John Niven: "Die F*ck-it-Liste" (Heyne Hardcore)

John Niven: „Die F*ck-it-Liste“ (Heyne Hardcore)

Amerika in der nahen Zukunft. Nachdem Donald Trump zwei Amtszeiten durchregiert hat, ist jetzt seine Tochter Ivanka an der Macht. Das Land ist tief gespalten, die Jahre populistischer Politik haben ihre Spuren hinterlassen. Derweil erhält Frank Brill, ein anständiger Zeitungsredakteur in einer Kleinstadt, der gerade in den Ruhestand getreten ist, eine folgenschwere Diagnose: Krebs im Endstadium. Anstatt sich all die Dinge vorzunehmen, die er schon immer machen wollte, erstellt er eine sogenannte F*ck-it-Liste. In seinem Leben musste er wiederholt Tiefschläge erleiden, nun beschließt er sich an den Menschen zu rächen, die für diese Tragödien verantwortlich zeichneten.

John Niven wurde in Ayrshire, Schottland geboren, und studierte in Glasgow Englische Literatur. Seinen Abschluss bestand er 1991 mit Auszeichnung und war die nächsten 10 Jahre im Musikbusiness tätig, bevor er sich 2002 ganz dem Schreiben widmete.

Als Journalist hat er Artikel für „FHM“, „Q“, „Word“, „Socialism“ und „GolfPunk“ verfasst und ist außerdem der (Co-)Autor einiger teils preisgekrönter Drehbücher und Theaterstücke. Anfang 2006 erschien sein erstes Buch Music from Big Pink, das die Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks begeisterte. Die Filmrechte sicherten sich Steven und Jez Butterworth („Birthday Girl“, „Mojo“). Mit Kill your friends landete John Niven seinen ersten internationalen Bestseller, es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male, Old School, Alte Freunde und Kill ‚em all. John Niven lebt in Buckinghamshire in der Nähe von London.

Die F*ck-It-Liste ist einerseits politische Satire, andererseits ein gnadenloser Thriller, der John Niven in angriffslustiger Form zeigt.

© Heyne Hardcore & Erik Weiss

Meinung zur Veröffentlichung:

Die USA im Jahr 2026: Donald Trump hat in seiner zweiten Amtszeit abgedankt und damit seiner Tochter Ivanka das Amt im Weißen Haus überlassen. Wie ein Schatten liegt seine populistische Politik über dem Land, in dem Waffengesetze gelockert wurden und dramatisch eskalierende Amokläufe an der Tagesordnung sind. In diesem Klima lebt der sechzigjährige Frank Brill, ein ehemaliger Zeitungsredakteur, für den seine Krebsdiagnose nach einem Leben voller Tiefschläge wie ein Befreiungsschlag vorkommt. Endlich findet er die Kraft, seine F*ck-it-Liste in die Tat umzusetzen…      

Dass es ein Fehler wäre, John Niven auf seine bissig pointierten und sehr schwarzhumorigen Geschichten zu reduzieren, hat er bereits 2012 mit dem grandiosen Roman Das Gebot der Rache gezeigt. Mit seinem hier vorliegenden Roman Die F*ck-it-Liste präsentiert er eine sehr düstere Utopie, die den Bereich der Satire weit hinter sich lässt, da sie auf erschreckende Weise ein durchaus realistisches politisch-gesellschaftliches Szenario aufzeigt und mit den Versatzstücken des Thrillers geschickt kombiniert. Dabei gelingt es ihm meisterhaft, mit Frank Brill eine Hauptfigur in den Fokus zu stellen, die sich dem in der Bevölkerung ausgelebten Populismus entgegenstellt und die in ihrer Verzweiflung einen perfiden Plan schmiedet. Niven hält sich dabei nicht zurück, sondern trägt seine Wut, seine Frustration und sein Unverständnis offen nach außen und appelliert an Gerechtigkeit und Werte, die in der aktuellen Zeit vielerorts vergessen scheinen. Auch wenn sein Szenario überzeichnet und überspitzt scheint, ist es ein Gedanke, eine Fantasie vieler, die in der Gegenwart über so manches Verhalten irritiert bis fassungslos den Kopf schütteln. Niven gelingt es, gleichzeitig spannend zu unterhalten und fassungslos zu machen. Der Roman macht wütend, traurig, fassungslos und ist gleichzeitig ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und ein Appell, seinen Verstand zu nutzen! Ein grandioses Buch, welches ich unbedingt empfehlen kann!       

Die F*ck-it-Liste (Originaltitel: The F*ck it List, Großbritannien 2020) erscheint als ansprechend gestaltetes Hardcover mit Pappband in einer Übersetzung aus dem Englischen von Stephan Glietsch bei Heyne Hardcore (320 Seiten, €22,00). Im Anhang befinden sich neben Kurzbiografien vom Autor und Übersetzer eine kurze Danksagung Nivens.

Mit Die F*ck-it-Liste präsentiert John Niven ein literarisches Bravourstück! Es ist eine scharfsinnige Analyse einer möglichen Zukunft, eine wütende Abrechnung über politische und gesellschaftliche Missstände, ein Thriller-Drama, welches sprachlos macht. Ein Buch, welches grimmig und düster kaum Platz für den ihm sonst eigenen bissigen Humor lässt und den Lesenden schnell in seinen Bann zieht. Ein kraftvolles Buch, welches die Vielseitigkeit Nivens eindrucksvoll unter Beweis stellt!

Christian Funke