Justin Cronin - Die Zwölf  (Goldmann)

Justin Cronin – Die Zwölf (Goldmann)

Die Zwölf bedrohen die Welt – und nur Amy kann sie besiegen

Zu AnDie Zwoelf von Justin Croninfang waren es zwölf Kriminelle, die auf die Todesstrafe warteten. Doch dann wurden sie auserwählt für ein geheimes Experiment. Es sollte den Fortschritt bringen, aus ihnen sollten mehr als nur Menschen werden. Doch es schlug fehl. Jetzt sind es diese Zwölf, die das Leben auf der Erde bedrohen und das Ende der Menschheit bedeuten könnten. Und die letzte Hoffnung ruht auf einem Mädchen. Amy ist die Einzige, die sich der Macht der Zwölf entgegenstellen kann. Aber der Gegner ist stark, und ihre Kraft scheint mehr und mehr zu schwinden …

Meinung zum Buch:

Ich muss gestehen, dass ich sehr gespannt auf die Fortsetzung war. Teil 1 der Passage-Trilogie, ebenfalls bei Goldmann als „Der Übergang“ erschienen, war für mich ein Überraschungshit und eines der besten Endzeit – Bücher des Jahres. Trotz des epischen Umfangs von über 1000 Seiten habe ich es in wenigen Tagen verschlungen und war einer persönlichen Krise nahe, als mir klar wurde, dass ich nun lange Zeit warten muss, um zu erfahren, wie es weitergehen wird.
Nun, rund zwei Jahre später, begann ich die Fortsetzung zu lesen, welche unter dem Titel Die Zwölf bei Goldmann (832 Seiten, gebundene Ausgabe, €22,99) im Januar 2013 erschienen ist. Da ich zwar die Handlung des Vorgängers noch vor Augen, aber nicht mehr alle Details parat hatte, war ich über den galanten Einstieg des Autors Justin Cronin positiv überrascht, der die Vorgeschichte in Form einer historischen, biblischen Schrift zusammenfasst. So wird jeder Leser gut an die Geschichte herangeführt. Viel überraschender jedoch kam dann für mich der weitere Verlauf der Handlung, denn hier ging es nicht, wie erwartet, mit den bekannten Charakteren des ersten Teils weiter, sondern es wurden erst mal neue Charaktere eingeführt, die Zeit zu dem Beginn des viralen Ausbruchs zurückgedreht und die weitere Entwicklung aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. Das mag manch einer als langatmig empfinden, ich jedoch hatte das Gefühl, dadurch in eine wesentlich dichtere und komplexere Welt gestoßen zu werden.
Im weiteren Verlauf des Buches trifft man dann als Leser des ersten Teils auch auf alte Bekannte und erfährt deren weitere Geschichte.
Es zeigt sich das Talent des Autors, sowohl spannend als auch intelligent zu unterhalten, immer deutlicher wird sein Ziel, ein unglaublich komplexes, ein ganzes Jahrhundert überspannendes Universum zu kreieren, welches nicht weniger als den Untergang und die Wiederauferstehung der Menschheit beschreibt. In dem vorliegenden Roman Die Zwölf legt er dabei seinen Schwerpunkt auf die Beziehung der einzelnen Figuren und weniger auf die Entstehung seiner Vampir-Spezies, der „Virale“. Auch die titelgebenden „Zwölf“ tauchen erst mal nur als über Allem stehende, aber nicht wirklich in Erscheinung tretende Instanz auf, die erst zum Ende des Romans immer deutlicher an Bedeutung gewinnt. Viel mehr zeichnet Croninein gesellschaftliches Bild, welches, angelehnt an existierende diktatorische Strukturen, aufzeigt, wer die wirkliche Bestie in dieser Geschichte ist. Denn nicht die Viralen, die instinktgesteuert handeln, sondern der Mensch, der mit einer klaren Struktur und den Mechanismen der gezielten Unterdrückung arbeitet, ist das wahrhaft Böse in dieser Geschichte. Hier werden die Viralen als Mittel eingesetzt, um die eigenen, niederen Ideale durchzusetzen.

Justin Cronin

Justin Cronin

Justin Cronin gelingt ein faszinierender, sehr ausschweifender Trip in eine brutale und unwirtliche Welt, die zu Recht, man hat diesen Vergleich auch an anderen Stellen (passenderweise) bemüht, an Stephen Kings „Das letzte Gefecht“ erinnert, dabei aber die spezielle, auf gesellschaftliche Normen ausgerichtete Blickweise und die teils drastische und sehr bildhafte Sprache von Cormac McCarthys „The Road“ verbindet.
Die Form der zeitlichen Sprünge, der teils abrupten Orts- und Szenenwechsel sind zu Beginn zwar etwas verwirrend, erschaffen aber langfristig einen Spannungsbogen, dem man sich sehr schwer entziehen kann, so dass es mir nur selten gelang, das Buch aus der Hand zu legen. Immer deutlicher wird der alles umfassende, komplexe und epische Rahmen, der die einzelnen Schicksale umfasst, so dass sich zum Ende viele Puzzlesteine zusammenfügen.
Ich kann jedem Genrefreund empfehlen, die Geschichte um Amy, die Viralen und die Schar der Überlebenden zu lesen, denn intensiver und fesselnder kann eine Geschichte kaum erzählt werden. Wenn man sich erst mal in die fantastische, teils erschreckend realistisch beschriebene Welt begeben hat, ist man gefangen und kann ihr erst entkommen, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Nun heißt es wieder: warten auf den nächsten Teil!

Christian Funke-Smolka

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