John Sandford - Zorn (Goldmann)

John Sandford – Zorn (Goldmann)

142_47872_126292_xlDer Abriss eines Wohnhauses hält für die Polizei eine grausige Überraschung parat: die mumifizierten Leichen zweier Mädchen, in Plastikfolie verpackt. Sie sind offenbar schon eine ganze Weile tot – und Lucas Davenport weiß auch genau, wie lange. Minneapolis 1985: Das Verschwinden der Jones-Zwillinge ist der erste große Fall für den jungen Polizisten. Verdächtigt wird ein verwirrter Obdachloser. Als der auf der Flucht erschossen wird, wird die Akte geschlossen. Doch Davenport glaubte nie an die Schuld des Mannes – und fast 30 Jahre später rollt er den Fall neu auf …

John Sandfords Romane um den Polizisten Lucas Davenport erobern regelmäßig die Top Ten der amerikanischen Bestsellerlisten. John Sandford lebt in Minneapolis.

Meinung zum Buch:

John Sandford ist das Pseudonym des mit einem Pulitzerpreis ausgezeichneten Journalisten John Roswell Camp, der im Februar 1944 in Iowa geboren wurde. Nach langjähriger redaktioneller Tätigkeit veröffentlichte er im Jahr 1989 seinen ersten Kriminalroman und schuf damit gleichzeitig seine wohl langlebigste Reihe um die Figur des Polizisten Lucas Davenport. Gleichzeitig arbeitet er noch, mittlerweile zusammen mit seinem Sohn an weiteren Romanreihen und Einzelveröffentlichungen, seinen größten Erfolg jedoch erlangt er mit seiner Davenport-Reihe, die im Original immer das Wort „Prey“ im Titel aufweist.

Hier vorliegend haben wir die neuste deutschsprachige Veröffentlichung (in den Staaten sind bereits zwei weitere Romane erschienen) um den interessanten Hauptcharakter. Dieses mal führt ihn eine Mordermittlung weit zurück in seine eigene Vergangenheit. Das ist ein geschickter Zug von John Sandford, denn so ermöglicht er dem Leser durch Zeitsprünge und Rückblenden die Möglichkeit, seine Hauptfigur als jungen Mann zu erleben. Hier ist er, da etwa 50% der Geschichte in der Vergangenheit angesiedelt sind, noch ein Ermittler ganz am Anfang seiner Karriere, temperamentvoll, arrogant und aufbrausend. Zudem wird man Zeuge der ersten Kontakte zu seinen späteren Freunden und Kollegen, die man, wenn man die Reihe schon vor diesem Roman verfolgt hat, gut kennt und sie beinahe als alte Bekannte sieht.
Dadurch wird Zornnicht einfach nur ein verdammt spannender Thriller, sondern ist zudem noch ein interessanter und faszinierender Ausflug in die Vergangenheit aller Protagonisten dieser Krimi-Reihe.

John Sandford © Andre Mühling

John Sandford
© Andre Mühling

Zorn, der einundzwanzigste Roman der Lucas Davenport – Serie des Autors John Sandford erscheint bei Goldmann (384 Seiten, €9,99) als schön gestaltetes, mit einem atmosphärischen Covermotiv versehenes Taschenbuch.

Sandford gelingt es mit seinem packenden, sehr bildhaften Stil, den Leser in die Geschichte zu ziehen. Ein hohes Tempo, die wendungsreiche Geschichte und die virtuos platzierten Zeitsprünge machen die Story zu einem hervorragend lesbaren, spannenden Pageturner, bei dem es kein Problem ist, wenn man die vorangegangenen Bücher nicht kennt, da der Autor alle nötigen Informationen geschickt einbaut, so dass man an keiner Stelle das Gefühl hat, relevante Vorkenntnisse nicht zu haben.

Freunde spannender, intelligenter und hervorragend lesbarer Thriller-Unterhaltung sollten sich auch die neuste Geschichte um den charismatischen Ermittler Lucas Davenport und seine Freunde und Kollegen zulegen. Es lohnt sich!

Christian Funke-Smolka