Jussi Adler Olsen - Das Washington Dekret (dtv)

Jussi Adler Olsen – Das Washington Dekret (dtv)

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Die atemberaubende Vision vom Zerfall einer Gesellschaft

Durch den kaltblütigen Mord an seiner Ehefrau und dem ungeborenen Kind gerät der neu gewählte amerikanische Präsident Bruce Jansen völlig aus dem Gleichgewicht. Er erlässt das „Washington Dekret“ – eine politische Entscheidung, die 9783423280051schwerwiegende Folgen nach sich zieht für die gesamte amerikanische Bevölkerung.
Amerika im Ausnahmezustand …
Doggie Rogers, Mitarbeiterin im Stab des Präsidenten, steht nach dem Attentat unter Schock – nicht zuletzt, weil ihr eigener Vater nun des Mordes angeklagt wird. Auf der Suche nach der Wahrheit wird Doggie zur meistgesuchten Frau der USA. Mit Hilfe von Freunden versucht sie das Komplott aufzudecken. Alles ruht nun auf ihren Schultern …

Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.
1997 erschien sein erster Roman „Das Alphabethaus“. Er erreichte in Schweden, Holland und Finnland, Spanien, Südamerika und Norwegen die Spitzen der Bestsellerlisten. Es folgten die Romane „Firmaknuseren“ (2003) und „Washington Dekretet“ (2006), bevor er 2007 mit dem ersten Fall für Carl Mørck, „Erbarmen“, einen Riesenerfolg hatte. 2008 stürmte er auch mit „Schändung“, dem zweiten Fall für Carl Mørck, 2009 mit „Erlösung“, dem dritten Fall für Carl Mørck, und 2010 mit „Verachtung“, dem vierten Fall für Carl Mørck, die Bestsellerlisten.
Die auf zehn Teile angelegte Carl-Mørck-Serie wird ab 2012 im Rahmen einer europäischen Co-Produktion (Zentropa und ZDF) für Kino und Fernsehen verfilmt. Jussi Adler-Olsen wurde u. a. ausgezeichnet mit dem Harald-Mogensen-Krimipreis 2009 für „Erlösung“, dem Reader’s Bookprize 2010, einem der bedeutendsten Literaturpreise Dänemarks, dem Glass Key Award 2010 – dem bedeutendsten Krimipreis Skandinaviens. Jussi Adler-Olsen ist außerdem Preisträger des Goldenen Lorbeers 2011, der wichtigsten literarischen Auszeichnung Dänemarks für das Gesamtwerk eines Autors. „Erlösung“ ist Jahresbestseller 2011 in Deutschland. Jussi Adler-Olsen ist Dauergast auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Meinung zum Buch:

Jussi Adler-Olsen beweist mit dem vorliegenden Buch Das Washington Dekret, welches er bereits 2006 schrieb, sein vielfältiges Talent.
Ruhig und sachlich in die Geschichte einsteigend erfährt der Leser sehr detailliert, wie sich die Geschichte um den Senator und späteren Präsidenten Bruce Jansen aufbaut, wer zu seinem persönlichen und beruflichen Umfeld gehört und welchen Menschen er vertraut. Auch diesen Personen, allen voran der Titelheldin Dorothy Doggie“ Rogers, widmet Adler-Olsen viel Zeit, um ihre Geschichte zu erläutern. So ist der Einstieg zwar gut lesbar, jedoch aufgrund der vielen verschiedenen Charaktere anfangs etwas verwirrend und inhaltlich etwas ausufernd.
Dies ändert sich jedoch schlagartig, als der Autor zum Kernpunkt seiner Geschichte kommt, nämlich der Verabschiedung des titelgebenden Washington Dekrets und seinen Folgen für die amerikanische Gesellschaft. Hier legt er dann sowohl

Jussi Adler-Olsen

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stilistisch als auch inhaltlich ein atemberaubend hohes Tempo vor, welches den Leser auf der einen Seite in das Buch zieht, auf der anderen Seite jedoch auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Geschichte geht. Denn auch wenn die Hintergründe und die politischen Handlungsmuster gut recherchiert sind, wirkt die Entwicklung, welche die Vereinigten Staaten innerhalb von knapp vier Wochen von einer angesehenen Weltmacht zu einer diktatorischen Bananenrepublik mit totalitären Überwachungsinstrumentarien verkommen lassen, zu schnell und zu unglaubwürdig. Man verstehe mich hier nicht falsch, ich bin nicht der Meinung, dass so etwas nicht geschehen kann, sondern finde nur die Zeiträume, die die Geschichte hier vorgibt, unrealistisch eng bemessen.

Was Jussi Adler-Olsen in Das Washington Dekret (dtv, 656 Seiten, €19,99) inszeniert, ist eine moderne Version von Orwells 1984, die inhaltlich erschreckend ist, da das Szenario thematisch sehr nahe an der Realität liegen könnte. Man merkt, dass sich der Autor sicher auf dem Feld der Politik zu bewegen weiß, zumal zwar die Geschichte fiktional, jedoch die im Buch vorkommenden präsidentiellen Erlasse, auf deren Grundlage das Land im Ausnahmezustand regiert wird, seit dem 11. September 2001 Realität sind (wie es der Autor in seinem Nachwort schreibt).
Faszinierend ist der Zeitpunkt der deutschen Veröffentlichung, der zufällig kurz nach einem in Amerika stattgefundenen Amoklauf und der damit einhergehenden Diskussion zur Veränderung der Waffengesetze liegt, wie sie nahezu identisch im Buch beschrieben werden. Hier zeigt sich, wie nahe Fiktion und Realität manchmal liegen können.

Das Washington Dekret ist ein Buch, in welchem sich der Autor Jussi Adler-Olsen scheinbar sehr hohe Ziele gesetzt hat, die er nicht in allen Bereichen erfüllen kann. Inhaltlich erschreckend nahe an der Realität wirkt die Geschichte trotzdem an einigen Stellen gehetzt und überstürzt, und büßt dadurch etwas von ihrer morbiden Faszination ein.
Stilistisch befindet sich der Autor auf einem sprachlich soliden Niveau, treibt den Leser mit einem hohen Tempo durch seinen komplexen Verschwörungsthriller und sorgt trotz mancher Ungereimtheiten für ein durchgehend hohes Spannungslevel.
Das Washington Dekret befindet sich nicht auf dem Niveau seiner Carl-Mørck-Serie, liefert aber nachdenklich stimmende Spannungslektüre, die die Frage aufwirft, ob solch ein Szenario nicht doch Wirklichkeit werden könnte. Eine erschreckende Vorstellung!!

Der Autor über „Das Washington Dekret“

Christian Funke-Smolka