Roger Smith - Blutiges Erwachen  (Heyne Hardcore)

Roger Smith – Blutiges Erwachen (Heyne Hardcore)

 

Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, war Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, der in Kapstadt lebt und arbeitet. Während der Apartheid gründete er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv, welches eine Reihe wichtiger, und international erfolgreicher Protestfilme schuf.
Seit 2009 widmet er sich der Schreiberei von Thrillern, deren Merkmal ein effizienter und harter Schreibstil und die gnadenlos realistische Darstellung der alltäglichen Gewalt und Kriminalität in Südafrika ist. Direkt mit seinem Debütroman Kap der Finsternis gelang ihm ein beachtlicher Erfolg so wie eine große Aufmerksamkeit durch Kritik und Publikum, hier vorliegend haben wir nun Blutiges Erwachen (Heyne Hardcore, Taschenbuch, 368 Seiten), welches nahtlos an die Klasse des Erstlings anschließt, stellenweise diesen sogar noch übertrifft!

Wer sich ein Bild von der Hölle machen möchte, kommt ihr mit der Lektüre der Geschichten von Roger Smith in seiner Vorstellung ein ganzes Stück näher. Die Gewalt gehört hier zum Alltag, sexueller Missbrauch und Tod sind ständige Weggefährten.

Blutiges Erwachen handelt von dem jungen Ex-Model Roxanne, genannt Roxy, die meint, durch die Hochzeit mit Joe habe sie ausgesorgt. Jedoch ist dieser ein gewalttätiger und skrupelloser Waffenhändler, und die Ehe für Roxy alles andere als angenehm. Als das Paar an einem heißen Sommertag von zwei Gangstern überfallen, und Joe verwundet wird, erschießt sie ihren Ehemann kurzerhand, und schiebt die Schuld den flüchtigen Gangstern in die Schuhe.
Damit tritt sie jedoch eine Lawine an Gewalt los, denn die beiden Straßengangster stehen nun unter Mordverdacht, und wollen sich rächen. Schutz wird Roxy plötzlich von dem farbigen Ex-Cop und jetzigem Söldner Billy Africa angeboten, der aber ganz andere Ziele damit verfolgt, denn er hat noch eine offene Rechnung mit dem Psychopathen Piper, welcher aus dem Gefängnis ausgebrochen ist.
Alle Beteiligten treiben dabei in einem Strudel aus Gewalt und Tod, ohne einen Ausweg zu finden.

Roger Smith

Stilistisch ist Roger Smith sich auch in seinem zweiten Roman treu geblieben. Parallelhandlungen werden durch knappe Sätze und kurze Kapitel mit hohem Tempo nach vorne getrieben, die messerscharfen Dialoge, gepaart mit schnellen Szenenwechseln, reißen den Leser dabei förmlich in die Story.
Auffallend ist der hohe Grad an Realismus in den Geschichten des Autors. Es gibt hier keine mysteriösen Serienmörder oder im geheimen operierende, weltbeherrschende Organisationen, die Probleme der Protagonisten sind hier hausgemacht, resultierend aus den Sozialkontakten, den gesellschaftlichen Strukturen oder schlichtweg einer Affekthandlung. Das persönliche Umfeld unserer Romanfiguren ist geprägt durch Drogen, Kriminalität, Armut und Aberglaube. Eine schlechte Kombination, wenn man hier an die falschen Personen gerät. Konsequenterweise schafft der Autor auch keinen Ausweg aus solch einem Leben, oder lässt die Geschichten für alle Beteiligten glücklich enden, sondern bleibt dem eingeschlagenen Weg der realistischen Hölle treu!

Roger Smiths Weltanschauung in seinen Geschichten ist düster und brutal, leider scheint es sich jedoch aber genau so in manchen Teilen des Landes abzuspielen, und das ist eigentlich das erschreckendste an seinem Roman.
Wer als Leser starke Nerven hat, die Augen vor der grausamen Realität nicht verschließen will, und dabei auf hohem Niveau spannend und aufrüttelnd unterhalten werden möchte (nun gut, der Begriff „Unterhaltung“ ist bei Roger Smith deplatziert, es handelt sich hier eher um einen fieberhaften Trip in den Abgrund der Hölle als um „Unterhaltung!!!), der soll sich unbedingt Blutiges Erwachen kaufen!

Christian Funke-Smolka