Michael Robotham - Todeswunsch  (Goldmann)

Michael Robotham – Todeswunsch (Goldmann)

„Ein Jedermann lügt – an jedem Tag, zu jeder Stunde, wach und im Schlaf, in seinen Träumen, in Freude und in Trauer; und wenn er seine Zunge still hält, werden seine Hände und Zehen, seine Augen und seine Haltung eine Täuschung vermitteln.“
(Mark Twain, 1835-1910)

So beginnt der neue Roman von Bestsellerautor Michael Robotham (u.a. Dein Wille geschehe, Amnesie, Der Insider, alle bei Goldmann erschienen), und führt den Leser direkt von der ersten Seite auf eine spannende Konfrontation mit der dunklen Seite des Menschen.

Kriminalpsychologe Joe O’Loughlin lebt und arbeitet in einem kleinen Dorf im Südwesten Englands. Von seiner Frau getrennt möchte er nahe seinen beiden Töchtern wohnen, um so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen. Deshalb arbeitet er in Teilzeit als Professor an der nahegelegenen Universität. Zusätzlich muss er den Umstand akzeptieren, dass die Parkinson – Erkrankung, die weiter voranschreitet, sein Leben dauerhaft beeinträchtigen wird.
Da Joe einen sehr engen Kontakt zu seinen Töchtern pflegt, sieht er den Umgang seiner älteren Tochter Charlie mit der 14 Jahre alten Sienna Hegarthy, die anscheinend große psychologische Probleme hat, eher kritisch. Doch eines Abends taucht diese plötzlich blutüberströmt am Haus der O’Loughlins auf. Da das Mädchen aber direkt wieder verschwindet, geht Joe O’Loughlin zum Haus des Vaters, um mit diesem zu sprechen. Dieser aber liegt dort zusammengeschlagen und mit aufgetrennter Halsschlagader, da die Tochter zudem noch ein Motiv hat, steht sie plötzlich unter Verdacht, für den Tod verantwortlich zu sein.
Joe O’Loughlin sichert sich die Unterstützung seines guten Freundes und Ex-Polizisten Vincent Ruiz, um in dem Fall zu ermitteln, denn der Ermordete war Polizist, und galt als jemand, der auch zu Hause mit strenger und harter Hand regierte. Ein kniffeliger Fall, der die Ermittler in menschliche Abgründe führt.

Goldmann präsentiert die Taschenbuchausgabe von Michael Robothams Todeswunsch (512 Seiten, € 9,99) als trotz des reißerischen Titels ästhetisch und dezent aufgemachte Klappbroschur mit Prägedruck, die einem sofort ins Auge fällt.

Stilistisch wie immer über jeden Zweifel erhaben, präsentiert der Autor seine Story um Lug und Trug, Zweifel und Verdacht auf solide Weise, die ohne Hektik und Effekthascherei eine intelligente Geschichte erzählt, die dazu noch fesselnd geschrieben und spannend inszeniert ist.

Michael Robotham, Jahrgang 1960, ist das komplette Gegenteil von dem, was er in seinen Büchern beschreibt. Der Ehemann und Vater von drei Töchtern wurde in New South Wales in Australien geboren, und arbeitete lange Zeit als Journalist für große Tageszeitungen in London und Sydney. Selber überrascht von dem großen Erfolg seiner Bücher verspürt er, wie er im Interview zugab, jedes Mal den Druck, den er sich macht, die Qualität und Spannung des Vorgängerromans zu halten und falls möglich, noch zu verbessern und sich zu steigern. Unterstützung bei seinen Recherchen erhält er von dem bekannten britischen Kriminalpsychologen Paul Britton, der ihm Ratschläge und Ideen zu seiner Hauptfigur Joe O’Loughlin gibt, die laut eigener Aussage viele Charakterzüge des Autors beinhaltet.

Michael Robotham

Robotham war es wichtig, eine Hauptfigur zu erstellen, der nicht alles gelingt, ohne „makellos“ ist, zudem fand er die Idee reizvoll, einen Protagonisten zu kreieren, der zwar einen brillanten Kopf hat, in seinem Körper jedoch gefangen ist. Aus diesem Grunde ist sein Kriminalpsychologe Joe O’Loughlin an Parkinson erkrankt. Ähnlich den Romane um Lincoln Rhyme – Romane von Jeffrey Deaver führt die Erkrankung des Ermittlers zu einer ungewöhnlichen aber hochinteressanten Einbindung in das Thriller-Genre, dem man sich als Leser nur schwer entziehen kann, da der Umstand der Parkinson – Erkrankung immer wieder den „normalen“ Ermittleralltag beeinträchtigt und zu ungeahnten und für den Psychologen körperlich nicht kontrollierbaren Einschränkungen führt.

Michael Robotham ist mit dem vorliegenden Roman Todeswunsch erneut ein überaus spannender und durchdachter Thriller gelungen, der neben einer fesselnden Geschichte auch die private, menschliche Seite seiner Protagonisten weiter ausarbeitet. Eine intensiv beschriebene Geschichte, eine emotionale Note, ohne dem jedoch übermäßig viel Raum zu geben und eine sensible Charakterzeichnung, wie man sie selten in einem Thriller findet lassen auch den neusten Roman des Autors zu einem anspruchsvollen und authentisch wirkenden spannenden Vergnügen für den Leser werden.

Christian Funke-Smolka