John Verdon - Gute Nacht (Heyne)

John Verdon – Gute Nacht (Heyne)

Die Logik des Verbrechens

351_43737_130524_xlDavid Gurney hat genug von Mord und Totschlag. Der geniale Ex-Ermittler erholt sich mit seiner Frau Madeleine auf seiner Farm in der Nähe New Yorks, als ihn eine befreundete Journalistin um seine Mithilfe bittet. Er soll ihre Tochter bei einem dokumentarischen TV-Mehrteiler über unaufgeklärte Mordfälle beraten. Im Zentrum des Films steht der Fall des »Guten Hirten«, eines Serienkillers, der vor genau zehn Jahren sechs Menschen umbrachte. Je mehr sie recherchieren, desto seltsamere Dinge ereignen sich. Bald gibt es die nächsten Leichen.

John Verdon wurde in New York City als Sohn irischer Einwanderer geboren. Er studierte Journalismus, bevor er als Werbetexter und später als Geschäftsführer einer großen Agentur tätig war. Mit 53 Jahren kehrte er der Werbung den Rücken und widmete sich dem Design von Kirschholzmöbeln. Mit seiner Frau Naomi lebt er in der Gegend von New York.

Meinung zum Buch:

John Verdon präsentiert mit dem vorliegenden Roman Gute Nacht (Heyne, 608 Seiten, €9,99) mittlerweile die dritte Geschichte um den NYPD – Ermittler David Gurney. Dieser hat sich aus seinem Alltagsgeschäft nach einer im Dienst zugezogenen Schussverletzung zurückgezogen und lebt nun, traumatisiert und verunsichert, mit seiner Frau auf ihrer gemeinsamen Farm. Doch Ehefrau Madeleine möchte ihn motivieren, seine Isolation aufzugeben, weswegen sie den frühzeitigen Pensionär drängt, der Bitte einer alten Bekannten nachzukommen. Gurney soll ihrer Tochter bei einer Dokumentation des voyeuristischen, nur auf die Einschaltquoten schielenden Senders RAM-TV über die ungeklärten, mittlerweile zehn Jahre zurückliegenden Fälle des Serientäters „Der gute Hirte“ beratend zur Seite stehen. Doch wie es der treffende Originaltitel sagt: Let the Devil sleep!

John Verdon © Naomi Fisch

John Verdon
© Naomi Fisch

Auch wenn es sich hier um den dritten Band einer Roman-Reihe handelt, muss man als Leser nicht fürchten, ohne entsprechende Vorkenntnisse keinen Spaß an der Lektüre zu haben. John Verdon deutet zwar an manchen Stellen dezent auf vorangegangene Geschehnisse hin (wie zum Beispiel die erwähnte Schussverletzung), diese haben aber keinerlei Einfluss auf die Handlung dieses Romans. Vielmehr werden Episoden aus der Vorgeschichte vom Autor gut erklärt, so dass man schnell in die Story eintauchen kann. Die gute Sprache und der packende, bildhafte Stil führen zudem dazu, dass man die einzelnen, teils kurzen Kapitel flüssig lesen kann. Dies führt auch dazu, dass man als Leser trotz einiger inhaltlicher Längen bei der Sache bleibt. Auch wenn andere Thriller vielleicht komplexer gestaltet sind, gewinnt Gute Nacht durch die Geradlinigkeit der Erzählung an Tempo, welches gerade im letzten Drittel für einen konstant hohen Spannungsbogen sorgt. Erstaunlich ist es, anders als in den Vorgängerromanen, dass John Verdonden Fokus relativ selten auf den Täter, sondern viel deutlicher auf die anderen Figuren, hier vor allem auf den Ex-Ermittler Gurney, seine Familie oder Hartwick richtet. Hier wird nicht zwingend auf das nächste Spannungsmoment oder den nächsten Cliffhanger geschielt, sondern der Autor nimmt sich die Zeit, seinen Figuren „Leben einzuhauchen“.

Gute Nacht, welches von Heyne mit einem wunderbar gestalteten Cover versehen wurde, ist ein spannender, facettenreicher und sehr gut lesbarer Thriller, der an einigen Stellen zwar nicht an die Spannungsqualität der Vorgänger heranreicht, aber trotzdem sehr gut konzipiert und geschrieben wurde. Perfekte, kurzweilige und fesselnde Urlaubslektüre!

Verlagsseite

Christian Funke-Smolka