Lotte & Søren Hammer - Das weisse Grab (Droemer)

Lotte & Søren Hammer – Das weisse Grab (Droemer)

Die Frau im Eis trug nichts außer Unterwäsche – und einer Plastiktüte über dem Kopf. In ihrem kalten Grab war Schmelzwasser zusammengelaufen. …
51QVce26eGL._SL500_AA300_Kriminalhauptkommissar Konrad Simonsen ist mit seinen Kräften am Ende, als ein spektakulärer Mordfall auf Grönland seine komplette Aufmerksamkeit fordert. Erst vor kurzem ist bei ihm Diabetes diagnostiziert worden. Besorgt sehen Simonsens Team und seine Lebensgefährtin Nathalie von Rosen mit an, wie er völlig erschöpft die Ermittlungen aufnimmt. Zudem erschüttert der Fall die Polizisten zutiefst: Ein perfider Killer hat vor vielen Jahren sein Opfer im Inlandeis vergraben. Die Klimaerwärmung hat nun die Leiche zutage gebracht. Schnell wird klar, dass der Fund auf Grönland mit einer Mordserie in Dänemark zusammenhängt. Als Simonsen erkennt, dass er vor Jahren einen fatalen Ermittlungsfehler begangen hat, der seine Kollegin Pauline nun in die Gewalt des Serienkillers führt, greift der geniale Ermittler zu drastischen Mitteln …
Søren Hammer lebt in Frederiksvaerk. Er ist Volkshochschullehrer für Mathematik, Dänisch und Englisch. Früher unterrichtete er an einer technischen Schule.
Lotte Hammer lebt ebenfalls in Frederiksvaerk und ist ausgebildete OP-Krankenschwester. Bevor sie mit dem Schreiben anfing, arbeitete sie als Krankenschwester in Griechenland, Deutschland, Grönland und sogar auf einer Bohrinsel.

Meinung zum Buch:

Nordische Krimis haben ihren ganz eigenen Reiz und genießen zu Recht einen ausgesprochen guten Ruf unter den Freunden anspruchsvoller Krimiunterhaltung. Søren & Lotte Hammer festigen diesen Ruf mit ihrer zweiten Veröffentlichung namens Das weiße Grab, bieten die beiden Dänen doch nach ihrem Debüt „Schweinehunde“ erneut eine durchgehend spannende Geschichte mit einem faszinierenden und die Ermittlungen beeinflussenden Setting und gut ausgearbeiteten Protagonisten, die einem beinahe greifbar erscheinen, da sie so viele nachvollziehbare Charaktereigenschaften besitzen.

Das weiße Grabist ein weiterer Fall für den aus dem Vorgängerroman bekannten Kommissar Konrad Simonsen und seinem Ermittlerteam. Die Autoren gehen in ihrem Roman den eher ungewöhnlichen aber faszinierenden Weg, den Täter relativ schnell in den Fokus zu stellen, um dann den Blick auf seine Vergangenheit zu richten und gleichzeitig die schwierigen Ermittlungen in dieser ungewöhnlichen Umgebung des ewigen Eises zu beschreiben. Auch wenn man als Leser durch diesen Schritt einen etwas anderen Zugang zu dem Thriller bekommt, ist die Spannung dank der bildhaften Beschreibungen und dem inhaltlich guten Niveau auf einem konstant hohen Level.

Lotte & Søren Hammer

Lotte & Søren Hammer

Es ist zwar mittlerweile auffällig, dass anscheinend alle literarischen Kriminal-Ermittler entweder krank oder psychisch labil sein müssen, dies macht sie dem Leser aber im Lauf der Geschichte irgendwie fassbarer, lässt sie realistischer wirken. Auch Kommissar Konrad Simonsen muss sich hier mit einer Erkrankung, einer erst kürzlich diagnostizierten Diabetes, auseinandersetzen. Das erinnert an einigen Stellen an Mankells Wallander, fügt sich aber gut in die Handlung ein, ohne zu dominant in den Vordergrund zu rücken.
Einen großen Raum jedoch gibt man der politischen Geschichte Grönlands zu Zeiten des Kalten Krieges, denn (ohne zu viel verraten zu wollen) die Handlung entwickelt sich in eine Richtung, die überraschend ist. Dadurch hat die Story, die durch ihre teils ausschweifenden und immer sehr detaillierten und bildhaften Umschreibungen sehr plastisch erscheint, einen ziemlich hohen Suchtfaktor.

Søren & Lotte Hammer präsentieren mit Das weiße Grab (Droemer, 512 Seiten, gebundene Ausgabe) einen faszinierenden, überaus spannenden und kurzweiligen zweiten Fall für Kommissar Konrad Simonsen, der inhaltlich fesselnd ein wunderbarer Mix aus Polit- und Psychothriller ist und jeden Freund guter Krimikost begeistern dürfte.

Christian Funke-Smolka