Lyndsay Faye: Der Teufel von New York (dtv Premium)

Lyndsay Faye: Der Teufel von New York (dtv Premium)

Blut, Feuer und Schwefel

CoverNew York 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Auch Timothy Wilde gehört dazu – gegen seinen Willen. Bei einem Brand wurden seine Zukunftspläne zerstört, sodass er jetzt jede Arbeit annehmen muss, die sich bietet. Eines Tages läuft ihm ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme, bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Sie will oder kann nicht sagen, wer sie ist. Da sie selbst körperlich unverletzt ist, muss das Blut von einer anderen Person stammen. Kurz darauf findet Tim auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen. Es kursieren die wildesten Gerüchte, und die politische Situation ist bis zum Zerreißen angespannt…

Lyndsay Faye wuchs im Pazifischen Nordwesten auf und studierte Englisch und Performance in Belmont, Kalifornien. Lyndsay Faye arbeitete einige Jahre als Schauspielerin bevor sie 2005 nach New York zog und mit dem Schreiben begann. Ihr Roman ›Der Teufel von New York‹, der erste einer Serie um Timothy Wilde, wurde für den Edgar Award 2013 (Kategorie Best Novel) nominiert und ein internationaler Erfolg. Lyndsay Faye lebt mit ihrem Mann nördlich von Harlem.

Meinung zum Buch:

Wir befinden uns im New York des Jahres 1845. Die Stadt ist ein schmutziger Sündenpfuhl, korrupt und kriminell. Die Bevölkerung ist in der Regel sehr arm, Vorurteile den einwandernden Iren gegenüber führen dabei zu einem Anstieg der Gewalt in den Straßen. Die Politik erkennt die Notwendigkeit, dass etwas verändert werden muss und gründet eine Polizeieinheit, die auf den Straßen für Ordnung sorgen soll. Unter ihnen befindet sich der ehemalige Barkeeper Timothy Wilde, der nach einer Feuerkatastrophe alles verlor und nun, dank seines einflussreichen Bruders und seiner herausragenden Menschenkenntnisse, hier eine Arbeitsstelle bekommen hat. Doch direkt sein erster Fall führt ihn direkt in die Abgründe menschlichen Handelns. Denn das Aufeinandertreffen mit einem kleinen, blutbeschmierten Mädchen ist der Anfang einer Reihe um grausame Kindermorde. Doch die Spur führt nicht nur in New Yorks Bordelle, sondern es scheint, dass ein Wahnsinniger unterwegs ist, der die Stadt vom Übel des Katholizismus befreien möchte.

Lyndsay Faye ©Gabriel Lehner

Lyndsay Faye
©Gabriel Lehner

Aus der Sicht der Hauptperson beschreibend, entführt uns die Autorin Lyndsay Faye in ihrem zweiten Roman, dem Auftakt einer Reihe um den Polizisten Wilde, in die schmutzige und kriminell-gewalttätige Welt des Amerikas im 19. Jahrhundert. Sprachlich auf einem sehr hohen, bildgewaltig-prosaischen Niveau merkt man sehr schnell, wie intensiv die Autorin für ihre Geschichte recherchiert hat. Denn nicht nur zeichnet sie ein authentisches Bild der Lebensumstände dieser Zeit, sie nutzt auch noch die gebräuchlichen Slang-Begriffe der einfachen Bevölkerung. Dies irritiert zu Beginn, doch im weiteren Verlauf bekommt man ein immer besser werdendes Gespür für die verwendete Sprache, so dass man schnell in die sehr intensive Atmosphäre gezogen wird.

Der Teufel von New York ist der erste von bisher zwei Romanen mit dem Polizisten Timothy Wilde und erscheint bei dtv PREMIUM (478 Seiten, €15,90) als großformatiges Softcover mit einer ansprechend gestalteten Klappenbroschur. Das atmosphärisch sehr gelungene Covermotiv bietet eine gute visuelle Umsetzung der Grundstimmung des historischen Romans. Im Anhang befindet sich neben einer Nachbemerkung der Übersetzerin Michaela Meßner ein kleines Glossar der Gaunersprache des New Yorks um 1845.

Mit Der Teufel von New York präsentiert Lyndsay Faye einen fulminanten Auftakt ihrer historischen Reihe um den New Yorker Polizisten Timothy Wilde. Prosaisch und bildgewaltig erzählt sie eine Geschichte über die Gründung einer staatsgebundenen Ordnungsmacht, die authentisch über das Leben in den schmutzigsten Gassen bis zu den höchsten Würdenträgern der Stadt berichtet und dabei eine sowohl fesselnde wie dichte Atmosphäre kreiert. Neben der extrem intensiven und spannenden Unterhaltung erfährt man viele interessante Details über das Leben in New York knapp 70 Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Für Fans spannender (historischer) Krimiliteratur ganz klar zu empfehlen!

Christian Funke-Smolka