Max Bentow - Der Federmann

Max Bentow – Der Federmann

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Schrei doch, dachte er, schrei…

Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord – wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Trojan hofft, durch die kleine Tochter der Ermordeten einen Hinweis zu bekommen, doch dann verschwindet das Mädchen von einem Tag auf den anderen. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.

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Max Bentow

Max Bentow legt mit seinem Roman Der Federmann (broschierte Ausgabe bei Page & Turner, Taschenbuch bei Goldmann, 384 Seiten) nach zahlreichen, teils preisgekrönten Bühnenstücken sein Debüt als Thrillerautor vor. Nach einer längeren Planungsphase gelang es ihm mit seiner Figur des Berliner Kommissars Nils Trojan, einen Charakter mit Ecken und Kanten zu kreieren. Der Anfang vierzigjährige Trojan hat aufgrund seines Berufs, den er schon geraume Zeit ausübt, so manche Gräueltat zu Gesicht bekommen. Dies bleibt bei ihm nicht ohne Folgen, so dass er sich, mittlerweile geschieden, wegen seiner Panikattacken und seiner Schlafprobleme in psychotherapeutischer Behandlung befindet. Auch sein neuer Fall, die Jagd auf den in Serie mordenden sogenannten „Federmann“, wird an diesem eher angeschlagenen psychischen Gesundheitszustand nicht viel ändern.

Bentow merkt man seine berufliche Vergangenheit deutlich an. Ganz im Stil seiner Bühnenstücke konzentriert er sich in seinem Roman auf das Wesentliche und transportiert viele Informationen über seine zahlreichen, teils ausschweifenden Dialoge. Der Fokus liegt dabei auf seine Hauptfigur, die im Großen und Ganzen gut konzipiert erscheint, jedoch aus meiner Sicht zu oft auf ihr Bauchgefühl vertraut, wo dann Zufall und Glück zusammentreffen. Das wirkt dann, gerade wenn es auf die Lösung des Falles zugeht, ein wenig zu konstruiert.
Beeindruckend ist das hohe Tempo, welches die Geschichte von der ersten Seite an vorgibt, so ist man als Leser direkt in der Story und kann das Buch nur sehr schwer wieder weglegen. Geschickt platzierte Cliffhanger erzeugen hier einen dichten und konstant hohen Spannungsbogen, der einen quasi zum weiterlesen zwingt.

Der Federmann ist, auch wenn er die üblichen und dem Genrefreund bekannten Zutaten des Serienmörder-Thrillers verwendet, ein unglaublich gut lesbares und sehr spannendes Buch, welches durch sein hohes Tempo, seine authentischen und sympathischen Figuren punktet. Die teils sehr blutig-brutale Geschichte wird dabei sprachlich ansprechend und, dank geschickt verknüpfter unterschiedlicher Handlungsstränge, gut lesbar erzählt. Thrillerfans werden hier definitiv hervorragend unterhalten!

Verlagsseite

Christian Funke-Smolka