Marc Elsberg - Blackout – Morgen ist es zu spät (Blanvalet)

Marc Elsberg – Blackout – Morgen ist es zu spät (Blanvalet)

Die These, dass wir uns mit jedem weiteren technischen Fortschritt von einer Überlebensfähigkeit entfernen, belegt auf beeindruckende und nachdenklich stimmende Weise das hier vorliegende Buch Blackout – Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg.
Denn hier geht es nicht um ausbrechende Vulkane oder die drohende Eiszeit, sondern der Autor greift die allgemeine Terror-Angst auf, und beschreibt, was passieren kann, wenn unsere geschätzte Technologie plötzlich in den falschen Händen gegen uns gewendet werden kann.

Die Geschichte spielt im Spätwinter bei großer Kälte, als in Europa die Stromnetze zusammenbrechen. Als sich die Kraftwerke abschalten, herrscht der absolute Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen terroristischen Hackerangriff, und versucht den Kontakt zu den zuständigen Behörden aufzubauen. Allerdings gestaltet sich dieses Unterfangen schwieriger als gedacht. Denn plötzlich gerät er selbst in die Schusslinie. Man entdeckt bei ihm belastendes, für ihn unbekanntes Material, und nur mit der Unterstützung von Europol-Kommissar Bollard gelingt es ihm, nützliche Informationen zu bekommen, und etwas Licht in die Geschichte zu bringen. Denn die Nachforschungen zeigen, dass der Gegner gnadenloser ist, als gedacht.

Autor Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren, und war Kolumnist einer österreichischen Tageszeitung. Außerdem ist er Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien.
Mit dem vorliegenden Roman Blackout – Morgen ist es zu spät legt er ein 800 Seiten schweres Zukunftsszenario vor, welches in ihrer realistischen Brisanz erschreckt. Auch wenn die Geschichte fiktional ist, beweist er durch seine intensive Recherche, wie nah wir mit unserer vernetzten Gesellschaft in die Abhängigkeit eines Kreislaufes gerutscht sind, bei dem es nur einiger kleiner Defekte bedarf, um dieses System kollabieren zu lassen. Das Paradoxon, auf der einen Seite nach Energieeffizienz und Energiesparen zu rufen, um dann auf der anderen Seite immer mehr technische Hilfsmittel im Alltag zu nutzen, zeigt, wie weit wir uns von einem unabhängigen Leben entfernt haben. Mangelhafte Sicherheitsstandards und ein fehlender Überblick der Verantwortlichen beweist, dass wir als Gesellschaft bei einem Ernstfall, wie er in Blackout beschrieben wird, ziemlich unvorbereitet und hilflos wären.

Marc Elsberggelingt das, was mir letztmalig bei Schätzings Der Schwarm passierte. Ich wollte einen spannenden Thriller lesen, und mir wurde neben einer unglaublich fesselnden und hervorragend recherchierte Geschichte noch quasi nebenbei ein Denkanstoß gegeben.

Marc Elsberg

Blackout – Morgen ist es zu spät ist ein Thriller, der den Leser von der ersten Seite an packt, und dann über 800 Seiten lang nicht mehr loslässt. Er behandelt ein interessantes, da sehr aktuelles und brisantes Thema, und zeigt deutlich und drastisch auf, was passieren kann, wenn der worst case eintreten würde. Die Geschichte wird dabei realistisch geschildert, der Stil bleibt sachlich und analytisch, so dass man als Leser von einer beinahe dokumentarischen Erzählung gefesselt wird. Klare, gut verständliche Sätze und kurze Kapitel treiben das Tempo nach vorne, und gönnen dem Leser kaum eine Pause.

Blackout – Morgen ist es zu spät ist für mich die Entdeckung des Monats, da ein realistisches Szenario erschreckender ist, als jede fiktionale Apokalypse! Ein wirklich spannendes und dabei interessantes und überaus lehrreiches Buch!

Christian Funke-Smolka