Max Brooks - Zombieparade  (Goldmann)

Max Brooks – Zombieparade (Goldmann)

Max Brooks gilt gemeinhin als Chronist und ungekrönter Experte des Zombiegenres. Was George Romero für die cineastische Herangehensweise, ist Max Brooks für die literarische Bearbeitung der Thematik. Sein bisher gesamtes literarisches Werk widmete er den Untoten, so auch das hier vorliegende Buch Zombieparade (Goldmann, 128 Seiten).

Man bemerkt es an der Seitenzahl, es handelt sich hier eher um ein Büchlein, welches insgesamt ein kurzweiliges und humorvolles Vorwort und vier Geschichten beinhaltet. Gleich die erste Kurzgeschichte „Innerer Frieden GmbH“ ist dabei allerdings eine Story, die unter anderem Titel schon in der Zombie-Anthologie „The New Dead“ erschienen ist, jedoch wegen ihrer interessanten und mehrdeutigen inhaltlichen Tiefe auch beim zweiten lesen immer noch unterhaltsam ist. Die zweite Geschichte ist sehr kurzweilig und gut lesbar, eigentliches Kernstück ist dann eher die folgende, titelgebende „Zombieparade“. Hier wird eine interessante These gestellt, die gleich die nächste Kategorie der Untoten mit einbezieht: die Vampire! Toll geschrieben, sehr gut lesbar, und trotz der Thematik emotional und überaus fesselnd ist sie für mich das eigentliche Highlight der hier versammelten Kurzgeschichten. Den Abschluss bildet dann eine Story, die auch als Zusatzkapitel zu World War Z – Operation Zombie funktioniert hätte.

Max Brooks präsentiert mit seiner Zombieparade eine kleine Übersicht über sein vielfältiges und abwechslungsreiches Können und zeigt sich hier auf seinem bekannten hohen Niveau. Politisch versiert, intelligent, scharfzüngig und analytisch seziert er soziale Strukturen, stellt politisches Machtgehabe bloß und sagt dem Leser in wenigen Sätzen mehr über unsere Gesellschaft, als dies manch ein Sozio- oder Politologe in ganzen Büchern gelingt.

Maximilian Michael Brooks, Jahrgang 1972, ist ein erfolgreicher Comedy Autor (schrieb zum Beispiel für Saturday Night Live), Schauspieler und Synchronsprecher, dem der sarkastische, subtile Humor dank seiner Eltern in die Wiege gelegt wurde. Vater Mel Brooks (Spaceballs, Höhenkoller) und Mutter Anne Bancroft (Mrs. Robinson in Die Reifeprüfung, Der Elefantenmensch) schufen die idealen Voraussetzungen, seinen Humor zu entwickeln.

In seinem literarischen Schaffen widmete er sich bisher ausgiebig den Untoten, so erschien 2003 sein Zombie – Survival – Guide, dass praktische Handbuch für jede Zombie-Invasion, und 2006 World War Z – Operation Zombie,womit er sich als versierter Chronist der Zombie-Epidemie an die Spitze der Erzähler der Untoten-Literatur katapultierte. Die Filmrechte wurden von Brad Pitts Filmfirma Plan B geworben, man darf gespannt sein, wie man dieses komplexe Werk mit seiner ungewöhnlichen Erzählstruktur auf die Leinwand bringen wird.

Max Brooks

Das vorliegende Buch Zombieparade ist eine Kurzgeschichtensammlung, welches erneut das Talent des Autors unter Beweis stellt, die unterschiedlichsten Szenarien interessant und fesselnd zu formulieren. Subtil und hintersinnig erzählt er seine Geschichten mit viel gedanklichem Spielraum für die Leser, die hier gefordert sind, ihre eigene Interpretation oder Meinung entwickeln zu müssen. Das macht ihn unter den Zombie-Autoren so besonders, da er auf eine platte und auf Dauer stumpfsinnige Matsch- und Gore-Erzählung verzichtet, sondern diese, wenn es denn mal blutig wird, geschickt karikiert und intellektuell unterfüttert. Somit sind seine Zombiegeschichten weniger Splatter als viel mehr ein Spiegel für gesellschaftliche Missstände. Spannend und auf dem vom Autor gewohnt hohen Niveau, aber leider viel zu kurz!

Christian Funke-Smolka