Niamh O’Connor - Opferspiel  (Diana Verlag)

Niamh O’Connor – Opferspiel (Diana Verlag)

Das Leben einer alleinerziehenden Kommissarin in Dublin, Irland, ist nicht unbedingt immer leicht, und fordert dementsprechend ein ziemlich dickes Fell.
Genau solch einen Charakter entwickelte die Autorin Niamh O’Connor für ihr Romandebüt Opferspiel, nämlich die Figur Jo Birmingham. Eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder bei der Dubliner Polizei, die den Spagat zwischen Job und Mutterdasein tagtäglich versucht zu meistern, ohne selber dabei auf der Strecke zu bleiben. Als sie plötzlich ihren ersten eigenen Fall bekommt, ahnt sie noch nicht, dass dieser bald ihre komplette Aufmerksamkeit benötigt. Erst Recht, da ihr Vorgesetzter gleichzeitig ihr Ex-Mann ist, vor dem sie sich keine Blöße geben möchte, der ihr aber auch immer wieder berufliche Hindernisse in den Weg stellt.
Der Fund der Leiche einer Prostituierten lässt relativ schnell bei dem Mord religiöse Hintergründe vermuten, zeigt aber auch Verbindungen zu einem geheimnisvollen Entführungsfall der neunjährigen Katie Freeman, die zwar körperlich unversehrt zurückkehrte, jedoch seitdem nicht mehr spricht.
Da kaum einer der Polizistin die Aufklärung des Falles zutraut, entwickelt sich ihre Suche nach dem Mörder immer mehr zu einem Alleingang der Protagonistin.

Starke weibliche Rollen im Thriller-Milieu findet man leider immer noch viel zu selten, mit Jo Birmingham könnte sich dies ändern. Allerdings bedarf es dazu in den weiteren Roman um die Ermittlerin noch eines gehörigen Feinschliffs der Autorin, denn in Opferspiel wirkt ihre Heldin an vielen Stellen einfach zu tough. Stark und unabhängig im Beruf, klar in ihren Zielen, strukturiert bei der Alltagsbewältigung kamen mir ein wenig die Schwächen dieses Charakters zu kurz. Man konnte ab und an ansatzweise erkennen, dass sie auch andere Gefühle hegen kann, als ständig mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, aber um einen runden, authentischen Charakter zu entwickeln, müsste diese Seite noch intensiver ausgebaut werden.
Ansonsten ist der Autorin Niamh O’Connorein sprachlich solider, konstant spannender Roman gelungen, der sein Augenmerk auf eine realistische Beschreibung seiner Örtlichkeiten und dem Ermittlungs- und Rechtssystem legt.

Niamh O’Connor

Man merkt der Autorin Niamh O’Connor, die eine Irlands bekanntester Kriminaljournalistinnen und Sachbuchautorinnen ist, in ihrem Romandebüt Opferspiel ihr Bestreben an, die Leiden der Opfer in den Fokus ihrer Geschichte zu stellen, denn ihrer Meinung nach kommen deren Rechte oftmals hinter dem Schutz der Täter zu kurz. In ihrem Nachwort berichtet sie explizit von ihren beruflichen Erfahrungen, und was es als überlebendes Opfer oder Angehöriger eines Mordopfers bedeutet, in der Gerichtsverhandlung detailliert und sachlich die brutalen Einzelheiten der Tat und die grausamen Angaben der Autopsie geschildert zu bekommen. Engagiert tritt sie in ihrer Heimat für mehr Rechte für Opfer und die faire und respektvolle Behandlung dieser bei Gerichtsverhandlungen und Vernehmungen ein.

Opferspiel der Autorin Niamh O’Connor ist ein spannendes Romandebüt, welches seine realistische Geschichte über Bandenkriege, religiös motivierte Morde und politische Machenschaften vor dem authentisch gezeichneten Bild Irlands erzählt. Die Botschaft der Autorin wird recht deutlich gemacht, die düstere Handlung dabei auf einem kontinuierlich ansteigenden Spannungsbogen nach vorne getrieben.
Wer auf spannende Lektüre mit einer toughen Hauptdarstellerin steht, der sollte bei Opferspiel unbedingt zugreifen.

Christian Funke-Smolka