Ken Bruen - London Boulevard  (Suhrkamp)

Ken Bruen – London Boulevard (Suhrkamp)

Ich muss gestehen, dass ich auf London Boulevard durch die stilsichere, ja beinahe lässige Verfilmung (und dem großartigen Soundtrack) des Regisseurs William Monahan aufmerksam wurde. Was mir allerdings erst jetzt, nach Lektüre der Romanvorlage von Ken Bruen auffiel, war die künstlerische Freiheit, die sich der Regisseur geleistet hat. Denn, wirkt der Film wie ein eleganter, stylischer Brit-Thriller, ist der Roman wesentlich roher, direkter und dadurch in seinen Gewaltszenen auch punktgenauer und irgendwie dreckiger! Die Geschichte um den Ex-Sträfling „Mitch“ Mitchell wird von Ken Bruen effizient, strukturiert und mit einem hohen Tempo und dem Fokus auf das Wesentliche erzählt.

Mitchell wird nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, wo er wegen schwerer Körperverletzung einsaß. Aber als resozialisiert kann man ihn nicht bezeichnen, bricht er doch direkt zehn Minuten später einem ihn nervenden Scheibenreiniger den Arm. Eine Bleibe für den Übergang findet er bei einem Freund, muss dafür aber als Geldeintreiber arbeiten.
Doch Mitch ist der Meinung, dass es Zeit wird, sein Leben zu ändern. Dazu bedarf es eines soliden und vor allem legalen Jobs und einer netten Frau an seiner Seite. Zufällig lernt er die alternde Schauspieldiva Lillian Palmer kennen, die ihm eine Stelle als Hausmeister auf ihrem Anwesen anbietet. Bald wird jedoch aus dem kollegial-beruflichen ein romantisches Verhältnis, was jedoch weitere Probleme nach sich zieht. Denn Gangsterboss Mr. Grant, für den er immer noch nebenbei arbeiten muss, fordert ihn auf, die Schauspielerin zu bestehlen, was Mitch aber ablehnt. Nun gerät er selbst ins Visier der Mafia.

Ken Bruen

Ken Bruen, Jahrgang 1951, ist ein irischer Autor, der durch seine besonders düsteren und sozialkritischen Thriller aufgefallen ist. Vor seiner Kariere als Schriftsteller war er Englischlehrer in Afrika, Japan Südostasien und Südamerika, und lebt mittlerweile mit seiner Frau und seiner Tochter in Galway City.
London Boulevard (Knaur, 262 Seiten) ist einer der wenigen Einzelromane, populär wurde der Autor durch seine Buchreihe um den in Ungnade gefallen Ex-Cop Jack Taylor oder die Max Fisher & Angela Petrakos – Serie.
Prägend ist neben seinem pointierten, knappen Stil auch der Hang zu einer gewissen düsteren Brutalität, die die meisten seiner Romane durchzieht. Das Milieu, welches er beschreibt, ist hart und gnadenlos, und dies zeichnet sich in seinem Schreibstil wider, welcher umgangssprachlich und wenig zurückhaltend, stringent und ohne störendes Beiwerk die geradlinige Geschichte in einfachen Sätzen erzählt, seine Botschaft an den Leser jedoch zwischen den Zeilen vermittelt. Ein interessantes, temporeiches Buch eines spannenden Autors!

Christian Funke-Smolka