Poppy Z. Brite & Christa Faust - Triaden (Golkonda)

Poppy Z. Brite & Christa Faust – Triaden (Golkonda)

 

Die Autorin Poppy Z. Brite war mir, ich muss es gestehen, nur vage durch einige Kurzgeschichten bekannt, die ich vor langer Zeit in verschiedenen Anthologien gelesen habe. Da diese damals eher dem Bereich Splatterpunk zugeordnet wurden, hatte ich ein ungefähres Bild vor Augen, was mich bei Triaden wohl erwarten würde. Aber weit gefehlt!

Die Story beginnt im Jahr 1937, und beschreibt den harten, unmenschlichen Alltag der Schüler einer Peking Oper. Terrorisiert von ihrem Meister eskaliert die Situation, und die beiden Jugendlichen, Ji Fung und Lin Bai, die sich ineinander verliebt haben, müssen fliehen. Dabei geraten sie auf Grund persönlicher Verbindungen an die Triaden, aber viel gravierender, mitten in die beginnenden Kriegswirren. Ein tragischer Wettlauf zwischen ihren Träumen von einem gemeinsamen Leben in Hollywood und der harten und brutalen Realität beginnt.

Auch im zweiten Teil geht es um Liebe und den Kampf im harten Alltag. Wir schreiben das Jahr 1945 und befinden uns in Hollywood. Die lesbische Autorin Blake schreibt Detektivgeschichten und Drehbücher, und verliebt sich in das junge Starlet Betty Jean. Doch dadurch setzt sie einen Strudel aus Irrungen und letztendlich nicht zu stoppender Gewalt aus. In dieser Geschichte treffen wir als Leser auf einen alte Bekannten, und erleben, wie es ihm in den letzten Jahren ergangen ist.

Poppy Z. Brite

L.A. in der Gegenwart, wir stoßen auf den angehenden Action-Star Jake Ryan, der seine homosexuellen Gefühle versucht zu unterdrücken. Als er auf den Make Up – Künstler und Drag Queen Miki trifft, muss er lernen, eine für sich wichtige Entscheidung zu treffen.

Die Autorinnen sind beides aus meiner Sicht sehr interessante Persönlichkeiten, die kompromisslos ihren Weg zu gehen scheinen. Poppy Z. Brite begann mit Kurzgeschichten, als sie von Douglas E. Winter, der ihre Geschichten in seinen Sammlungen veröffentlichte, aufgefordert wurde, auch mal Romane zu schreiben. Bisher schrieb sie neun Romane, wobei sie sich auf kein Genre festzulegen scheint. Zusätzlich erschien von ihr eine Biografie der Sängerin Courtney Love, zahlreiche weitere Kurzgeschichten und einige Novellen.

Christa Faust arbeitete als Model für Fetischmagazine, so wie als Domina und in einer Peepshow. Mittlerweile jedoch ist sie eine recht erfolgreiche Autorin harter, realistisch geschriebener Noir-Thriller, die sich an den Pulps der 50er orientieren.

Die überaus fesselnde und tragische Geschichte ist in einer sehr plastischen und überaus bildhaft beschreibenden Sprache gehalten. Die Autorinnen haben den Roman dabei in drei Akte unterteilt, wobei der erste, welcher im Jahr 1937 angesiedelt ist, den größten Teil einnimmt. Genau dieser Part wurde schon mal in einer stark gekürzten Version in der Anthologie Offenbarungen von Schriftsteller und Herausgeber Douglas E. Winter, dem Entdecker und Förderer der Autorin Poppy Z. Brite, veröffentlicht, für seine Verwendung in Triaden aber stark überabreitet und ausgebaut.
Akt 2 spielt im Jahr 1945 in Hollywood, der dritte Akt im Los Angeles der Gegenwart, und bilden in ihrer Gesamtheit eine intensive und beeindruckende Geschichte über Liebe und das Leben am Rande der Gesellschaft, in welcher als roter Faden immer wieder Figuren der anderen Geschichten auftauchen.

Christa Faust

Triaden erscheint im Berliner Golkonda Verlag, der es sich seit 2010 zur Aufgabe macht, mit seinen unglaublich schönen Veröffentlichungen den Buchmarkt zu bereichern. Neben einer ästhetisch ansprechenden Covergestaltung fällt bei Triaden vor Allem auf, dass jede einzelne Seite sowohl auf sehr hochwertigem Papier gedruckt wurde, und zudem noch schön und trotzdem funktionell gestaltet wurde. Neben kleinen Verzierungen findet man zusätzlich die obligatorische Seitenzahl, aber auch Buchtitel und Kapitelnamen unauffällig aber formschön auf den Seiten platziert. Wenn das die normalen Veröffentlichungen des Verlages sind, bin ich mal auf deren Sonderveröffentlichungen gespannt!

Triaden ist ein faszinierender und prächtig erzählter Blick zweier talentierter und überaus interessanter Autorinnen auf die, zum Teil verzehrende aber auch von Hoffnungslosigkeit geprägte Liebe zweier Menschen. In all ihren Facetten beleuchten die Autorinnen dabei das Thema Homosexualität im Wandel der Jahrzehnte. Dabei gelingt es ihnen, den Leser an die Hand zu nehmen, und in ihre dramatische Welt zu ziehen! Triaden ist ein überaus fesselndes, intensives und sehr interessantes Buch!

Christian Funke-Smolka