Mark Lawrence:   Prinz der Dunkelheit & König der Dunkelheit (Heyne)

Mark Lawrence: Prinz der Dunkelheit & König der Dunkelheit (Heyne)

Prinz der Dunkelheit:

Sag uns kPrinz der Dunkelheit von Mark Lawrenceurz, wie du heißt.
Jorg. Eigentlich Kronprinz Jorg von Ankrath, aber das war einmal.
Du siehst jung aus. Wie alt bist du, fünfzehn?
Knapp daneben. Mit fünfzehn werde ich König sein!
Du bist die meistgehasste Person im ganzen Land. Warum?
Nun ja, wenn man mit einer Horde Gesetzloser ganze Dörfer niederbrennt, löst das Unmut aus. Aber was würdest du tun, wenn die Königin, also deine Mutter, und dein Bruder vor deinen Augen getötet werden? Dieser Hass ist erst der Vorgeschmack auf meine Rache – denn die wird tödlich sein!

König der Dunkelheit:

Nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter und seines Bruders hatte Prinz Jorg von Ankrath blutige Rache geschworen. Nun ist er König, doch der Krieg ist für ihn noch lange nicht zu Ende, denn eine gewaltige Armee marschiert auf sein Reich zu – angeführt von einem scheinbar unbesiegbaren Krieger. Jeder gute König wäre wohlberaten, die Waffen zu strecken und das Knie vor diesem Krieger zu beugen, und sei es nur, um das Leben des eigenen Volkes zu schützen. Doch Jorg ist kein guter König…

Wenn er nicht gerade schreibt, arbeitet Mark Lawrence als Wissenschaftler, der sich hauptsächlich mit der Erforschung künstlicher Intelligenz beschäftigt. Der Autor lebt mit seiner Frau und ihren gemeinsamen vier Kindern in England.

Meinung zu den Büchern:

Der britische Autor Mark Lawrence legt mit seinem Protagonisten Jorg von Ankrath eine eher untypische Romanfigur vor. Nachdem dieser mit knapp neun Jahren, unentdeckt in einem Dornenbusch, miterleben musste, wie sein Bruder William und seine Mutter vor seinen Augen durch die Hände der Männer des Grafen Renars niedergemetzelt wurden, sinnt er darauf, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Sein Ziel: blutige und unerbittliche Rache!!!koenig_der_dunkelheit
Er arbeitet die nächsten fünf Jahre an diesem Plan, so dass es ihm mit 14 Jahren gelingt, eine Gruppe von Wegelagerern anzuführen, mit denen „Jorgy“, wie er sich selber gerne nennt, mordend, plündernd und brandschatzend durch die Lande zieht. Dinge eben, die man als 14 jähriger so macht…

Als Leser begleitet man „Jorgy“ auf seinem Weg, wobei es einem schwerfällt, positive Gefühle für ihn zu entwickeln. Denn wer hat schon gerne einen Mörder und Vergewaltiger als sympathietragende Hauptfigur? Insofern wird man die beiden vorliegenden Bücher Prinz der Dunkelheit (Heyne, 381 Seiten, €13,00) und König der Dunkelheit (Heyne, 608 Seiten, € 13,99) entweder ablehnen, oder sich auf die im weiteren Verlauf als sehr vielschichtig entpuppende Story und ihre Hauptfigur einlassen und fasziniert sein von dieser irgendwie fremdartigen und doch so bekannten Welt, die der Autor hier beschreibt. Denn eines wird recht schnell klar: mit der hier beschriebenen Welt stimmt etwas nicht! Denn trotz des der Beschreibung Glauben machenden Mittelalters kennen die Protagonisten Nitzsche, Platon, oder die Geschichten um Robin Hood. Anscheinend befinden sich Jorgy und seine Gefährten in einem England der Postapokalypse und man trifft in einer Welt der mittelalterlichen Gebräuche immer wieder auf Relikte der längst vergangenen, technisch wesentlich weiter entwickelten Vergangenheit.

Autor Mark Lawrenceerzählt seine Geschichte um den wahnsinnigen und kaltblütigen Jungen in einer lyrischen, teils poetischen aber immer in ihrer Klarheit und Bildhaftigkeit brillanten Sprache, der es jedoch teilweise nicht gelingt, die vielen Ideen, die der Autor hat, strukturiert auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Dadurch verliert die Story einiges an Glaubwürdigkeit, wird in ihren Zeitsprüngen teils unübersichtlich und lässt einen emotional nur sehr schwer an die Figuren heran. Denn um sich auf die Hauptfigur einzulassen, die in ihren Stimmungen sprung- und wechselhaft ist, dabei mal nachdenklich, mal völlig unkontrolliert sadistisch agiert, gehört seitens des Lesers schon eine große Menge Empathie. Die sie umgebenden Charaktere jedoch sind sehr beliebig in ihrer Beschreibung und werden eben so willkürlich den Launen Jorgys geopfert.

Mark Lawrence

Mark Lawrence

Man muss sich auf die tempo- und actionreiche Fantasy-Geschichte einlassen, ihr die Zeit geben, sich zu entwickeln, damit man als Leser in die Welt von Mark Lawrence eintauchen kann. Trotzdem hatte ich an manchen Stellen meine Probleme, diese beschriebenen Handlungen in ihrer unglaublichen Kaltblütigkeit mit einem Heranwachsenden in Verbindung zu bringen. Wenn man diesen Aspekt jedoch außen vor lässt, erlebt man eine wunderbar beschriebene, episch ausgebaute Welt, die sowohl verwirrt als auch fasziniert.

Verlags-Seite

Christian Funke-Smolka