“Rembrandt. Die Selbstporträts” (TASCHEN)

“Rembrandt. Die Selbstporträts” (TASCHEN)

Rembrandt schuf über 80 Selbstdarstellungen in Form von Gemälden, Radierungen und Zeichnungen – mehr als jeder andere Künstler vor ihm. Das Selbstporträt war ihm vor allem stilistisches Experiment. Ob als verschmitzter junger Mann, in der Pose des Soldaten oder Orientalen, im biblischen oder mythologischen Gewand, mal als Melancholiker an der Staffelei, dann wieder als Bürger im Sonntagsstaat – jeder expressive Pinselstrich, jeder verschleierte Gesichtszug diente der Charakterisierung einer jeweils anderen Facette seiner Person.

Durch die präzise Erfassung von Stimmungen, Mimik, und teils flüchtigen Momenten revolutionierte Rembrandt die Kunst des Selbstporträts. Nicht der repräsentative Idealtypus stand primär im Mittelpunkt, sondern die genaue Beobachtung eines Künstlers, der selbst sein häufigstes Modell war.

Neben ihrer stilistischen Vielfalt und dem Gespür für das Menschliche bestechen die Werke durch große Experimentierfreude: die feinen, mit grober Rohrfeder in die feuchte Patina geritzten Locken, die subtil Licht reflektieren. Oder die radierten Bildnisse als virtuose Fingerübungen in der Darstellung des eigenen Mienenspiels.

Anlässlich des 350. Todestages des Künstlers präsentiert dieser Band sämtliche Selbstporträts – von den ersten Werken im Alter von 22 bis zum letzten Bildnis, das kurz vor seinem Tod entstand.

Volker Manuth studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Klassische Archäologie in Kiel, Bonn und Berlin. Er promovierte 1987 an der Freien Universität Berlin über die Ikonographie der Historien des Alten Testaments bei Rembrandt und seiner frühen Amsterdamer Schule. Anschließend war er von 1988 bis 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent an der FU Berlin. Von 1995 bis 2003 hatte er als Professor für Kunstgeschichte den A. Bader Chair of Northern Renaissance and Baroque Art an der Queen’s University, Kingston, Ontario (Kanada) inne. Seit 2003 ist er Professor für Kunstgeschichte an der Radboud Universität in Nimwegen (Niederlande).

Marieke de Winkel studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität von Amsterdam sowie Kostümgeschichte am Courtauld Institute in London. Von 1993 bis 2003 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Rembrandt Research Project. Sie promovierte 2003 an der Universität Amsterdam über das Kostüm im Werk Rembrandts.

© TASCHEN

Meinung zur Veröffentlichung:

Rembrandt Harmenszoon van Rijn (* 15. Juli 1606 in Leiden; † 4. Oktober 1669 in Amsterdam), einer der bedeutendsten und bekanntesten niederländischen Künstler des Barocks, dürfte den meisten Menschen nur unter seinem Vornamen bekannt sein. Er lebte in  der Epoche des Goldenen Zeitalters, als die Niederlande eine politische, wirtschaftliche und künstlerische Blütezeit erlebten. Schon kurz nach seinem Studium eröffnete er sein erstes eigenes Atelier. Rembrandt erlangte schnell Aufmerksamkeit und entwickelte sich zu einem gefeierten Künstler, der zeitweise trotz seines Ruhms unter erheblichen finanziellen Problemen litt. Rembrandt betätigte sich als Maler, Radierer und Zeichner, führte parallel eine Werkstatt und bildete andere Künstler aus. Sein vielseitiges Gesamtwerk umfasst Porträts, Landschaften, sowie biblische und mythologische Themen, bei denen er speziell dadurch auffiel, dass er Motive aufnahm, die bis dahin in dieser Form künstlerisch noch nicht bearbeitet worden waren. Zudem gilt er als Meister der Hell-Dunkel-Malerei (dem sogenannten Chiaroscuro). Schon zu Lebzeiten wurden seine Werke kopiert und nachgestochen, was später zu einem heillosen Chaos bei der konkreten Benennung seiner Werke führte. Auch seine Biografie wurde nachträglich mit Mythen und Legenden ausgeschmückt, so dass erst mehrere Jahrhunderte nach seinem Tod durch Quellenforschung ein vermutlich realistischeres Bild seines Lebens ermittelt und aufgezeichnet werden konnte. Seit den 1970er Jahren beschäftigt sich das Rembrandt Research Project mit der intensiven Erforschung von Rembrandts Werken, was dazu führte, das man mehr als die Hälfte der über 700 ihm zugeschriebenen Gemälde als Kopien identifizieren konnte.          

