Lee Child: Underground - Ein Jack Reacher - Roman  (Blanvalet)

Lee Child: Underground – Ein Jack Reacher – Roman (Blanvalet)

Jede Zeit hat ihre Thriller-Helden. Wimmelte es lange in diesem Genre von depressiven, Alkohol- oder Tablettenabhängigen Ermittlern mit einem Sack voll persönlicher Probleme, so ist die hier beschriebene Titelfigur aus der Feder von Lee Child das komplette Gegenteil.

Jack Reacher ist quasi die literarische Version der 24 – Serienhelden Jack Bauer oder Jason Bourne in der gleichnamigen Reihe, und setzt sich in seinen Geschichten mit eisernem Willen, seiner Intelligenz und seiner ganzen Kraft für die Rechte der Schwächeren und Benachteiligten ein.
Seit seinem Ausstieg aus einer Spezialeinheit der Militärpolizei de U.S. Army, wo er als Major für die Aufklärung interner Verbrechen zuständig war, ist er als Einzelgänger alleine unterwegs, ohne jeglichen familiären Kontakt oder eine längere Beziehung, geschweige denn einem festen Wohnsitz. Seine einzigen mitgeführten Gegenstände sind seine Kreditkarte, sein Ausweis und eine Zahnbürste.
Neben seinen positiven hat er jedoch auch eine Menge negativer Attribute, wie zum Beispiel seine unglaubliche Sturheit und den Willen, sich überall einzumischen und mit jedem, der ihm hier im Weg steht, anzulegen. Charakterzüge, die ihm schon so einigen Ärger eingebrockt haben.
In der vorliegenden Geschichte Underground (im Original: Gone Tomorrow, 2009) wird Reacher eines Nachts Zeuge eines vermeintlichen Selbstmordes einer jungen Frau. Versehentlich hielt er sie auf Grund der untrüglichen Anzeichen in ihrer Körpersprache für eine Selbstmordattentäterin, als er sie jedoch anspricht, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen, erschießt sie sich vor seinen Augen.
Bei seiner anschließenden Vernehmung durch das New York Police Department dämmert ihm schon, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann, als er jedoch kurze Zeit später vom angeblichen US-Geheimdienst angesprochen wird, ist ihm klar, dass mit der toten Staatsbeamtin Susan Mark und ihrer Geschichte etwas nicht stimmt. Warum hatte sie solche Angst, dass sie sich in einer U-Bahn erschoss? Wer war hinter ihr her und welches Geheimnis hütete sie? Seine Recherchen führen ihn immer tiefer in einen Sumpf aus Politik, Korruption und sorgfältig gehüteten alten Geheimnissen. Ein klassischer Fall für Jack Reacher!

Lee Child ist das Pseudonym für den 1954 in England geborenen Jim Grant. Da er sich trotz abgeschlossenem Jurastudium immer der Kunst hingezogen fühlte, arbeitete er erst an einem Theater, später als Produzent bei Granada Televison in Manchester, und war dort für TV-Highlights wie zum Beispiel „Prime Suspect“ oder „Für alle Fälle Fitz“verantwortlich. Als er hier auf Grund von

Lee Child

Umstrukturierungsmaßnahmen seinen Job nach knapp 20 Jahren verlor, begann er Mitte der 90er Jahre Geschichten zu verfassen. Seitdem schreibt er Romane um seine Figur Jack Reacher, und kann mit Underground (Blanvalet, gebundene Ausgabe, 448 Seiten, € 19,99) mittlerweile das dreizehnte Abenteuer des ehemaligen Militärpolizisten mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl vorweisen.
Auch hier ist er seinem Stilmittel, dem präzisen und äußerst knappen Satzbau treu geblieben, auch wenn sich sein Schreibstil in den letzten Jahren etwas gemildert hat, und dadurch ein wenig flüssiger lesbar ist, als dies noch in den ersten Romanen der Fall war. Man merkt aber immer noch deutlich die Erfahrung des Autors mit knapp formulierten aber überaus pointierten und inhaltsstarken Texten und der Konzentration auf das eindeutige und wesentliche der Werbe- und Medianbranche. Hier ist kein Wort zu viel und kein Satz einfaches Füllmaterial, vermittelt dabei aber ein Maximum an Information.

Underground ist ein überaus spannendes, fesselndes und sehr temporeiches Buch, welches in einer bildhaften, visualisierenden Sprache sehr detailliert beschreibt und dabei den Blick des Lesers auf das Wesentliche lenkt. Darüberhinaus erlaubt es dem Leser einen sehr informativen Einblick in das Leben und die Arbeits- und Denkweise Jack Reachers, welche viele Informationen auch für den Laien verständlich vermittelt.
Ein guter sprachlicher Stil, eine spannende Geschichte und einen lakonischen Helden mit Hang zum Sarkasmus machen auch dieses Jack Reacher – Buch zu einem echten Genuss für Fans und solche, die es werden wollen!

Christian Funke-Smolka