John Niven - Das Gebot der Rache  (Heyne Hardcore)

John Niven – Das Gebot der Rache (Heyne Hardcore)

Die kalte Hand des Bösen

Die meisten Menschen können ihre Rachefantasien kontrollieren. Aber es gibt einige, bei denen die Gier nach Rache grenzenlos ist. Einen solchen Fall erzählt John Niven in »Das Gebot der Rache«. Mit seinem neuen 51MTCRIpslLaufsehenerregenden Roman beweist der Kultautor seine Meisterschaft auch im Bereich des schonungslosen Thrillers und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die er nie wieder vergessen wird.

Donald Miller führt ein Leben, von dem man nur träumen kann. Mit seiner wohlhabenden Frau Sammy und seinem kleinen Sohn Walt bewohnt er ein luxuriöses Anwesen in der kanadischen Provinz. Donald kennt keine Geldsorgen, er liebt seine Familie, er ist umgeben von netten Leuten. Doch mit einem Schlag zerbricht diese heile Welt … Als er seinen abgeschlachteten Hund findet, ahnt Donald, dass etwas in sein Leben getreten ist, das ihn für immer zeichnen wird. Seine bösen Vorahnungen werden schnell zur bitteren Wahrheit. Während eines Schneesturms wird Sammy entführt. Kurz darauf findet man ihren brutal zugerichteten Leichnam. Mit der Präzision eines Uhrwerks zieht sich eine namenlose Bedrohung um Donald zusammen: Er gerät zusammen mit seinem Sohn in die Gewalt eines Feindes, der scheinbar jede Menschlichkeit hinter sich gelassen hat…

John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle „Music from Big Pink“ über Bob Dylan und The Band in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman „Kill Your Friends“ – einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. Es folgten die Romane „Coma“ und „Gott bewahre“. John Niven schreibt außerdem Drehbücher. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

Meinung zum Buch:

„Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt serviert“ sagt ein klingonisches Sprichwort. Was John Niven aber in seinem neuen Roman Das Gebot der Rache(„Cold Hands“, so der Originaltitel) auf den unvorbereiteten Leser loslässt, gleicht in seiner Wucht einem Inferno unvorstellbaren Ausmaßes. Kannte ich ihn bisher als einen Autor, der Ironie und Sarkasmus wie eine zweite Muttersprache pflegte, findet man in diesem Roman nichts mehr davon. In klaren Worten und auf Effizienz ausgerichteten, strukturierten Sätzen rast die Geschichte, die geschickt auf zwei Zeitebenen spielt, ungebremst und ohne jeglichen Humorpuffer auf ihr grausames Finale zu. Die Geschichte gleicht, ohne hier etwas zu verraten, in ihrem dramatischen Ausmaß einem Shakespeare’schen Drama, besitzt eine literarische und inhaltliche Wucht, dass es dem Leser die Beine wegschlägt.

John Niven

John Niven

Perfekt konstruiert und in ihrer Tragweite ohne Vergleich erleben wir eine Story, die sowohl dramatisch als auch sozialkritisch den Leser in eine moralische Grauzone katapultiert, wo jeder für sich eigene Antworten finden muss. Genau hier liegt die Stärke von Das Gebot der Rache. Es werden keine Gefälligkeiten erwiesen, keine moralischen Ausflüchte oder Antworten geliefert. Niven zeigt Missstände auf, liefert realistische Szenarien der alltäglichen gesellschaftlichen Probleme und zeigt, wo diese im Extremfall hinführen können. All dies präsentiert er im Gewand eines perfiden Thrillers in schonungsloser Härte, mehr an die Romane Jack Ketchums erinnernd als an seine eigenen.

Das Gebot der Rache erscheint als gebundene Ausgabe bei Heyne Hardcore (304 Seiten, €19,99, aus dem Englischen von Stephan Glietsch), welche durch ein gelungenes Cover ins Auge sticht, das durch den auffallenden Schriftzug und das atmosphärisch-düstere Titelbild die Grundstimmung des Romans perfekt einfängt.

John Niven, der von sich selber sagt, überhaupt nicht nachtragend zu sein, war fasziniert von dem Gedanken, wie lange Menschen an dem Wunsch nach Rache festhalten können. In seinen Schilderungen der gesellschaftlichen Situation Schottlands in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts spürt man deutlich das Wissen und die eigene Erfahrung des Autors, der seinen Heimatort als Ausgangspunkt für die Handlung wählte.

Das Gebot der Rache ist ein Roman, der den Leser einfängt, durchschüttelt und erst bei Beendigung des Buches wieder freilässt. Jedoch wird man sich auch noch lange nach der letzten Seite gedanklich mit der Geschichte auseinandersetzen, aber so was zeichnet eine gute Story eben aus. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung, man braucht jedoch starke Nerven!

Verlagsseite

Christian Funke-Smolka