Kevin Wignall - Das Flüstern des Todes  (Heyne)

Kevin Wignall – Das Flüstern des Todes (Heyne)

Wenn die Angst dich packt …

Ella ist ein ganz normales junges, lebenslustiges Mädchen. Auf einem Italien-Trip verbringt sie unbeschwerte Tage. Doch dann ändert sich ihr Leben schlagartig. Vor Ellas Augen erschießt ein Mann auf offener Straße eiskalt zwei Passanten. Ella weiß nicht, wie ihr geschieht, als der Mörder sie zwingt, mit ihm zu kommen. Schnell stellt sich heraus, dass der Fremde den Auftrag hat, sie zu beschützen. Ella weiß nicht, wer ihre Verfolger sind, aber sie weiß, dass sie dem Killer vertrauen muss, um zu überleben … koste es, was es wolle. Für beide beginnt eine tödliche Reise, nach der nichts mehr so sein wird wie zuvor.

Kevin Wignall wurde in Herentals, Belgien geboren. Bis zum Alter von neun Jahren lebte er dort als Armeekind, bevor er mit seinen Eltern in eine Kleinstadt im Westen Englands zog. Er studierte Politik und Internationale Beziehungen. Seit einigen Jahren ist er Romanautor. Für Die letzte Wahrheit wurde er 2008 sowohl für den Edgar Award als auch für den Barry Award nominiert.

Meinung zum Buch:

Das Fluestern des Todes von Kevin WignallViele aktuelle Thriller-Autoren scheinen der Meinung zu sein, dass es das Merkmal eines guten Psycho-Thrillers ist, diesen möglichst komplex und verschachtelt zu gestalten. Dies hat sich mittlerweile auch so in den Köpfen der Leser verankert (wenigstens in meinem), dass man einen Krimi als etwas simpel empfindet, wenn die Geschichte dieses Schema nicht bedient. Damit tut man aber oftmals bei genauer Betrachtung der Story und ihrem Autor Unrecht.

Der mittlerweile in England beheimatete Belgier Kevin Wignall versucht gar nicht erst, seine Geschichte unnötig zu verkomplizieren, sondern erzählt sie straight, geradlinig und auf den Punkt genau! Das Flüstern des Todes (For The Dogs, geschrieben im Jahr 2004) ist dabei ein waschechter Thriller, der sich mit den Themen Rache, Sühne und der eigenen persönlichen Veränderung beschäftigt.

Die Protagonistin Ella, Tochter eines wohlhabenden und einflussreichen Vaters, gerät unerwartet in eine lebensbedrohliche Situation, die ihr gesamtes Leben verändert. Plötzlich muss sie sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass jemand nach ihrem Leben trachtet, der auch schon ihre Familie während ihrer Italien-Reise ermorden ließ. Die einzige Person, der sie bedingungslos vertrauen kann, ist genau die Person, vor der sie eigentlich die größte Angst hat, nämlich der gnadenlose Profikiller Lucas, der plötzlich die Verantwortung über ihr Leben zu übernehmen scheint. Doch die Erlebnisse gehen nicht ohne eine persönliche Veränderung an dem Mädchen vorbei und sie muss lernen, sich dieser Situation zu stellen und mit ihnr zu leben.

Kevin Wignallgelingt es in seinem Roman, sich an den Klassikern des Genres zu orientieren und erinnert dabei in seiner Schilderung des Killers frappierend an die Figuren, die einem Clint Eastwood ähneln. Still und zurückgezogen versucht Lucas, sich seiner Vergangenheit zu stellen, die sich im weiteren Verlauf der Handlung für den Leser immer deutlicher herauskristallisiert.

Kevin Wignall

Kevin Wignall

Auch wenn die Entwicklung der Figur der Ella etwas zu intensiv erscheint, ist doch auch diese in ihrer kompromisslosen Weise Teil des temporeichen und rasanten Handlungskonstrukts, welches Das Flüstern des Todes zu einem kurzweiligen und flüssig lesbaren Lesevergnügen macht. Der Roman wirkt an manchen Stellen zwar etwas unausgegoren,ist aber hervorragend als rasante und spannende Lektüre für zwischendurch geeignet.

Christian Funke-Smolka