Rembrandt, von vielen als einer der bedeutendsten Künstler aller Zeiten angesehen, blickt auf eine bewegte, von Schicksalsschlägen gezeichnete Biografie zurück, die sich in vielerlei Hinsicht in seinem Werk widerspiegelt. Eines der Hauptthemen seines Werkes sind Porträts, hier speziell Selbstporträts, denen sich TASCHEN in dem vorliegenden, scherzhaft in ihrer Ankündigung Selfies mit Rembrandt bezeichneten Bildband Rembrandt. Die Selbstporträts widmet.

Rembrandt, den Geschichten zufolge ein eher ungehobelter und streitlustiger Zeitgenosse, hatte ein bewegtes Leben mit vielen persönlichen und finanziellen Höhen und Tiefen. Die Hochzeit mit der wohlhabenden Bürgermeistertochter Saskia van Uylenburgh brachte ihm Ruhm, viele Aufträge und vier Kinder. Drei von ihnen starben jedoch früh, bald folgte seine an Tuberkulose erkrankte junge Frau. Der Künstler stürzte in eine Sinn- und Schaffenskrise, die ihn sein ganzes Vermögen kostete. Hiervon sollte er sich nie wieder erholen… Seine zahlreichen Selbstporträts, begonnen in jungen Jahren als Übungen, entwickelten sich schnell zu einer aussagekräftigen Studie seiner markanten Persönlichkeit, welche ihn in verschiedenen Posen und emotionalen Zuständen zeigt. Diese Selbstporträts liegen als Gemälde, Zeichnungen und Radierungen vor und zeigen neben den unterschiedlichen Moden speziell seinen Alterungsprozess, den er hier im Selbststudium ausgiebig in den Fokus stellt.

TASCHEN veröffentlicht anlässlich des 350. Todestages des Künstlers den sehr ansprechend mit einem Hologramm-Cover versehenen XL-Hardcover-Bildband Rembrandt. Die Selbstporträts (25,9 x 34 cm, 176 bronzefarbene Seiten, €50). Der deutschsprachige Bildband beinhaltet sämtliche Selbstporträts – von den ersten Werken in jungen Jahren bis zum letzten Bildnis, das kurz vor seinem Tod entstand. Die mehrseitige, reich bebilderte Einleitung widmet sich Rembrandts Leben und seiner Kunst, hier speziell den Selbstporträts und basiert auf den Texten der bei TASCHEN erschienenen Bänden zum Gesamtwerk des Künstlers.

Mit dem Bildband Rembrandt. Die Selbstporträts bekommt man einen sehr detaillierten und umfassenden Einblick in das Leben des Künstlers. Die Bilder, entstanden zwischen seinem zwanzigsten und seinem dreiundsechzigsten Lebensjahr (das letzte Selbstporträt entstand kurz vor seinem Tod) zeigen seine künstlerische, aber auch seine persönliche Entwicklung und zeigen einen Menschen, der ein aufmerksamer Beobachter des menschlichen Ausdrucks und der Körpersprache war. Wer einen sehr persönlichen Zugang zum Werk Rembrandts bekommen möchte, dem kann ich diesen wunderschön gestalteten Bildband unbedingt empfehlen!

Christian Funke