Roger Smith - Stiller Tod (Klett-Cotta/ Tropen)

Roger Smith – Stiller Tod (Klett-Cotta/ Tropen)

Roger Smith – der härteste Thrillerautor aus Südafrika

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 „Realität ist eine Illusion, wiewohl eine sehr beständige“

(Albert Einstein)

 

Nick Exley ist mit Frau und Kind in die Stadt seiner Kindheit zurückgekehrt, das gepflegte Kapstadt der reichen Weißen. Doch sein luxuriöses Leben wird zum Albtraum, als seine vierjährige Tochter stirbt und Expolizist Vernon Saul teuflischen Nutzen aus der Tragödie zieht. Bald läuft Exley Gefahr, nicht nur seine Familie, sondern auch sich selbst zu verlieren.

Inhalt:

Roger Smith

Roger Smith

Als die kleine Sunny vor dem Haus ihrer Eltern ertrinkt, raucht ihr Vater gerade einen Joint, während ihre Mutter sich mit ihrem Liebhaber in der Küche vergnügt. Nur Vernon Saul, eine verwundete, aber gefährliche Seele, bekommt mit, was am Strand vor sich geht. Doch er greift nicht ein. Der ehemalige Polizist aus den Elendsvierteln von Kapstadt ist für seine Skrupellosigkeit und Brutalität bekannt. Inzwischen arbeitet er für eine Sicherheitsfirma und dreht in den Bezirken der Reichen seine Runden. Das Gefühl von Macht ist das Einzige, was Saul antreibt. Und er hat Macht – über Dawn, eine drogensüchtige Prostituierte, die er erpresst, über seine Mutter, die er in ihrem eigenen Haus wie eine Sklavin hält, und über Nick Exley, der kurz nach Sunnys Tod eine Tat begeht, die alles auf den Kopf stellt.

Meinung zum Buch:

Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist ein Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, der in Kapstadt lebt und arbeitet. Während der Apartheid gründete er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv, welches eine Reihe wichtiger, und international erfolgreicher Protestfilme schuf. Seit 2009 widmet er sich der Schreiberei von Thrillern, deren Merkmal ein effizienter und harter Schreibstil und die gnadenlos realistische Darstellung der alltäglichen Gewalt und Kriminalität in Südafrika ist. Direkt mit seinem Debütroman Kap der Finsternis gelang ihm ein beachtlicher Erfolg so wie eine große Aufmerksamkeit durch Kritik und Publikum, hier vorliegend haben wir nun seinen vierten Roman  Stiller Tod (Klett-Cotta/Tropen, gebundene Ausgabe, 384 Seiten, €19,95).

Auch in seinem Roman Stiller Tod beschäftigt sich Roger Smith mit den Themen der alltäglichen Gewalt in Südafrika, widmet sich dem intensiven Blick auf die Menschen, die Opfer aber auch Täter sind. Vielschichtig werden die unterschiedlichen Facetten seiner Charaktere beleuchtet, ein realistisches Bild gezeichnet und ihnen eine, wenn auch nicht immer angenehme, Persönlichkeit verliehen. Sein Stil ist dabei gewohnt kurz und knapp, effizient auf das Nötige ausgerichtet. Präzise liefert er seine prägnanten Beschreibungen, liefert ein punktgenaues Abbild einer harten, abgründigen Hölle, die jedoch sehr nahe an die Realität reicht (die laut Aussage des Autors um einiges härter ist als jede seiner Geschichten). Doch etwas ist anders in Stiller Tod! Neben den Schilderungen von Gewalt, Missbrauch und Tod findet man auch einen Schimmer von Hoffnung. Für Smith ungewöhnlich emotional, tauchen plötzlich die Aspekte der Schuld und Vergebung auf, zeichnet er gar eine Liebesgeschichte, die seiner Story eine menschliche Note verleiht.

Stiller Tod ist im Gesamtkontest der Geschichten des Autors gesehen seine wohl trotz der ganzen geschilderten Grausamkeiten versöhnlichste. Die Geschichte ist dicht erzählt und liefert einen Hard Boiled  Blick auf die Schattenseite Südafrikas. Grausame Gewalt regiert hier das Leben, dies wird von Smith in harten, gewohnt überzeichneten Metaphern geschildert. Ein Buch wie ein Vorschlaghammer!

Christian Funke-Smolka

Verlagsseite mit Leseprobe