Jørgen Brekke - Die Melodie des Todes (Heyne)

Jørgen Brekke – Die Melodie des Todes (Heyne)

Hochspannung aus Skandinavien – düster, grausam, raffiniert

Ein grausiger Leichenfund versetzt das winterliche Trondheim in Angst und Schrecken. DDie Melodie des Todes von Jorgen Brekkeas Opfer ist eine junge Frau. Ihr fehlen die Stimmbänder, und auf ihrem Leichnam steht eine Spieldose, aus der eine seltsame Melodie ertönt. Kommissar Odd Singsaker nimmt die Ermittlungen auf. Kurz darauf verschwindet ein junges Mädchen in unmittelbarer Nachbarschaft des ersten Tatorts. Hat der Täter wieder zugeschlagen? Als die Eltern des Mädchens im Garten ihres Hauses eine mysteriöse Spieluhr finden, scheint es daran keinen Zweifel mehr zu geben.

Jørgen Brekke, geboren 1968, hat als Literaturkritiker und Journalist gearbeitet, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Trondheim.

Meinung zum Buch:

Odd Singsaker ist zurück. In seinem zweiten Fall hat es der Ermittler mit einem besonders grausigen Mord zu tun. Doch ein Ermittlungserfolg will sich trotz intensiver Recherche nicht einstellen. Als plötzlich ein zweites Mädchen verschwindet, muss Singsaker sehen, dass er Licht ins Dunkel bringt. Welche Rolle spielt die Spieldose, die ein klassisches Lied abspielt? Odd Singsaker spürt, dass die Lösung des Falls in Taten der Vergangenheit zu finden ist.

Die Melodie des Todes ist ein Thriller, der den Leser schon mit seinem Prolog in die Geschichte zerrt. Dieses hohe Level kann der Autor in seinem zweiten Roman um seinen Kommissar jedoch nicht über die gesamte Buchlänge aufrecht erhalten, zumal die regelmäßigen Wechsel in einen Ermittlungsfall im Trondheim des Jahres 1769 an manchen Stellen ein wenig das Erzähltempo des in der Gegenwart spielenden Falls drosseln, der historische Part teilweise sogar etwas langatmig wirkt und sich wenig homogen in das Gesamtbild einfügt. Hier jedoch wurde clever mit den unterschiedlichen Ermittlungsmethoden gespielt, die sich ja in den zwischen den Fällen liegenden etwa 250 Jahren grundlegend geändert haben. Jørgen Brekke nutzt in seinem Roman zudem die Gelegenheit, dem Leser einige sowohl historische als auch aktuelle Geschichten zu diesem Landstrich zu vermitteln, denn gerade das im Buch vorkommende Liedgut spielt in dieser Gegend als auch in der Ermittlung eine große Rolle, wodurch der Buchtitel eine wesentlich stimmigere Bedeutung erfährt.

Jørgen Brekke  © Elin Iversen

Jørgen Brekke
© Elin Iversen

Die Melodie des Todes (352 Seiten, € 12,99) erscheint bei Heyne als großformatige Klappbroschur mit einem atmosphärisch-stimmigen Titelmotiv als „Taschenbuch des Monats“. Auch in seinem zweiten Roman präsentiert Jørgen Brekke eine Geschichte um seine Figur Odd Singsaker, die er, in vier Teile gegliedert, auf mehreren Zeitebenen erzählt. Auch wenn der Hauptfall dabei ein wenig zu kurz kommt, ist Die Melodie des Todes ein grandios erzählter und streckenweise geschickt inszenierter, düsterer skandinavischer Thriller.

Christian Funke-Smolka