Quentin Tarantino: Django Unchained  (Eichborn)

Quentin Tarantino: Django Unchained (Eichborn)

Wenn sich ein Sklave und ein Zahnarzt verbünden, sind sie der Tod

Sein Name ist Django, und er lebt in der Sklaverei. Eines Tages taucht ein Fremder auf. Der Mann gibt sich als Dr. King Schultz aus: eloquenter Zahnarzt und Kopfgeldjäger mit deutschen Vorfahren. Er befreit Django und nimmt ihn mit auf die Reise. Schultz ist auf der Jagd nach den verruchten Brittle-Brüdern, und Django ist der einzige, der die Gesichter der Verbrecher kennt. Schultz verspricht ihm die Freiheit und ein Pferd, wenn er ihn zu den Brüdern führt. Keiner von beiden ahnt, dass sie sich nicht mehr trennen werden. Und dass ein langer Weg voller Blei und Tod vor ihnen liegt.

(Verlagsinfo)

Meinung zum Buch:

Dass ein Blockbuster eine zusätzliche Umsetzung in anderer Form, zum CoverBeispiel einer Comic-Adaption, erhält, ist keine Seltenheit. Oftmals sind diese Produkte von eher unbefriedigender Qualität, da es sich hier um zügig erstellte Schnellschüsse handelt. Hier jedoch ließen sich die Verantwortlichen nicht nur reichlich Zeit, um ein gutes Endprodukt abzuliefern, sondern hatten die Möglichkeit, sich als Vorlage das Original-Drehbuch von Django Unchained zu sichern, welches noch einige Szenen enthielt, die es dann letztendlich nicht in den fertigen Film geschafft haben. Natürlich ist es hier fragwürdig, mit einem Director’s Cut zu werben, da Tarantino diesen seinerzeit in die Kinos brachte, sondern es handelt sich hier eher um eine umfangreichere Vorab-Version des finalen Ergebnisses. Aber das ist Kleinkrämerei, denn was wir hier in den Händen halten ist ein wirklich gelungenes und sehr interessantes wie spannendes Projekt, welches durch das Vorwort von Tarantino seine Absegnung und absolute Zustimmung erhielt!

Kann aber eine gezeichnete Umsetzung eines Tarantino-Drehbuchs funktionieren? Definitiv, wie man an diesem Beispiel eindeutig sehen kann. Ohne den fertigen Film zu kennen, haben sich die Künstler R.M Guéra, Jason Latour und Denys Cowan an die Bearbeitung des umfangreichen Entwurfs des Regisseurs gemacht und ihre Version der Geschichte erstellt, ohne die Dialoggewandtheit der Vorlage zu missachten. Dadurch entsteht eine ganz eigenständige und ungewöhnliche Version der Geschichte um den ehemaligen Sklaven Django und dem ihn begleitenden, eloquenten Zahnarzt und Kopfgeldjäger Dr. King Schultz, die auf der Suche nach Brunhilde, Djangos verkaufter Frau sind. Hier näher auf die Geschichte einzugehen dürfte nicht nötig sein, ich denke, die meisten werden sie kennen.

Da bei Beginn der Adaption der fertige Film nicht zur Verfügung stand, entschied man sich, auf eine Ähnlichkeit zu der Filmbesetzung weitestgehend zu verzichten. Dies stört nicht weiter, im Gegenteil, verstärkt es doch die Eigenständigkeit dieses Projekts. Ein Manko aus meiner Sicht stellt jedoch der Wechsel der Zeichner innerhalb der Geschichte dar. Natürlich hat jeder seinen eigenen Lieblingszeichner, ich persönlich hätte lieber eine durchgehende Illustration von R.M Guéra gehabt, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. So haben wir hier innerhalb der Geschichte einen kapitelabhängigen Wechsel in einen zwar jederzeit guten, aber teils komplett unterschiedlichen Zeichenstil.

Die Graphic Novel Django Unchained erscheint als geschmackvoll Szene 1aufgemachte, sehr stylischen gebundene Ausgabe bei Eichborn (272 Seiten, €19,99). Edel in der Optik und gedruckt auf hochwertigem Papier liegt das Buch angenehm schwer in der Hand. Im Anhang befinden sich interessante Auszüge aus den Skizzenbüchern der Zeichner R.M Guéra, Marc Chiarello und Denys Cowan, die deutlich zeigen, welche Schritte nötig sind, um von einem groben Entwurf ein finales Ergebnis zu erreichen. Zusätzlich finden wir noch eine umfangreiche Galerie der unterschiedlichen Covermotive.

Die Comicadaption zu Django Unchained kann definitive als gelungenes Experiment bezeichnet werden. Auch wenn das Buch aufgrund der unterschiedlichen Zeichenstile der wechselnden Künstler nicht ganz homogen wirkt, ist es ein sehr unterhaltsames Buch mit einer starken Geschichte, die selbst dann noch fesselt, wenn man den Film kennt und einigen wirklich überaus gelungenen Bildern. Von mir gibt es, nicht nur als Tarantino-Fan, eine klare Kaufempfehlung!

Christian Funke-Smolka