Roger Smith schreibt als Max Wilde: Schwarzes Blut (Heyne Hardcore)

Roger Smith schreibt als Max Wilde: Schwarzes Blut (Heyne Hardcore)

Du kannst dem Bösen nicht entfliehen. Es ist ein Teil von dir.

Schwarzes Blut von Max WildeSie hat gerade die Ruinen des alten Roadhouse erreicht, als sie das dunkle Grummeln eines Motors hinter sich hört. Scheinwerfer beleuchten den Sand zu ihren Füßen. Sie geht schneller, während der Fahrer gerade so viel Gas gibt, um mit ihr mitzuhalten. Sie spielen mit ihr. Sie lassen sie rennen, halten sich immer dicht hinter ihr. Der Wagen beschleunigt erst, als sie die Straße verlässt, um hinaus in die Wüste zu fliehen. Da weiß sie, dass es kein Entkommen gibt. Das Unvermeidbare wird geschehen. Ihre Verfolger werden sterben.

Max Wilde ist das Pseudonym des südafrikanischen Schriftstellers, Drehbuchautors und Regisseurs Roger Smith. Seine unter Klarnamen veröffentlichten Südafrika-Thriller sind bei Krimifans und Kritikern gleichermaßen beliebt.

Meinung zum Buch:

Dem Fan düsterer aber realistischer Thriller ist der Südafrikaner Roger Smith dank seiner faszinierenden Bücher ein Begriff. Wie kaum ein anderer Autor ist er in der Lage, mit seiner harten, pointierten Sprache Atmosphäre zu kreieren und ein brutal-realistisches Bild einer korrupten Gesellschaft darzustellen. Hier vorliegend haben wir sein 2012 unter dem Pseudonym Max Wilde geschriebenes Buch Schwarzes Blut, welches eine komplett andere Seite des Autors zeigt. Seine Geschichte um den traumatisierten Polizeibeamten Gene Martindale, seinem kleinen Sohn Timmy und seiner heranwachsenden Ziehtochter Skye peitscht er unbarmherzig durch die gewalttätige und staubige Welt der dissozialen Individuen wie dem korrupten Cop Drum, dem Drogen produzierenden Priester Tincup oder dem Psychopathen Cotton Junior.12301

Schwarzes Blut erscheint bei Heyne Hardcore (320 Seiten, €8,99) als interessant gestaltetes Taschenbuch. Ein Covermotiv, welches eine nur mit zerrissenem Top und Schlüpfer bekleidete, kniende Frau im Vordergrund zeigt, während im Hintergrund ein Pritschenwagen durch eine Wüstenlandschaft fährt, lässt Assoziationen zu den Exploitation-Filmen der frühen 70’er aufkommen, während der Inhalt sich genau dieser Vorgaben mit Anleihen beim klassischen Pulp bedient. Wer die bisherigen Romane des Autors Roger Smith kennt, die sich virtuos den Stilmitteln von sozialkritischen und politisch ambitionierten Hard-Boiled-Thrillern bedienen und in ihrer effizienten, auf das textliche Minimum reduzierte Art dem Leser schmerzhaft ins Hirn brennen, der wird überrascht sein, wie der hier unter dem Pseudonym Max Wilde schreibende südafrikanische Autor sich sowohl inhaltlich als auch stilistisch verändert. Seine Mischung aus „Species“, Tex-Mex-Drogen-Thriller und Okkultismus-Horror ist so gewagt wie wild und wird von ihm tempo- und actionreich mit extrem blutigen Szenarien inszeniert. Dabei lässt er den Leser sowohl atem- als auch etwas ratlos zurück. Denn Smith/Wilde gönnt weder sich noch dem Leser die Ruhe, seine Geschichte oder ihre Figuren sich entwickeln zu lassen, so dass sie stellenweise gehetzt und nahezu immer cartoonesk überzogen wirkt. Dies mag Stilmittel sein, dient aber letztendlich nur als spannende, kurzweilige, temporeiche aber wenig in die Tiefe gehende Unterhaltung.
Damit ist Schwarzes Blut rasante Unterhaltungslektüre für die Leser unter uns, die einen extrem unempfindlichen Magen haben, denn eines ist das Buch auf jeden Fall: knüppelhart und blutig!

Verlagsseite

Christian Funke-Smolka