Rucka, Checchetto & Fiumara - Punisher 1: Ermittlungen  (Marvel/ Panini Comics)

Rucka, Checchetto & Fiumara – Punisher 1: Ermittlungen (Marvel/ Panini Comics)

Der Punisher, dessen bürgerlicher Name Frank Castle lautet, ist wohl der tragischste Held aus Marvels Superhelden – Universum, wenn nicht sogar, auf Grund seiner inneren Zerrissenheit und seiner düster-brutalen Seite, eine der dunkelsten Gestalten der aktuellen Comic – Serienlandschaft.

Frank Castleist ein Vietnam – Kriegsveteran, der als Offizier des Marine Corps seinem Land mutig und uneigennützig diente, nun aber nach den erlebten Grausamkeiten der Einsätze versucht, mit seiner Frau und seinen Kindern (hier variieren die Geschichten, mal hat er einen Sohn, mal mehrere Kinder) ein friedliches Leben zu führen und den erlebten Kriegsgräueln zu entkommen. Jedoch wird seine Familie vor seinen Augen ermordet (auch hier gibt es bei den Motiven der Tat unterschiedliche Versionen), Castle jedoch überlebt das Massaker an seiner Familie und begibt sich auf eine Mission, die ihn jeden Verbrecher bekämpfen lässt. Da er als ausgebildeter Marine eine Tötungsmaschine mit besonderen Fähigkeiten an so ziemlich jeder gängigen Waffe ist, wird er eine ernstzunehmende Bedrohung für die Unterwelt, da er nicht zimperlich ist, und Selbstjustiz, Folter und Mord als Methoden nicht ausschließt.

Greg Rucka

Seinen ersten Auftritt hatte er 1974 im Amazing Spider-Man Nr. 129, wo er durch die Manipulation eines Superschurken gegen Spider-Man kämpfte. Da er sehr schnell an Popularität gewann, kam es immer öfter zu Gastauftritten sowohl bei Spider-Man als auch in anderen Serien des Marvel-Universums. In den frühen 80ern gelang es dann endlich, dem Punisher eine eigene Serie zu spendieren, obwohl die Idee, einen Serienhelden zu etablieren, der kaltblütig Selbstjustiz verübt, nicht jedem gefiel! Aber die anfänglich geplante Miniserie war sehr erfolgreich und wurde entsprechend fortgesetzt. Mitte der 90er sank das Interesse des Publikums an den Geschichten des Punishers, so dass man erst mal pausierte, ihm dann aber einige Jahre später durch das Dream-Team Garth Ennis und Steve Dillon eine bissige und schwarzhumorige Frischzellenkur verpasste. Seitdem erscheinen Punisher-Serien mit den unterschiedlichsten Ansätzen, teils angesiedelt im Superhelden-Universum, teils von dort abgelöst und bewusst realistisch und noch düsterer gehalten.

Nach Abenteuern um den Punisher, in welchen er als FrankenCastle wiedererweckt wurde, um dann unter dem Einfluss des Blutsteins als monströser Vollstrecker umher zu wandeln, ist es richtig erfrischend, nun mit dem Debüt des großartigen Autors Greg Rucka (Wolverine, Gotham Central oder Queen & Country) neues Blut in die Reihe zu pumpen. Greg Rucka gilt als einer der fünf Top-Autoren von DC, wo er für seine Beiträge viele Preise erhielt, zum Beispiel den Eisner Award für Half a Life – Storyline in Gotham Central. Für Marvel schrieb er neben den genannten Wolverine-Beiträgen noch Stories für die Elektra– und die Ultimate Daredevil and Elektra-Reihe. Hier liegt nun mit Punisher 1 (132 Seiten, Panini Comics, €14,95) sein Debüt im Punisher-Universum vor, welches direkt seine Stärken zeigt: starke Frauenrollen und den Fokus weg vom eigentlichen Protagonisten hin zu den Menschen der Geschichte, die absichtlich oder nicht, ins Kreuzfeuer geraten.

Marco Checcetto

Punisher 1 beginnt mit einer Hochzeit: der Bräutigam Arzt, die Braut, Rachel Cole, eine Soldatin, die in Afghanistan gekämpft hat. Plötzlich stürmen bewaffnete Männer die Hochzeitsfeier und eröffnen das Feuer auf die Gäste. Die Braut überlebt schwer verletzt, während ihr Bräutigam und 26 Gäste tot sind. Einer der toten ist jedoch einer der Täter, so dass sich Detective Walter Bolt und sein Partner Detective Clemons auf die Suche nach den Hintergründen machen können. Doch je mehr sie recherchieren, desto öfter treffen sie auf die Spur eines Unbekannten, der auf einem einsamen Rachefeldzug zu sein scheint. Aber auch der Feind scheint über übermenschliche Fähigkeiten zu verfügen.
Da so viele grausame Taten nicht unentdeckt bleiben können, setzt sich bald auch die Journalistin Norah Winters auf die Spur des Punishers. Bald schon überschneiden sich die Wege aller Beteiligten, was die Situation für alle noch gefährlicher macht, denn der nächste Verbrecher hat schon begonnen, seinen perfiden Plan in die Tat umzusetzen (hier kommt auf amüsante Weise Spiderman ins Spiel).

Die Story aus der Feder Greg Ruckas gelingt es, alte Bekannte und neue Charaktere hervorragend zu kombinieren, der spannenden Geschichte, welche sich aus den Heften Punisher: One (Band 1-4), After 100 Days und Tingling (Spider-Island: I love New York City) zusammensetzt, mit viel Tempo und einem guten Gespür für stimmige Dialoge auszustatten, und die Protagonisten, die die Handlung um den Punisher tragen, glaubwürdig wirken zu lassen . Aber eine Geschichte kann noch so gut sein, wenn die Zeichnungen nichts taugen, verliert sie ihre Wirkung. Hier jedoch zeigen sich für Band I-V Zeichner Marco Checchetto (Amazing Spiderman, Daredevil, X-Men Legacy) und Band VI Max Fiumara (Dark Reign: The Cabal,

Max Fiumara

The Mighty Thor) verantwortlich, und ihnen gelingt das Kunststück, den Bildern eine unglaubliche Dynamik zu verleihen, durch die Bildsprache eine Lebendigkeit zu vermitteln und damit die Story als zweite Säule zu tragen.
Ich persönlich bin begeistert und total gefesselt von Punisher 1 und freue mich schon riesig auf die Weiterführung der Reihe. Somit kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen!!!

Christian Funke-Smolka