John Niven: “Kill 'em all” (Heyne Hardcore)

John Niven: “Kill ‚em all” (Heyne Hardcore)

2017 – die Ära von Trump, Brexit und Fake-News. Zwanzig Jahre sind seit Steven Stelfoxs mörderischem Rundumschlag in Kill Your Friends vergangen. In Gott bewahre trat er noch einmal als unerbittlicher Juror der größten amerikanischen Casting-Show in Erscheinung.

Nun, mit siebenundvierzig Jahren genießt er ein geruhsames Jetset-Leben. Wenn er Langeweile hat, verdingt er sich als Berater in der Musikindustrie. Und löst Probleme.

Und sein alter Freund James Trellick, mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma, hat ein massives Problem: Sein Künstler Lucius Du Pre ist der erfolgreichste Popstar auf Erden. Nun ja, er war der erfolgreichste Popstar auf Erden. Inzwischen ist er ein hoffnungsloser Junkie und unberechenbares Sexmonster. Um die irrsinnigen Vorschüsse wieder einzuspielen, ist eine weltweite Comeback-Tour geplant. Doch dafür müsste er erst wieder in Form kommen. Und es gilt einen Erpressungsversuch abzuwenden – ein Video mit kompromittierenden Szenen, das nie an die Öffentlichkeit gelangen darf.

Welcome back, Steven Stelfox. Er kennt keine moralischen Bedenken und geht bekanntlich über Leichen. Und das Klima des »amerikanischen Gemetzels« – des Populismus, der puren Gier und der großen Lügen – spielt ihm zu. Aber in dieser Zeit der Unsicherheit weiß man natürlich nie, was als Nächstes geschieht.

John Niven wurde in Ayrshire, Schottland geboren, und studierte in Glasgow Englische Literatur. Seinen Abschluss bestand er 1991 mit Auszeichnung und war die nächsten 10 Jahre im Musikbusiness tätig, bevor er sich 2002 ganz dem Schreiben widmete.

Als Journalist hat er Artikel für „FHM“, „Q“, „Word“, „Socialism“ und „GolfPunk“ verfasst und ist außerdem der (Co-)Autor einiger teils preisgekrönter Drehbücher und Theaterstücke. Anfang 2006 erschien sein erstes Buch Music from Big Pink, das die Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks begeisterte. Die Filmrechte sicherten sich Steven und Jez Butterworth („Birthday Girl“, „Mojo“). Mit Kill your friends landete John Niven seinen ersten internationalen Bestseller, es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male und Old School. John Niven lebt in Buckinghamshire in der Nähe von London.

Termine der Lesungen im März 2019

© Heyne Hardcore & Erik Weiss

Meinung zur Veröffentlichung:

„Alle Imperien sind aus Feuer und Blut erbaut.“

Pablo Escobar

Der 47 Jahre alte Steven Stelfox genießt sein luxuriöses Leben im Vorruhestand, als ihn der Anruf seines ehemaligen Weggefährten James Trellick zurück an die Front holt. Sein Künstler Lucius Du Pre galt als der erfolgreichste Musiker, der jedoch gleichzeitig einem extravaganten Lebensstil auf  seiner Ranch Narnia mit einem eigenen Vergnügungspark frönte. Soweit nicht dramatisch, wäre da nicht die unangenehme Vorliebe des Künstlers für kleine Jungs. Und nun existiert auch noch ein Video, welches die Gerüchte auf widerwärtige Weise unterstreicht. Ein Fall für den skrupellosen Problemlöser Steven Stelfox, der einen perfiden Plan verfolgt…

Wer befürchtet hat, dass John Niven seinen Biss verloren hat, der kann sich auf Kill ‚em all freuen. Denn hier zeigt Niven, ein Kriegsberichterstatter der modernen Wohlstandsgesellschaft, dass er es wie nur wenige andere Autoren beherrscht, ohne jegliche eigene Wertung ein bissiges, zynisches und immer treffsicheres Bild unserer Gesellschaft zu skizzieren und dies dabei so bitterböse zu formulieren, dass es sich einem durch die Netzhaut ins Hirn frisst. Und wer ist dazu besser geeignet, eine unangenehme Bestandaufnahme der Gegenwart zu liefern? Natürlich Steven Stelfox, der ehemalige A&R-Manager, spätere Produzent und Juror der Fernsehshow American Pop Star und jetzige millionenschwere Lebemann im Vorruhestand, der nur noch punktuell gegen ein fürstliches Honorar als freiberuflicher Berater tätig ist. Zuerst begegnete man ihm in dem 1997 spielenden Roman Kill your friends, später trat er in Gott bewahre in Erscheinung, hier nun erleben wir ihn erneut als Hauptprotagonisten des im Jahr 2017 angesiedelten Kill ‚em all. Dabei scheint es, als bekomme jedes Jahrzehnt den Beobachter, den es verdient und so haben wir eben für die Zeit der letzten zwei Jahrzehnte einen menschenverachtenden, geldgeilen Zyniker, der diese in allen Belangen unruhige Zeit bissig kommentiert und jede Gelegenheit nutzt, seinen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Dabei glänzt John Niven mit einem detaillierten Hintergrundwissen und zeigt uns die schmutzige Seite des Business, die jeder erahnt hat, aber immer hoffte, dass es so nicht sei. Parallelen zu bekannten Größen der Kunstszene sind dabei natürlich völlig unbeabsichtigt.             

John Niven „Kill ‚em all“, gelesen von Dietmar Wunder – Hörprobe

Kill ‚em all (Originaltitel: Kill ‚em all, Großbritannien 2018) erscheint in einer Übersetzung aus dem Englischen von Stephan Glietsch als Hardcover mit rot eingefärbten Seitenschnitt bei Heyne Hardcore (384 Seiten, €20).

Kill ‚em all ist ein bissiger, unglaublich zynischer Roman, der einem mit seinen schwarzhumorigen Inhalt oftmals das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Wer meint, der Autor übertreibe in seiner Figurenskizzierung, der schaue nur einmal kurz in die aktuellen Nachrichten und treffe dort auf Menschen, denen jegliche Moral und Ethik fremd sind und die für den höchstmöglichen Gewinn bereit sind, alles zu tun, was nötig ist. Der fiktive Steven Stelfox ist nur ein Abziehbild zahlreicher realer Vorbilder, die ihre Macht tagtäglich auf Kosten anderer ausleben… Wie gesagt, bei der Lektüre von Kill ‚em all bleibt einem nicht nur einmal das Lachen im Hals stecken!

Christian Funke