Michael Connelly - Sein letzter Auftrag (Heyne)

Michael Connelly – Sein letzter Auftrag (Heyne)

 

Thriller-Autor Michael Connelly ist bekannt für seine gut recherchierten, präzise geschriebenen Romane. Seine Reihe über den Ermittler Harry Bosch erfreut sich bei den Lesern einer großen Beliebtheit, aber auch seine außerhalb dieser Serie spielenden Romane, die zum Teil auch schon erfolgreich verfilmt wurden (Das zweite Herz von und mit Clint Eastwood, Der Mandant mit Matthew McConaughey und Ryan Philippe), sind geprägt von seinem Gespür für Spannung und eine realistische Figurenentwicklung.

Die Hauptfigur in dem vorliegenden Roman Sein letzter Auftrag (Heyne, gebundene Ausgabe) kennt der Connelly-kundige Leser schon aus den beiden Krimis Der Poet und Die Rückkehr des Poeten. Polizeireporter Jack McEvory arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren für die L.A. Times. Auf Grund einer bestehenden Krise in der Zeitungsbranche soll dem eher klassisch veranlagten Reporter gekündigt werden, als letzte Aufgabe erhält e die Order, in den nächsten vierzehn Tagen seine Nachfolgerin Angela Cook einzuarbeiten. Die junge, ehrgeizige Journalistin ist mit den Anforderungen im digitalen Zeitalter bestens vertraut, aus diesem Grunde traut man ihr ein effizienteres Arbeiten zu.
Doch so einfach möchte Reporter McEvory das Feld nicht räumen, er träumt von einer letzten großen Geschichte. Dabei konzentriert er sich auf den Fall eines jugendlichen Drogendealers, der für den Mord an einer Tänzerin im Gefängnis sitzt.
Seinen Instinkten und klassischen Methoden vertrauend kommt er schnell einem Serientäter auf die Spur, der seine Opfer grausam misshandelt und dann tötet. Dabei erhält er Unterstützung von Special Agent Rachel Welling, eine Person, die mit ihm schon in den Fällen um den Poeten ermittelte.

Gewohnt temporeich und stilistisch sehr präzise schildert der Autor die Geschichte aus der persönlichen Sicht des Reporters. Dieser gilt als ein Relikt alter Tage, der mit der modernen Technik heillos überfordert scheint, aber seinen Instinkten und seiner reichhaltigen Erfahrung vertraut. Dabei merkt er jedoch, dass auch er sich nicht komplett vor den neuen Methoden und Möglichkeiten verschließen kann, dass man sogar ein besseres Ergebnis zu erzielen vermag, wenn man sich das Beste aus beiden Bereichen zu Nutze macht. Dies führt aber immer wieder zu, für den Leser amüsanten, Reibereien, wenn „altmodische“ auf „moderne“ Ermittlungsarbeit trifft.

Michael Connelly

Auch der Autor Michael Connelly verlässt sich in seinem Roman auf klassische Geschichtenerzählung. Knapp, punktgenau und temporeich gibt er sich nicht mit irgendwelchen Spielereien ab. Hier ist kein Wort zu viel, kein Satz überflüssig. Die Story spielt auf zwei Handlungsebenen, und wird schnörkellos und überaus spannend nach vorne gepeitscht.

Die gebundene Ausgabe aus dem Heyne Verlag gibt dem packenden, melancholisch-fesselnden Roman auch aus ästhetischer Sicht ein passendes Gewand.

Michael Connelly lässt auch in seinem einundzwanzigsten Roman Sein letzter Auftrag die alte auf eine neue Welt treffen, und liefert so einen melancholisch- und trotzdem hintersinnig humorvollen Abgesang auf eine ganze Zunft. Herrlich altmodisch und solide erzählt, eben ein echter Connelly!

Christian Funke-Smolka