcore (352 Seiten, €20,00).

Alte Freunde ist eine unterhaltsame, humorvolle Geschichte über Freundschaft. Gut beobachtet, treffsicher und pointiert beschrieben, haben wir hier einen inhaltlich etwas vorhersehbaren, aber durchweg gut lesbaren Roman.

Christian Funke