Mechthild Lanfermann - Wer ohne Liebe ist (btb)

Mechthild Lanfermann – Wer ohne Liebe ist (btb)

Wer ohne Liebe ist von Mechthild LanfermannEin toter Lehrer, eine verbotene Liebe, eine Ermittlerin zwischen den Fronten.

In Berlin Zehlendorf wird ein Mann ermordet in seiner Wohnung gefunden. Seltsame Codes im Internet bringen die Radioreporterin Emma Vonderwehr auf eine brisante Spur: Der allseits beliebte Grundschullehrer verkehrte in rechten Kreisen. In seinem brandenburgischen Heimatort findet Emma heraus, dass der Schlüssel zu dem Mord in der DDR-Vergangenheit des Opfers liegt. Weitere Menschen sterben und auch Emma steht auf der Liste der Täter. Die junge Journalistin muss sich entscheiden: Macht sie ihre Entdeckungen öffentlich um Schlimmeres zu verhindern oder verhält sie sich loyal zu ihrem Partner Kommissar Edgar Blume, der auf den Fall angesetzt ist?

Mechthild Lanfermann ist 1969 in Niedersachsen geboren. Sie studierte Theater, Film- und Fernsehwissenschaften und später Journalistik an verschiedenen deutschen Hochschulen und an der Sorbonne in Paris. Nach dem Studium arbeitete sie als Reporterin und Redakteurin beim WDR, bei Radio Bremen, beim RBB und bei Deutschlandradio Kultur. Als Dozentin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover lehrt sie seit kurzem Hörfunk. Mechthild Lanfermann lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin.

Meinung zum Buch:

Die Autorin Mechthild Lanfermann ist Journalistin und das merkt man ihrem zweiten Roman Wer ohne Liebe ist (btb, 480 Seiten, € 9,99) deutlich an. Das vor einem überzeugenden Roman eine intensive Recherche betrieben werden sollte, scheint ihr bekannt gewesen zu sein, denn wenn man das zweite Buch der Emma Vonderwehr – Reihe liest, bemerkt man erneut das tiefgehende Hintergrundwissen, welches der Geschichte die nötige Prise Realismus gibt. Erneut setzt sie sich in Form einer fiktiven Geschichte mit der Vergangenheit Deutschlands auseinander und zeigt die immer noch aktuellen rechtsradikalen Tendenzen und die Methoden der dortigen Hintermänner auf. Die Figur der unerschrockenen Journalistin, die sich durch nichts und niemand von ihren Ermittlungen abbringen lässt, ist dabei so charmant wie inhaltlich gut ausgearbeitet. Leider verliert die Autorin jedoch an einigen Stellen die für die Geschichte relevanten Figuren etwas aus dem Fokus und wendet sich den Nebenschauplätzen und ihren Figuren zu, was dann den Erzählfluss ein wenig beeinträchtigt.

Mechthild Lanfermann © Anja Müller

Mechthild Lanfermann
© Anja Müller

Mechthild Lanfermann, die für den „Glauser Preis 2013“ nominiert wurde, präsentiert mit dem vorliegenden Roman Wer ohne Liebe istden zweiten Fall für die junge Radiojournalistin Emma Vonderwehr, in welchem sie erneut ein brisantes, leider sehr aktuelles Thema mit einem fundierten Wissen spannend in eine Geschichte verpackt. Glaubhaft und detailliert beschreibt sie den Alltag der jungen Journalistin, wobei deutlich wird, dass die Autorin hier auf ihre eigenen beruflichen Erfahrungen in diesem Bereich zurückgreifen kann. Ihre Sachkenntnisse im Umfeld des Hörfunks zeigen sich in einer authentischen Beschreibung der Abläufe und erzeugen dadurch eine stimmige und intensive Atmosphäre, die sich nahtlos in die spannende und äußerst fesselnde Story einbindet.

Der Titel sollte den Krimi-Freund nicht abhalten, sich den Roman trotzdem zuzulegen, denn wir haben hier mit Wer ohne Liebe ist einen fesselnden, Krimi mit einer charmant Hauptfigur und einer spannenden, sehr wendungs- und temporeichen, jedoch an manchen Stellen etwas verschachtelt aufgebauten und dadurch sprunghaft wirkenden Geschichte, die über die gesamte Buchlänge unterhält und dabei zum nachdenken anregt.

Christian Funke-Smolka