Jojo Moyes: "Im Schatten das Licht" (Rowohlt POLARIS)

Jojo Moyes: „Im Schatten das Licht“ (Rowohlt POLARIS)

Sarah und ihren Großvater verbindet die Liebe zu Pferden. Einst war Henri ein gefeierter Dressurreiter, bis das Schicksal seine Karriere beendete. Täglich trainiert er die Vierzehnjährige und ihr Pferd. Seit dem Tod von Mutter und Großmutter haben die beiden nur einander. Und als Henri einen Schlaganfall erleidet, bleibt seine Enkelin allein zurück.

Natasha und ihren Mann Mac verbindet nur noch wenig. Ihre Ehe ist gescheitert, doch bis das gemeinsame Haus verkauft ist, müssen sie sich arrangieren. Für Natasha nicht leicht, denn ihre Gefühle für den Mann, der einmal die Liebe ihres Lebens war, sind alles andere als lauwarm.

Als zufällig Sarah in ihr Leben tritt, nehmen die beiden das verschlossene Mädchen bei sich auf. Das Zusammenleben ist schwierig. Gibt es überhaupt etwas, was die drei miteinander verbindet? Plötzlich ist Sarah verschwunden. Und Natasha und Mac machen sich widerstrebend gemeinsam auf die Suche. Ein turbulenter Roadtrip durch England und Frankreich beginnt…

Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Der Roman «Ein ganzes halbes Jahr» machte sie international zur Bestsellerautorin. Weitere Nr. 1-Bestseller folgten. Jojo Moyes lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf dem Land in Essex.

© Rowohlt POLARIS, Charlotte Murphy & Stine Heilmann

Meinung zum Buch:

Die wichtigste Botschaft zuerst: ja, es kommt ein Pferd in diesem Buch vor und es spielt eine wesentliche Rolle – aber nein, dies ist kein klassisches „Pferdebuch“ und man liest es auch als nicht-Pferdefreund bzw. -Reiter mit großem Vergnügen.

Freundschaft, Verantwortung, (gescheiterte) Beziehungen und viel Gefühl – aus diesen Grundzutaten kreiert Jojo Moyes ihr neustes Werk. Und wieder gelingt dabei eine locker-leicht unterhaltende Geschichte, die trotz allem nicht oberflächlich plätschert… Eigentlich möchte man dieses Buch fast 600 Seiten lang gar nicht mehr aus der Hand legen.

Wie schafft die Autorin das? Der Plot: Mädchen, Pferd, Schicksal, erfolgreiches unglückliches Paar, Road Trip, Happy End ist gefällig und nicht unbedingt für ganz große Literatur geeignet – aber das macht nichts.

Die Charaktere der Protagonisten sind eingängig gestaltet, dabei aber nicht eindimensional, so dass der Leser (naja, die Leserin) sich gerne auf eine Identifikation einlässt und von Anfang an beteiligt ist, wenn sich Natasha im vollen Vorortzug gestresst auf den Heimweg macht.

Die Figur der Sarah dagegen steht für das Unzugängliche, nicht auf den ersten Blick sich Erschließende und bildet damit einen reizvollen Gegenpol zu der ausführlich beschriebenen Innenwelt der Natasha. Diese Personenkonstellation bleibt interessant durch alle Windungen der Geschichte hindurch und hält den Leser am Ball.

Ein zweiter Erzählstrang führt zurück ins Jahr 1960. Der junge Elitereiter Henri Lachapelle begegnet in der französischen Stadt Saumur seiner großen Liebe und folgt ihr schließlich nach England. Damit sind die Wurzeln für Sarah und ihre Pferdeliebe angelegt. Auch die spätere Entwicklung der Geschichte entfaltet ihre Dynamik in Richtung Frankreich.

Der Wechsel zwischen damals und heute, Frankreich und England bringt einen bewegten Perspektivwechsel – langweilig wird es hier an keiner Stelle.
Um aber wirklich aufregend zu sein, ist die Story zu absehbar. Richtig dramatisch-überraschende Wendungen sucht man genauso vergeblich wie gewisse Untiefen der Charaktere. Immerhin: Die Geschichte läuft rund, ist fesselnd erzählt und unterhält über weite Strecken.

Ein wirklich gelungenes und reizvolles Extra sind die Xenophon-Zitate am Beginn jedes Kapitels, das gefällt auch der Nicht-Pferdefreundin.

So weit, so gut. Mir persönlich war das (vorhersehbare) Happy End zu ausgedehnt – natürlich gehört sich das so, dass am Ende alles wieder gut wird – aber dann bitte mehr Inhalt – oder weniger Seiten.

Fazit: schöne Unterhaltung! Perfekt zum Entspannen, für den Urlaub,… ob ich das Buch noch ein zweites Mal lesen möchte? Eher wohl nicht. An die Kracher-Qualitäten von „Ein ganzes halbes Jahr“ kommt „Im Schatten das Licht“ nicht ran.

Barbara Hauschild & Christian Funke