Martin Krist - Die Mädchenwiese  (Ullstein)

Martin Krist – Die Mädchenwiese (Ullstein)

Ein kleiner Ort namens Finkenwerda im Spreewald, wo jeder noch jeden kennt und man sich gegenseitig vertraut. Aber auch ein Dorf, wo es Geheimnisse gibt, und das Grauen gut versteckt im Hintergrund schlummert.
Der Roman Die Mädchenwiese von Martin Krist entführt den Leser genau hierhin, und macht uns bekannt mit dem ehemaligen Polizisten Alex Lindner. Dieser war Polizist in Berlin, als ihm bei der Jagd auf einen gefährlichen Mädchenmörder, den alle „Die Bestie“ nannten, ein schwerer Fehler unterlief. Er wurde vom Dienst suspendiert und übernahm daraufhin in Finkenwerda die Dorfkneipe seiner Eltern.
Außerdem lebt dort sehr zurückgezogen die von den Dorfbewohnern als verrückt empfundene alte Berta, die oft spät abends durch die Wälder streift und ein lange zurückliegendes, düsteres Geheimnis hat.
Als plötzlich das junge Mädchen Lisa Theis spurlos verschwindet, ahnt Lindner das Schlimmste, als jedoch im Wald Mädchenleichen gefunden werden, ist er sich sicher: das Muster scheint auf einen für ihn alten, aber schrecklichen Bekannten zu deuten: Die Bestie!

Die Mädchenwiese (Ullstein, 416 Seiten) von Autor Martin Krist ist ein sehr spannender Thriller, der schon durch seine gelungene Titelbild-Gestaltung ein echter Hingucker ist. In dunklen Blautönen gehalten sieht man mehrere an Fäden zu einem Mobile aufgeknüpfte Schmetterlinge. Ein Covermotiv im Prägedruck, welches schon optisch hervorragend auf den Inhalt einstimmt.

Martin Krist

Im Aufbau merkt man dem Buch die stringente Struktur an, die die Story und ihre Charakterentwicklung klar und zielgerichtet erscheinen lässt (auch wenn einige der Protagonisten sich zum Haare raufen verhalten), auch wenn die Geschichte selber immer wieder etwas verwirrende Haken schlägt, Perspektiven und Erzählebenen wechselt, und (teils sehr) kurze Abschnitte jeweils mit einem Cliffhanger enden lässt. Dies empfand ich als etwas zwiespältig, da ich auf der einen Seite manchmal gerne längere Abschnitte gelesen hätte, auf der anderen Seite jedoch mich dem vom Autor eingeschlagenen, sehr hohen Erzähltempo nicht entziehen konnte. Ein Buch, welches Spannung, Atmosphäre und Grusel hervorragend zu kombinieren weiß!

Martin Krist ist eines der Pseudonyme des Autors Marcel Feige (Jahrgang 1971) Autor diverser Sachbücher und Biografien (zum Beispiel über Nina Hagen oder Kurt Cobain, aber auch Sachbücher über die Geschichte der Tätowierung in Deutschland oder der Techno-Szene), der seit 2001 in Berlin lebt, und seit 2005 Krimis und Thriller schreibt. Deutlich spürbar ist sein Talent, Stimmungen durch detaillierte und bildhafte Beschreibungen zu kreieren, und damit seine Leserschaft atmosphärisch zu fesseln. Die von ihm genannten literarischen Einflüsse sind gut gewählt, und schlagen sich in der Form seiner Geschichten wider. Drastisch wie Roger Smith, sprachgewandt wie Don Winslow und das Grauen in dem normalen Alltag aufzeigend wie Stephen King muss man als Leser gute Nerven mitbringen, um sich in die Welt von Martin Krist zu begeben. Wer sich aber darauf einlässt, wird mit einer spannenden, gut durchdachten und abwechslungsreich-atmosphärischen Geschichte belohnt!

Buchtrailer

Christian Funke-Smolka