Ken Follett - Winter der Welt (Lübbe)

Ken Follett – Winter der Welt (Lübbe)

CoverEs ist eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit der Finsternis. Aber auch der Hoffnung, die selbst das tiefste Dunkel erfüllt.

Während sich die Lage in Europa gefährlich zuspitzt, versuchen drei junge Menschen heldenhaft ihr Schicksal zu meistern: Der Engländer Lloyd Williams wird Zeuge der Machtergreifung Hitlers und entschließt sich gegen den Faschismus zu kämpfen. Die deutsche Adelige Carla von Ulrich ist entsetzt über das Unrecht, das im Namen des Volkes geschieht, und geht in den Widerstand, während die lebenshungrige Amerikanerin Daisy nur vom sozialen Aufstieg träumt – und eine bitterböse Überraschung erlebt!

Liebe und Hass, Anpassung und Widerstand bilden ein schicksalhaftes Geflecht vor dem großen Panorama des Zweiten Weltkriegs, der dramatischen Zeitenwende des zwanzigsten Jahrhunderts.

Meinung zum Buch:

Der britische Schriftsteller Ken Follett ist einer der international erfolgreichsten und umsatzstärksten Autoren der Gegenwart, der mit seinen im klassischen Stil verfassten Thrillern, die sich oftmals in einem auf Tatsachen beruhenden Umfeld abspielten zu Weltruhm kam. Zu literarischen Ehren jedoch kam er durch seine episch aufgebauten und historisch fundierten Geschichtsromane. Mit dem Buch „Die Säulen der Erde“ gelang es ihm 1990, sowohl die Leser als auch die Kritiker zu überzeugen. Es folgten weitere Romane, die sich auf gut lesbare Weise mit Geschichte auseinandersetzten und ihre Story immer dem historischen Rahmen anpasste. Aufgrund seines schriftstellerischen Geschicks und seinem cleveren Aufbau gelang es ihm auch mit seinen folgenden Veröffentlichungen, eine breite Leserschaft anzusprechen. Mittlerweile ist er der Kopf eines zwanzig Personen umfassenden Mitarbeiterstabs, dem „Follett-Office“, die sich primär mit der historischen Recherche und der persönlichen Beratung befassen, so dass es ihm gelingt, seinen für jedes neue Projekt eng gesteckten Zeitrahmen punktgenau einzuhalten.

Sein neuestes Projekt ist eine Romantrilogie, die eine akkurat recherchierte Sicht auf das welthistorische Ganze bietet. Dabei ist es sein übergeordnetes Ziel, durch die Darstellung der unterschiedlichsten Erzählperspektiven und Blickwinkel, so wie dem Jahrzehnte umfassenden Zeitrahmen dem Leser ein Interpretationsmodell der Gegenwart zu bieten. Den Beginn dieses ehrgeizigen Projekts machte er im Jahr 2010 mit seinem Roman „Sturz der Titanen“, welcher nun mit dem vorliegenden Werk Winter der Welt (Lübbe, 1024 Seiten, gebundene Ausgabe: € 29,99, Taschenbuch: € 12,99) als zweiten Teil seiner Jahrhundert-Saga fortgesetzt wird.

Ken Follett

Ken Follett

Winter der Welt ist, wie schon sein Vorgänger, ein sehr detailverliebter und äußerst komplexer Blick auf die Geschichte verschiedener Familien aus unterschiedlichen Ländern. Da sich die Verstrickungen der einzelnen Figuren und ihre familiären Verbindungen als überaus komplex und weit verästelt darstellen, findet man im Buch ein fünf Seiten langes Personenverzeichnis zur besseren Übersicht.

Der Roman beginnt im Jahr 1933 in Deutschland, wo man die Machtergreifung durch die Nazis und die hiermit verbundenen, bekannten gesellschaftlichen wie politischen Folgen miterlebt. Da Follett aber einen global übergreifenden Roman inszeniert hat, erleben wir parallel die Geschichten anderer Protagonisten in England, den USA oder Frankreich.
Wir treffen hier auf die Figuren aus dem ersten Teil und deren Nachkommen, die sich in der politisch turbulenten Zeit zwischen 1933 und 1949 zurechtfinden müssen. Gekonnt kombiniert der Autor dabei historisch belegte Momente mit fiktiven Episoden seiner Figuren, wobei es ihm gelingt, einen wachen und fesselnden Blick auf die menschlichen Schicksale dieser Zeit zu legen und auch die Zwischentöne vielschichtig aufzuzeigen.

Lübbe veröffentlicht Winter der Welt als wunderschön gestaltete, gebundene Ausgabe, welche neben einem gelungenen Covermotiv und einer hochwertigen Verarbeitung noch durch seine schönen Illustrationen von Tina Dreher zu glänzen weiß. Hier haben wir eine Veröffentlichung, die deutlich macht, warum ich es persönlich schöner finde, ein Buch in der Hand zu halten als eine digitale Version (auch wenn man bei dem Umfang dieses Buches irgendwann einen lahmen Lese-Arm bekommt).

Ken Follett zeigt sich erneut als technisch versierter und cleverer Geschichtenerzähler, dem es gelingt, seine Story sowohl perfekt recherchiert als auch extrem fesselnd und gut verständlich zu erzählen. Da er versucht, alle denkbaren Sichtweisen zu berücksichtigen und seine Figuren dazu stark ausgearbeitet sind und somit authentisch wirken, bietet er eine spannende und faszinierend unterhaltsame Geschichtsstunde. Winter der Welt ist eindringlich und äußerst lebendig geschrieben man hat als Leser das Gefühl, die Geschichte mitzuerleben und gewinnt somit einen tiefgehenden und beinahe greifbaren Blick in das wohl dunkelste Kapitel des letzten Jahrhunderts.

Verlags-Homepage

Christian Funke-Smolka