Robert Bloch - Psycho (Golkonda)

Robert Bloch – Psycho (Golkonda)

Die junge Mary Crane soll für ihren CBloch-Psycho_bwhef, einem unsympathischen Immobilienmakler, 40.000 Dollar auf die Bank bringen − und beschließt stattdessen, in einem anderen Bundesstaat ein neues Leben anzufangen. Auf dem Weg in das kleine Städtchen Fairvale, wo ihr Verlobter wohnt, verfährt sie sich jedoch, sodass sie sich gezwungen sieht, in einem abgelegenen Motel zu übernachten. An der Rezeption begrüßt sie ein etwas linkischer Mann mittleren Alters. Sein Name ist Norman Bates…
Psycho erschien erstmals 1959 und wurde knapp ein Jahr später von Alfred Hitchcock kongenial verfilmt. Der Roman wurde mit dem „Edgar Allan Poe Special Award“ ausgezeichnet und sein Autor über Nacht weltberühmt. Die vorliegende Neuübersetzung stellt unter Beweis, dass dieses Highlight des psychologischen Horror-Thrillers auch im 21. Jahrhundert noch unübertroffen ist.
Robert Bloch (1917-1994) gilt als einer der besten und berühmtesten Science-Fiction- und Horror-Autoren des 20. Jahrhunderts. Nachdem er sich in frühen Jahren von seinem Vorbild H. P. Lovecraft löste, avancierte er rasch zu einem erfolgreichen Verfasser phantastischer Erzählungen und Romane. Darüber hinaus schrieb er Vorlagen und Drehbücher für Radio, Fernsehen und Kino. Für sein Werk wurde er u.a. mit dem „Hugo Award“, dem „Bram Stoker Award“ und dem „World Fantasy Award“ ausgezeichnet.

Meinung zum Buch:

Wohl jeder kennt den Film, aber die wenigsten haben den Roman, der ein Jahr vor der Verfilmung erschien, gelesen. Die Rede ist von dem wahrscheinlich bekanntesten und wegweisendsten Thriller der letzten Jahrzehnte: Psycho! Dies jedoch ist ein Manko, da das Buch aus der Feder des bekannten Autors Robert Blochwesentlich tiefer und vielschichtiger an die Geschichte herangeht, als dies im Film möglich war. Trotz des Verzichts expliziter Grausamkeiten gelingt es Bloch, den Leser zu schockieren, denn hier wird sehr deutlich vor Augen geführt, dass das Böse nicht unbedingt in verrufenen Gegenden auftauchen muss, sondern auch völlig unscheinbar und nahezu unbemerkt in der näheren Nachbarschaft. Inspiriert wurde

Robert Bloch (von molosovsky)

Robert Bloch (von molosovsky)

Bloch durch die kurze Zeit vorher bekannt gewordenen Taten Ed Geins, der seine Grausamkeiten inmitten einer funktionierenden Dorfgemeinschaft ausleben konnte, ohne entdeckt zu werden.

Die hier vorliegende Version ist eine ungekürzte Neuübersetzung, welche sich in einigen grundlegenden, inhaltlichen Dingen von der filmischen Umsetzung unterscheidet. Wesentlich komplexer in seiner Grundstruktur ist die Geschichte geprägt durch verschiedene Handlungssprünge. Auch die auftauchenden Figuren unterscheiden sich teils gravierend zum Film. Dies wird besonders deutlich in der Figur des Norman Bates, der hier ein fülliger, gar fettleibiger, kahlköpfiger Mann ist, der dem Alkohol nicht abgeneigt scheint. Aber auch die weiblichen Figuren werden hier wesentlich erotischer dargestellt, als dies in einem Film dieses Jahrzehnts möglich gewesen wäre. Aber ich will mich von den Vergleichen zum Film lösen, denn es handelt sich bei Robert Blochs Roman nicht um ein Buch zum Film, sondern stellt die literarische Vorlage dar, die in dem gezeichneten Bild der Hauptfigur und ihrem Krankheitsbild ihrer Zeit weit voraus war.

Die Veröffentlichung aus dem Hause Golkonda ist auf dem von diesem Verlag gewohnt hohen Niveau. Das Buch ist ein Softcover, welches durch seine grafische Gestaltung einen echten „eye-catcher“ darstellt. Der Schriftzug auf schwarzem Hintergrund windet sich spiralförmig zu seinem Ursprung, einer sich drehenden Version des bekannten Bates-Motels. Interessant ist die Nachbemerkung des Autors, welche dieser kurz vor seinem Tod im Jahr 1994 zur Erstellung einer damaligen Sonderauflage verfasste. Hier widmet er sich auf seine ihm typische, humorvoll-verschmitzte Art dem Ärgernis, dass ständig vergessen würde, dass er, Robert Bloch, als Autor die Idee zu Psycho hatte, Hitchcock jedoch nur auf seine literarische Vorlage zurückgegriffen habe, die Vermarktung des Films aber den Eindruck vermittelte, als sei es die Idee des Regisseurs gewesen („Alfred Hitchcocks Psycho“). Ein Problem, welches sich auch heute, fast zwanzig Jahre nach Blochs Tod noch hartnäckig hält.
Die Übersetzung der vorliegenden Ausgabe durch Hanns Riffel orientiert sich an der „35th Anniversary Edition“ aus dem Jahr 1994, an welcher der Autor damals noch mitwirkte, dessen Veröffentlichung er jedoch wegen seiner schweren Krebserkrankung und seinem Tod im September 1994 nicht mehr miterleben konnte.

Psycho von Robert Bloch zeigt, dass ein Thriller, der vor über 50 Jahren geschrieben wurde, auch heute noch aufgrund seines geschickten Spannungsaufbaus und dem zeitlosen Profil des Wahnsinns, welches sich unter dem oberflächlich funktionierenden Zerrbild gesellschaftlicher Normen befindet, zu faszinieren und zu fesseln weiß. Ein wahrer Klassiker, den es auch heute noch lohnt, für sich zu entdecken!

Christian Funke-Smolka