Jürgen Teipel: Mehr als laut - DJs erzählen (Suhrkamp)

Jürgen Teipel: Mehr als laut – DJs erzählen (Suhrkamp)

Mitten im Sound

DJs erzählen. Von Partys und ständigem Unterwegssein. Von Beziehungen und Lampenfieber. Persönlichen Schlüsselerlebnissen und Geschlechterrollen. Von Ekstase und Drogen. Leben und Tod. Von den haarsträubenCoverden Anfängen in Techno-Löchern wie dem milk! in Mannheim Anfang der Neunziger bis zu beseelten Plätzen mitten im kolumbianischen Dschungel in den Nullerjahren. Vom legendären Schwulenclub in Berlin bis zum Sonnenuntergang über einem Flüsschen in China.
In Mehr als laut erzählen weltweit bekannte DJs wie Miss Kittin oder Richie Hawtin, DJ Koze oder Acid Maria über ihre musikalischen Erlebniswelten – und geben atmosphärisch atemberaubende, persönliche Einblicke in die DJ-Szene und Clubkultur.

Jürgen Teipel, geboren 1961, kam 1980 durch die Herausgabe einer Punk-Zeitschrift zum Schreiben. Danach organisierte er Konzerte und Ausstellungen, war DJ und schrieb u. a. für Frankfurter Rundschau, Neue Zürcher Zeitung, Spiegel und Zeit. Sein Doku-Roman Verschwende Deine Jugend stieß auf breite Anerkennung und wurde von der Presse gerühmt. Zuletzt erschienen sein Roman Ich weiß nicht sowie eine Neuausgabe von Verschwende Deine Jugend. Im Herbst 2013 erscheint Mehr als laut – ein Doku-Roman über die musikalischen Erlebniswelten von DJs. Der Autor lebt in München.

Meinung zum Buch:

Jürgen Teipel © Alessandra Schellnegger

Jürgen Teipel
© Alessandra Schellnegger

Jürgen Teipel, Journalist und Buchautor, ist seit Anfang der 80er Jahre fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Erst als Veranstalter, später auch als Herausgeber von Fanzines und Fachtexten zeichnet er sich durch umfassende Szenekenntnisse und ein ausgesprochenes Feingefühl bei der literarischen Bearbeitung aus. So entstand der wegweisende Dokumentationsroman „Verschwende deine Jugend“ über die Punk- und New Wave-Bewegung in Deutschland, der ihm schlagartig eine große Popularität bescherte. Doch ist der Autor keiner, der sich gerne auf eine bestimmte Richtung festlegen lassen möchte, weshalb er sich nun nach einem Roman und einer umfangreichen Überarbeitung von „Verschwende deine Jugend“ der Clubszene und ihren DJs widmet. Mehr als laut ist erneut ein Dokumentations-Roman, welcher sich im Aufbau auf einem ähnlichen Gebiet bewegt, wie seine vorangegangene Abhandlung der Punk und New Wave-Szene. In teils sehr persönlichen Gesprächen lässt er die Protagonisten der Szene selber zu Wort kommen, was einen authentischen und unterhaltsamen weil ungewöhnlichen Einblick in die DJ-Szene gibt. Ohne eine Form der persönlichen Wertung oder Beeinflussung des Lesers lässt er Menschen wie DJ Koze, Acid Maria, Inga Humpe oder Miss Kittin über ihre Eindrücke, Erlebnisse oder Gedanken plaudern, wobei Teipel die über Jahre gesammelten Interviewfragmente unkommentiert gegenüberstellt und dadurch ein Gesamtbild, bestehend aus Einzelaussagen kreiert. Denn wenn die Gesprächspartner über Auftrittsorte, Drogen oder persönliche Erlebnisse berichten, entsteht letztendlich zwischen den Zeilen, oder durch die Gegenüberstellung mit ähnlichen Aussagen anderer DJs ein Bild, welches die nachdenkliche, selbstreflektierende Seite der Szene zeigt. Man scheut sich nicht, Themen wie die Angst vor dem Tod, Drogenkonsum- oder missbrauch und die Stimmungstiefs nach einem gelungenen Set anzusprechen, genauso wird aber auch über die Liebe zur Musik, dem Fehler als kreatives Zeichen von Schönheit und dem coolsten Auftrittsort gesprochen. Einzig die Kapitelüberschriften geben das Thema des Gespräches vor, ansonsten lässt der Autor seinem Gegenüber den Raum, das Gespräch zu entwickeln und einen eigenen roten Faden zu finden. Dadurch wird Mehr als laut, welches bei Suhrkamp (236 Seiten, €14,99) erschienen ist, zu einem gut lesbaren, spannenden wie unterhaltsamen Einblick, den einem die DJs in ihre Szene geben.

Christian Funke-Smolka