PunisherMAX: Frank  - Jason Aaron  & Steve Dillon (MAX Comics/ Panini Comics)

PunisherMAX: Frank – Jason Aaron & Steve Dillon (MAX Comics/ Panini Comics)

Der Punisher, dessen bürgerlicher Name Frank Castle lautet, ist auf Grund seiner inneren Zerrissenheit und seiner düster-brutalen Seite, eine der dunkelsten Gestalten der Comicszene. Mit dem richtigen Autor jedoch werden dem Leser aber gleichzeitig auch die interessantesten und intensivsten Geschichten um diese Figur erzählt.

Frank Castle ist ein Vietnam – Kriegsveteran, der seinem Land mutig und uneigennützig diente, nun aber nach den erlebten Grausamkeiten der Einsätze versucht, mit seiner Frau und seinen Kindern ein friedliches Leben zu führen und den erlebten Kriegsgräueln zu entkommen. Jedoch wird seine Familie vor seinen Augen ermordet, Castle jedoch überlebt das Massaker an seiner Familie und begibt sich auf eine sein neues Leben bestimmende Mission, die ihn jeden Verbrecher bekämpfen lässt. Da er als ausgebildeter Marine eine Tötungsmaschine mit besonderen Fähigkeiten an so ziemlich jeder gängigen Waffe ist, wird er eine ernstzunehmende Bedrohung für die Unterwelt, da er nicht zimperlich ist und Selbstjustiz, Folter und Mord als Methoden nicht ausschließt.

So sind die dem Fan bekannten Fakten. Die Reihe PunisherMax jedoch geht noch einen großen Schritt weiter.
Autor Jason Aaron, 1973 in Alabama geboren, zählt zu den talentiertesten und innovativsten Autoren der Comicszene, der sein Talent in unzähligen Veröffentlichungen wie zum Beispiel Ghost Rider, Scalped oder The Other Side unter Beweis stellen durfte.

In dem hier vorliegenden Serienabschnitt Frank (Max Comics/ Panini Comics, 114 Seiten, beinhaltet die US-Ausgaben 12-16 der US-Serie PunisherMAX) erleben wir eine eher unbekannte Seite an Frank Castle. Ein älterer, seelisch gebrochener und  körperlich schwer verletzter Mann liegt in einem Gefängnis auf der Krankenstation, darauf wartend, dass die Gefangenen, welche schon darauf lauern, in seine Zelle kommen, um sich für die vergangenen Taten des Punishers grausam zu rächen. Während er da liegt, zieht er ein Resümee über sein bisheriges Leben, beginnend mit seinem Einsatz in NAM und seiner Rückkehr als traumatisierter Soldat, der lernen muss, sich in der Gesellschaft und seiner Familie zurechtzufinden, jedoch mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat.

Jason Aaron

Als Leser erleben wir eine sehr selbstkritische und emotional ungewöhnlich offene Titelfigur, welche klar und sachlich mit ihren Zwängen, Fehlern und ihren wahren Ambitionen ins Gericht geht. Bisher bekannte und akzeptierte Tatsachen stehen im Laufe dieser Geschichte plötzlich in einem anderen Licht dar, der geschickt inszenierte Wechsel der Erzählperspektive und die Sprünge von Vergangenheit in die Gegenwart und zurück liefert zudem völlig neue Erkenntnisse über bisher als gesetzt gesehene Fakten seiner Biografie. Dies ist nicht nur interessant, sondern bietet eine tiefsinnige und teils sehr emotionale Sicht, natürlich verpackt in eine überaus brutale Rahmenhandlung, auf das Leben Frank Castles, wie man es in einem Comic kaum erwartet.

Seinen ersten Auftritt hatte der Punisher 1974 im Amazing Spider-Man Nr. 129, wo er durch die Manipulation eines Superschurken gegen Spider-Man  kämpfte. Da er sehr schnell an Popularität gewann, kam es immer öfter zu Gastauftritten sowohl bei Spider-Man als auch in anderen Serien des Marvel-Universums. In den frühen 80ern gelang es dann endlich, dem Punisher eine eigene Serie zu spendieren, obwohl die Idee, einen Serienhelden zu etablieren, der kaltblütig Selbstjustiz verübt, nicht jedem gefiel! Aber die anfänglich geplante Miniserie war sehr erfolgreich und wurde entsprechend fortgesetzt. Mitte der 90er sank das Interesse des Publikums an den Geschichten des Punishers, so dass man erst mal pausierte, ihm dann aber einige Jahre später durch das Dream-Team Garth Ennis und Steve Dillon eine bissige und schwarzhumorige Frischzellenkur verpasste. Seitdem erscheinen Punisher-Serien mit den unterschiedlichsten Ansätzen, teils angesiedelt im Superhelden-Universum, teils von dort abgelöst und bewusst realistisch und noch düsterer gehalten.

Steve Dillon

Nach dem Weggang Garth Ennis übernahm Jason Aaron das erzählerische Zepter im Punisher-Universum, was der Reihe nach der durch Ennis erfolgten innovativen und spannenden Frischzellenkurz ebenfalls unglaublich gut tat. Wie seinerseits Frank Miller einen neuen Blick auf Batman werfen konnte, erleben wir hier eine ungewöhnliche, neue Seite an Frank Castle. Genial in Szene gesetzt wird dies wieder von dem begnadeten Minimalisten Steve Dillon, dem es mit seinem spartanischen Zeichenstil gelingt, den Fokus auf das Wesentliche der unglaublich düsteren, intensiven und brutalen Story zu lenken, ohne dabei die emotionale Seite zu vernachlässigen.

Edel aufgemacht mit einer ästhetisch gestalteten Klappbroschur erleben wir hier eine der reifsten und fesselndsten Geschichten um den Punisher, die, eindeutig konzipiert für ein erwachsenes Publikum, brutal und ausgesprochen roh ihre Geschichte zu erzählen weiß, dabei aber beinahe nebensächlich die tief verletzte Seele eines gebrochenen, sich selbst bestrafenden Mannes feinfühlig offenlegt. Mit Frank haben Jason Aaron und Steve Dillon ein wahres Meisterwerk geschaffen!!

Christian Funke-Smolka