Lauren Beukes: Shining Girls (rowohlt POLARIS)

Lauren Beukes: Shining Girls (rowohlt POLARIS)

Ein Mörder aus der Vergangenheit.
Das Mädchen, das ihm entkam.
Eine Jagd, die längst vorbei ist. Und doch erst beginnt…

Chicago zur Zeit der Großen Depression. Harper Curtis lebt auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Seit er die strahlend schöne Tänzerin Jeanette sah, träumt er von seinen «Shining Girls». Er will nur eines: ihr Licht für immer auslöschen. Eines Tages fällt ihm der Schlüssel zu einem alten Haus in die Hände – ein Portal. Von nun an reist Harper durch dieCover Zeit, um zu töten. Niemand kann ihn stoppen, keiner vermag die Spuren zu deuten, die er am Tatort hinterlässt. Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Doch dann überlebt eines von Harpers Opfern. Der jungen Kirby gelingt es, die unmöglichen Puzzleteile zusammenzusetzen. Und sie beginnt, den Killer durch die Zeit zu jagen.

Die Autorin begeisterte mit ihren ersten beiden Romanen «Zoo City» und «Moxyland» das Feuilleton im englischsprachigen Ausland und gewann einen der beiden renommiertesten internationalen Sci-Fi- Literaturpreise – den Arthur C. Clark Prize – für ihr Werk. Lauren Beukes wurde 1976 in Johannesburg, Südafrika, geboren. Sie arbeitet als Autorin und Journalistin und schreibt Drehbücher. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Kapstadt.

Meinung zum Buch:

Harper Curtis begeht im Jahr 1931 einen Mord. Auf seiner Flucht gelangt er zufällig in ein geheimnisvolles Haus, welches ihm die Möglichkeit bietet, in der Zeit hin- und her zu springen. So reist er zwischen den Jahren 1929 bis 1993 durch Raum und Zeit, was ihm als Serienmörder natürlich ungeahnten Handlungsmöglichkeiten bietet. Sein bevorzugter Opfertypus sind clevere und selbstbewusste junge Frauen. Auch die junge Kirby Mazrachi gerät in seine Hände, wie durch ein Wunder überlebt sie jedoch und setzt nun alles daran, den Täter zu finden. Unterstützung erhält sie bei ihrer unglaublichen (Zeit-)Reise von dem Journalisten Dan.

Die Story von Shining Girls klingt für mich als Zeitreise-Fan hochinteressant. Auch die Verknüpfung von Thriller und Science Fiction- Elementen ist sowohl spannend als auch größtenteils von der Autorin Lauren Beukes geschickt und gut geschrieben umgesetzt. Hier war es ihrer Aussage nach der für sie wichtigste Punkt, die Logik bei dieser eigentlich abstrusen Grundidee aufrecht zu erhalten. Was aber leider nicht perfekt ist an diesem Roman, ist die Charakterzeichnung ihrer Figuren. Denn sowohl ihre Hauptfiguren als auch die immer sehr sorgsam eingeführten Opfer werden ohne eine emotionale Tiefe beschrieben. Dies ist schade, da so dass Mitfiebern um die Personen auf ein Minimum reduziert wird. Traurig, denn die Autorin hat eine unglaublich intensive Recherche betrieben, dass jeweilige Lebensgefühl der Opfer in ihrer jeweiligen Zeitepoche zu analysieren und geschickt in die Handlung einzubauen. Da wird anschaulich beschrieben, wie das Leben einer Person in der jeweiligen Epoche aussieht, man fühlt und fiebert mit und SCHWUPPS, sie endet zwei Seiten später als Opfername an der Wand. Das ist schade, da sich die Autorin bei ihrem Zeitreisenden „Schweigen der Lämmer“ Thriller vs. Phantastik/SF-Roman extrem viel Mühe gegeben hat. Aber das mag vielleicht auch nur meine persönliche Pingeligkeit sein, da ich auf Charakterentwicklung und eine emotionale Bindung zu den Figuren sehr viel Wert lege (schließlich verbringe ich während der Lektüre Stunden mit ihnen), denn den Erfolg des Romans hat das nicht beeinflusst. In Großbritannien wurde das Buch über 100.000 Mal verkauft, stand lange Zeit auf den Bestsellerlisten und die Filmrechte wurden mittlerweile erfolgreich vergeben.

Lauren Beukes © by Gareth Hall

Lauren Beukes
© by Gareth Hall

Shining Girls erscheint bei rowohlt POLARIS (400 Seiten, €14,99) als großformatiges Softcover mit einem stimmungsvollen und ansprechend gestalteten Cover-Artwork als Klappenbroschur.

Lauren Beukes gelingt es in ihrem neusten Roman Shining Girls viele Ideen geschickt in einen genresprengenden Roman unterzubringen. Ihr solider Stil ist dabei gut lesbar, jedoch gelingt es ihr nicht immer, eine emotionale Bindung zu ihren Figuren spürbar werden zu lassen. Zudem hat man stellenweise das Gefühl, dass etwas weniger an Wendungen und Ideen deutlich mehr gewesen wäre. Trotz dieser Punkte bleibt Shining Girls ein interessanter Genrebeitrag, der eine spannende Grundidee kreativ ausarbeitet und auf den Zeitreise-Thriller-Fans unbedingt einen Blick werfen sollte.

Christian Funke-Smolka